
COP31: Fokus auf Elektrifizierungsziele und Umsetzung nationaler Klimaschutzmaßnahmen
Erwartungen des Wuppertal Instituts an die Weltklimakonferenz in Antalya
Die anhaltende Klimakrise erhöht den Druck auf die internationale Klimapolitik erheblich. Angesichts der drohenden Überschreitung der 1,5-Grad-Grenze kommt der 31. Vertragsstaatenkonferenz der UN-Klimarahmenkonvention (COP31) eine zentrale Rolle zu, um ambitionierte Emissionsreduktionen voranzutreiben und bestehende Verpflichtungen konsequent umzusetzen. Die Konferenz findet vom 9. bis 20. November 2026 in Antalya, Türkei, statt.
Herausforderungen der globalen Klimapolitik
Die derzeitigen nationalen Klimaziele reichen nicht aus, um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Zusätzlich erschweren geopolitische Spannungen und Krisen die internationale Zusammenarbeit sowie die Festlegung und Umsetzung gemeinsamer Klimaziele.
Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, Präsident und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts, betont: „Die internationale Klimapolitik steht vor der enormen Aufgabe, trotz widriger Bedingungen deutlich schneller Fortschritte zu erzielen. Die extremen Wetterereignisse des Jahres 2026, wie Hitzeperioden und Starkregen, verdeutlichen den dringenden Handlungsbedarf. Untätigkeit ist keine Option, da sie zu erheblichen Schäden für Gesellschaft und Wirtschaft führt und langfristig höhere volkswirtschaftliche Kosten verursacht.“
Er ergänzt, dass die Staaten ihre bestehenden Klimazusagen nicht nur umsetzen, sondern auch neue Strategien entwickeln müssen, um zusätzliche Emissionseinsparungen zu realisieren. Nur so könne die Überschreitung der 1,5-Grad-Grenze möglichst gering gehalten werden.
Elektrifizierungsziele als Schlüssel zur Energiewende
Auf der COP28 in Dubai einigten sich die Vertragsstaaten auf den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen sowie auf globale Ziele zum Ausbau erneuerbarer Energien und zur Steigerung der Energieeffizienz. Seitdem kam es jedoch zu Blockaden in den Verhandlungen, obwohl erneuerbare Energien in vielen Regionen bereits die kostengünstigste Stromerzeugungsoption darstellen.
Im April 2026 veranstalteten Kolumbien und die Niederlande eine eigenständige Konferenz zur Abkehr von fossilen Brennstoffen (TAFF), um die Dynamik voranzutreiben. Die COP31 stellt nun die Frage, wie die dort erzielten Ergebnisse in die offiziellen UN-Verhandlungen integriert werden können.
Die türkische Präsidentschaft der COP31 verfolgt im Rahmen der freiwilligen Aktionsagenda das Ziel, den Anteil des Stroms am weltweiten Endenergieverbrauch bis 2035 auf 35 Prozent zu erhöhen. Eine verstärkte Elektrifizierung von Verkehr, Industrie und Wärmeversorgung könnte zusätzliche Emissionen einsparen, vorausgesetzt der Strom stammt überwiegend aus erneuerbaren Quellen.
Dr. Wolfgang Obergassel, Co-Leiter des Forschungsbereichs Internationale Klimapolitik am Wuppertal Institut, kritisiert, dass das Thema Ausstieg aus fossilen Brennstoffen in den formellen Verhandlungen an Bedeutung verloren habe. Er fordert, das Elektrifizierungsziel verbindlich in die Verhandlungsergebnisse aufzunehmen und mit konkreten Maßnahmen sowie umfassender Unterstützung für Länder des globalen Südens zu unterlegen.
Gestaltung eines gerechten Strukturwandels
Ein weiterer Schwerpunkt der COP31 ist die Entwicklung eines internationalen Mechanismus für einen gerechten Strukturwandel (Just Transition Mechanism). Bereits auf der COP30 in Belém wurde die Einrichtung dieses Mechanismus vereinbart, jedoch sind dessen konkrete Aufgaben, Finanzierung sowie institutionelle Ausgestaltung noch offen.
Entwicklungsländer verlangen finanzielle und technische Unterstützung, während Industriestaaten gegenüber zusätzlichen Finanzierungsverpflichtungen zurückhaltend sind. Klärungsbedarf besteht auch hinsichtlich der zeitlichen Umsetzung und inhaltlichen Reichweite.
Klimafinanzierung zur Unterstützung betroffener Länder
Die jüngsten Überschwemmungen in Nepal verdeutlichen die schweren Auswirkungen des Klimawandels auf Länder mit geringem Beitrag zur globalen Erwärmung, die jedoch nur begrenzte finanzielle Mittel zur Anpassung besitzen. Die Klimafinanzierung bleibt daher ein zentrales Thema der COP31 und eine Frage der globalen Gerechtigkeit.
Auf der COP29 in Baku verpflichteten sich die Staaten, bis 2035 jährlich mindestens 300 Milliarden US-Dollar für Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern bereitzustellen, wobei Industrieländer eine führende Rolle übernehmen sollen. Dr. Obergassel fordert, dass auf der COP31 konkrete Pläne zur Erreichung dieses Ziels vorgestellt werden müssen.
Besonders wichtig ist die Erhöhung der Mittel für die Anpassung an den Klimawandel. Die Staaten hatten im Vorjahr eine mindestens dreifache Steigerung der Anpassungsfinanzierung bis 2035 beschlossen. Nun sind konkrete Umsetzungsschritte erforderlich.
Beiträge des Wuppertal Instituts auf der COP31
Im Rahmen der COP31 organisiert das Wuppertal Institut mehrere Sideevents, um aktuelle Forschungsprojekte und Ergebnisse zu präsentieren sowie den Dialog mit Delegierten und Praxispartnern zu fördern. Thematische Schwerpunkte sind unter anderem die zweite globale Bestandsaufnahme, die Elektrifizierung der Schwerindustrie sowie Entwicklungen nach der ersten TAFF-Konferenz.
Analyse der Konferenzergebnisse
Das Wuppertal Institut verfolgt die UN-Klimaverhandlungen seit deren Beginn und wird auch nach der COP31 eine erste Bewertung der Ergebnisse veröffentlichen. Am 2. Dezember 2026 findet eine digitale Veranstaltung in englischer Sprache statt, bei der die Ergebnisse vorgestellt und mit Expertinnen und Experten diskutiert werden. Die Teilnahme ist kostenfrei; Details und Anmeldemöglichkeiten werden zeitnah bekanntgegeben.
Kontakt und weiterführende Informationen
- Wuppertal Institut auf der COP31: https://wupperinst.org/a/wi/a/s/ad/9486
- Sideevents und Ausstellung während der COP31: https://seors.unfccc.int/applications/seors/reports/events_list.html
- Weitere Informationen zur COP: https://wupperinst.org/themen/klima/cop
Kontakt Wuppertal Institut:
Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, Präsident und wissenschaftlicher Geschäftsführer
Christin Hasken, Leitung Kommunikation, Pressesprecherin
Telefon: +49 202 2492-187
E-Mail: pr@wupperinst.org




