Die Optimierung der CAR-T-Zelltherapie



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11.02.2026 15:15

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Plötzlich gesund

Fortschreitende Naturerkenntnis, ganz allgemein gesprochen, ‚Wissenschaft‘, ist der stärkste Feind des medizinischen Wunders. Was unseren Vorfahren als Wunder erschien, was einfache Naturvölker heute noch in heftige Erregung versetzt, das berührt den zivilisierten Menschen längst nicht mehr.
Doch es gibt einen Gegensatz, der jedem Denkenden sofort auffällt: der unerhörte, durchaus nicht abgeschlossene Aufstieg der wissenschaftlichen Heilkunde und die ebenso unerhörte Zunahme der Laienbehandlung und der Kurpfuscherei. Man schätzt die Zahl der Menschen, die der Schulmedizin kein Vertrauen schenken, auf immerhin 50 Prozent.
Wie kann es sein, daß Laienbehandler und Kurpfuscher immer wieder spektakuläre Erfolge aufweisen, von denen die Sensationspresse berichtet?
Der Autor geht dieser Frage nach und kommt zu interessanten Erkenntnissen, aus denen er Vorschläge für eine bessere Krankenbehandlung durch seine ärztlichen Standesgenossen ableitet.

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Die Optimierung der CAR-T-Zelltherapie

Bereits 2024 zeigte die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Sebastian Kobold am LMU Klinikum, dass der Stoff Prostaglandin E2 in der Umgebung eines Tumors die T-Zellen des Immunsystems blockieren kann, so dass sie die Krebszellen nicht angreifen. Das ist einer der Gründe, warum therapeutische CAR-T-Zellen bislang bei sogenannten soliden Tumoren wie etwa Darm- oder Brustkrebs nicht erfolgreich sind. Nun hat Kobolds Team der Immunopharmakologie die Erkenntnis praktisch genutzt. Die Forschenden haben die CAR-T-Zellen so verändert, dass das Prostaglandin E2 nicht mehr an ihnen andocken kann. So können die CAR-T-Zellen auch feste Krebsherde zerstören.

Das Immunsystem eines Krebspatienten „scharf“ auf die Tumorzellen im Körper zu stellen und die lebensgefährliche Erkrankung zu bekämpfen – das funktioniert mit CAR-T-Zellen bei Patienten mit bestimmten Leukämien (Blutkrebs) und Lymphomen (Lymphdrüsenkrebs) in vielen Fällen sehr gut. Das heißt: Der Krebs verschwindet oder entwickelt sich zumindest nicht so weiter, dass die Patientinnen sterben.

CAR-T steht für „chimärer Antigenrezeptor in T-Zellen“. T-Zellen sind Zellen des Immunsystems. Ihren „normalen“ Angriffsversuchen entziehen sich die Krebszellen durch diverse molekulare Tricks. So erkennen die Immunzellen ihre Gegner, die Krebszellen, gar nicht mehr. Im Zuge der Therapie werden den Patienten nun T-Zellen entnommen, die gentechnisch so bearbeitet werden, dass sie ein bestimmtes Eiweiß (CD19) auf ihrer Oberfläche produzieren. Wenn die CAR-T-Zellen in den Körper der Patientinnen gegeben werden, sorgt CD19 dafür, dass die CAR-T-Zellen die Krebszellen erkennen und zielgenau daran binden. Die Krebszellen sterben daraufhin ab.

Sogenannte solide Tumoren wie Darm-, Brust-, Prostata- oder Lungenkrebs haben allerdings Mechanismen entwickelt, mit denen sie die CAR-T-Zellen unwirksam machen. „Wir verstehen aber die dahinterstehenden molekularen Mechanismen immer besser“, sagt Prof. Sebastian Kobold, Direktor des Instituts für Klinische Pharmakologie am LMU Klinikum. Sein Team hat zum Beispiel nachgewiesen, dass Prostaglandin E2 (PGE2) in der Mikroumgebung die Funktion von T-Zellen unterdrückt, indem es an spezielle Rezeptoren auf der Oberfläche der T-Zellen bindet.

Jetzt haben die Münchner Forschenden und ihre Kollegen therapeutische CAR-T-Zellen gentechnisch bearbeitet. Die `CARs´ sind daraufhin nicht mehr in der Lage, diese speziellen Rezeptoren herzustellen. Folge: PGE2 kann nicht mehr an die CAR-T-Zellen binden und seine immununterdrückende Wirkung entfalten. Das zeigte sich daran, dass die CAR-T-Zellen in Mäusen mit Brust- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs die Tumoren in Schach hielten. Und auch in Tumorproben aus Patienten mit Bauchspeicheldrüsen- und Darmkrebs sowie neuroendokrinen Tumoren erwiesen sich diese CAR-T-Zellen als höchst effektiv. Die neue Studie wurde jetzt im Fachjournal „Nature Biomedical Engineering“ veröffentlicht.

„Unser neuer Ansatz soll bald auch in klinischen Studien getestet werden“, sagt Dr. Janina Dörr, Erstautorin der Studie und Forscherin in der Arbeitsgruppe für Immunopharmakologie. Aber zunächst nicht mit Patientinnen mit soliden Tumoren, sondern mit Lymphom-Betroffenen. Auch hier profitieren bislang ja nur knapp die Hälfte der Behandelten von der CAR-T-Therapie. „Es ist nach unseren Erkenntnissen gut möglich, dass die Therapie mit ausgeschaltetem PGE2 deutlich erfolgreicher ist“, erklärt Kobold. Sollte das der Fall sein, könnte bei entsprechender Finanzierung eine Studie mit Patienten mit soliden Tumoren folgen.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Dr. med. Sebastian Kobold
Institut für Klinische Pharmakologie
LMU Klinikum München
Tel: +49 89 4400-57300
E-Mail: sebastian.kobold@med.uni-muenchen.de


Originalpublikation:

Dörr, J., Gregor, L., Lacher, S.B. et al. Ablation of prostaglandin E2 signalling through dual receptor knockout in CAR T cells enhances therapeutic efficacy in solid tumours. Nature Biomedical Engineering (2026). https://doi.org/10.1038/s41551-025-01610-6


Weitere Informationen:

https://www.lmu-klinikum.de/newscenter/pressemitteilungen/die-optimierung-der-ca…


Bilder

Prof. Dr. med. Sebastian Kobold

Prof. Dr. med. Sebastian Kobold
Quelle: Steffen Hartmann
Copyright: LMU Klinikum


Anhang

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Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Medizin
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch


 

Quelle: IDW