
Entdeckung einer afrikanischen Fledermausart in Europa nach fast 200 Jahren
Ein internationales Forscherteam hat auf der italienischen Insel Pantelleria erstmals den Nachweis der Ägyptischen Schlitznase (Nycteris thebaica) in Europa erbracht. Die Art, die in Afrika südlich der Sahara verbreitet ist, war in Europa bislang ein zoologisches Rätsel, da frühere Hinweise aus dem 19. Jahrhundert nicht bestätigt werden konnten. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Global Ecology and Conservation veröffentlicht.
Biogeografische Bedeutung der Insel Pantelleria
Pantelleria, eine Vulkaninsel im Sizilianischen Kanal zwischen Tunesien und Sizilien, spielt eine zentrale Rolle als Verbindung zwischen Nordafrika und Europa. Die Insel ist ein Schlüsselgebiet, um die Ausbreitung afrikanischer Fledermausarten im Mittelmeerraum besser zu verstehen.
Herausforderungen bei der Nachweisführung
Die Ägyptische Schlitznase ist eine bodennah fliegende Fledermaus, die sehr leise und hochfrequente Echoortungsrufe aussendet. Diese Rufe sind schwer zu erfassen, insbesondere bei Standardmethoden der akustischen Überwachung, was erklärt, warum die Art bisher übersehen wurde. Historische Berichte aus Sizilien waren ungenau und enthielten keine verifizierbaren Belege.
Methodik der aktuellen Studie
- Passives akustisches Monitoring identifizierte ungewöhnliche Fledermausrufe.
- Gezielte Aufnahmen wurden mit Mikrofonen in Bodennähe und hoher Empfindlichkeit durchgeführt.
- Die gewonnenen Rufsequenzen konnten eindeutig der Ägyptischen Schlitznase zugeordnet werden.
- Beobachtet wurden sowohl Echoortungsrufe als auch Soziallaute und gemeinsames Fliegen von zwei Individuen.
Schlussfolgerungen und Bedeutung des Fundes
Die gleichzeitige Anwesenheit mehrerer Tiere und soziale Lautäußerungen deuten auf eine kleine, bisher unbekannte Population auf Pantelleria hin. Dies widerlegt die Annahme, es handele sich lediglich um vereinzelte Irrgäste. Die Studie zeigt zudem, dass angepasste Erfassungsmethoden, wie bodennahe Mikrofonpositionierung und manuelle Analyse der Aufnahmen, notwendig sind, um schwer nachweisbare Fledermausarten zu erfassen.
Biogeografische Implikationen
Der Fund unterstützt die Hypothese, dass Inseln im Sizilianischen Kanal als Trittsteine für die Ausbreitung nordafrikanischer Fledermäuse nach Europa dienten. Während früherer Meeresspiegeltiefstände waren die Wasserstrecken kürzer und mehr Landflächen über dem Meeresspiegel vorhanden, was die Besiedlung erleichterte.
Ausblick und Schutzmaßnahmen
- Weitere Untersuchungen sollen die Population auf Pantelleria genauer erfassen, ihre Quartiere identifizieren und genetisch analysieren.
- Es wird geprüft, ob die Art auch auf Sizilien oder anderen Inseln im Kanal vorkommt.
- Mögliche Bedrohungen wie Waldbrände und freilaufende Hauskatzen werden untersucht.
- Die Studie unterstreicht die Bedeutung gezielter akustischer Erfassungen zur Entdeckung bislang unbekannter Tierpopulationen.
Die Forschungsarbeiten wurden unterstützt vom Nationalpark Pantelleria, der Alexander-von-Humboldt-Stiftung sowie der Heidehof Stiftung.


