Bodendegradation beeinträchtigt globale Nahrungsmittelproduktion und erfordert nachhaltiges Bodenmanagement

Bodendegradation beeinträchtigt globale Nahrungsmittelproduktion und erfordert nachhaltiges Bodenmanagement

Bodendegradation beeinträchtigt bereits die weltweite Nahrungsmittelproduktion

Eine aktuelle Untersuchung, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Nature Food, liefert erstmals umfassende empirische Belege für den Einfluss von Bodendegradation auf die landwirtschaftliche Produktivität auf globaler Ebene. Das internationale Forscherteam, unter anderem mit Professor Nima Shokri vom Institut für Geo-Hydroinformatik der Technischen Universität Hamburg (TUHH), analysierte detaillierte globale Datensätze zu Bodenqualität, Bodendegradation und Ernteerträgen.

Zusammenhang zwischen Bodendegradation und Ertragslücken

Die Studie zeigt, dass eine Zunahme der Bodendegradation um zehn Prozent mit einer Steigerung der sogenannten Ertragslücke um etwa zwei Prozent einhergeht. Die Ertragslücke beschreibt die Differenz zwischen den tatsächlich erzielten Erträgen und den potenziell unter den jeweiligen lokalen Bedingungen möglichen Erträgen. Diese Ergebnisse verdeutlichen, wie stark Bodendegradation die landwirtschaftliche Leistung einschränkt.

Folgen für Ernteerträge und wirtschaftliche Verluste

  • Jährliche Ernteverluste durch Bodendegradation belaufen sich weltweit auf circa 20 Millionen Tonnen.
  • Dies entspricht etwa 52 Billionen Nahrungskalorien, was die Ernährung von rund 71 Millionen Menschen ermöglichen würde.
  • Die ökonomischen Einbußen in der Landwirtschaft werden auf rund vier Milliarden US-Dollar pro Jahr geschätzt.

Im Gegensatz zu früheren Studien, die meist auf lokalen Feldexperimenten oder Modellrechnungen basierten, bietet diese Untersuchung erstmals globale empirische Daten, die den Zusammenhang zwischen langfristiger Bodendegradation und landwirtschaftlicher Produktivität über verschiedene Anbausysteme hinweg belegen.

Regionale Schwerpunkte und globale Relevanz

Die Analyse identifiziert geografische Regionen, in denen die landwirtschaftliche Produktion besonders empfindlich auf Bodendegradation reagiert. Dazu zählen unter anderem Teile Indiens, Chinas, der Vereinigten Staaten sowie Mittel- und Südamerikas. Gleichzeitig wird deutlich, dass Bodendegradation nicht ausschließlich ein Problem von Entwicklungsländern darstellt, sondern auch in hochentwickelten Agrarsystemen in Industriestaaten auftritt.

Handlungsempfehlungen für nachhaltiges Bodenmanagement

Die Forschenden betonen die Bedeutung einer stärkeren Integration von nachhaltigem Bodenmanagement in zukünftige Agrarpolitiken. Maßnahmen wie die Wiederherstellung degradierter Böden, konservierende Landwirtschaftspraktiken und ein kontinuierliches Bodenmonitoring können dazu beitragen, die Ernährungssicherheit zu erhöhen und die Resilienz gegenüber klimatischen Veränderungen zu stärken.

Professor Nima Shokri hebt hervor: „Gesunde Böden bilden die Basis für widerstandsfähige Ernährungssysteme. Bodendegradation ist nicht nur ein Umweltproblem, sondern stellt eine wachsende Bedrohung für die globale Ernährungssicherheit dar. Schutz und Wiederherstellung der Böden sind daher essenzielle Investitionen in die Zukunft unserer Ernährungssysteme und Volkswirtschaften.“

Die Studie reflektiert die interdisziplinäre Forschungsarbeit am Institut für Geo-Hydroinformatik der TUHH, wo innovative Methoden zur Analyse von Wasser-, Boden- und Umweltsystemen unter veränderten klimatischen Bedingungen entwickelt werden.

Zur Originalpublikation in Nature Food