
Closed-Loop-Recycling: Verbesserte Kunststoffwiederverwertung aus Altfahrzeugen
Jährlich werden in der Europäischen Union zwischen vier und sechs Millionen Fahrzeuge verschrottet, wodurch wertvolle Rohstoffe verloren gehen. Die EU-Altfahrzeugverordnung zielt darauf ab, diese Materialien zurückzugewinnen und in der Produktion neuer Fahrzeuge wiederzuverwenden. Im Rahmen des Forschungsprojekts Car2Car haben Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) einen Prozess untersucht, der Kunststoffe im Kreislauf hält. Die Ergebnisse verdeutlichen sowohl das Potenzial zur Reduzierung von Treibhausgasen als auch zur Erfüllung der EU-Vorgaben.
Herausforderungen bei der Aufbereitung von Altfahrzeugen
Nach der Außerbetriebnahme eines Fahrzeugs werden zunächst Batterien, Räder, Katalysatoren und Airbags entfernt, ebenso wie Flüssigkeiten abgelassen. Das verbleibende Material wird zerkleinert und besteht aus einer Mischung von Metallen, Textilien, Kunststoffen, Schaumstoffen und Verbundwerkstoffen. Die Trennung und Wiederverwertung von Kunststoffen aus diesem Gemisch ist technisch anspruchsvoll, gewinnt jedoch für Automobilhersteller und Zulieferer zunehmend an Bedeutung. Die geplante EU-Verordnung sieht vor, dass der Anteil an Post-Consumer-Recycling-Kunststoffen in Neuwagen schrittweise auf 25 Prozent steigt.
Davon muss mindestens 20 Prozent aus einem sogenannten Closed-Loop-Recycling stammen, also direkt aus recycelten Materialien von Altfahrzeugen. Professor Magnus Fröhling vom TUM Campus Straubing erläutert, dass dies zwar zunächst gering erscheinen mag, jedoch pro Altfahrzeug etwa 200 Kilogramm Kunststoff anfallen. Zudem spielt Kunststoffrecycling in der Automobilindustrie bislang eine untergeordnete Rolle, weshalb hier großes Entwicklungspotenzial besteht.
Industrielle Erprobung eines neuen Sortierverfahrens
Im Rahmen ihrer Studie bauten die Forschenden auf Erkenntnissen einer Expertengruppe des Car2Car-Konsortiums auf, die sich mit sogenannten Ersatzbrennstoffen beschäftigte – einem Gemisch aus zerkleinerten Kunststoffen, Textilien und Gummiresten, das derzeit überwiegend verbrannt wird und somit Emissionen verursacht. Das Team entwickelte ein Sortierverfahren, das diese Reststoffe zerkleinert, siebt und mittels Sensoren im mittleren Infrarotbereich sortiert.
Dieses Verfahren wurde an mehr als 400 Altfahrzeugen verschiedener Antriebsarten getestet. Die Ergebnisse zeigten, dass durch weitere Aufbereitungsprozesse potenziell wiederverwendbare Kunststoff-Rezyklate gewonnen werden können.
Modellierung der Recyclingquoten und Klimaeffekte
Auf Grundlage der gewonnenen Daten erstellte das Forschungsteam ein Stoffstrommodell, um den Einfluss von Demontageumfang, Fahrzeugzusammensetzung und dem neuen Sortierverfahren auf die Erfüllung der EU-Recyclingquoten zu analysieren. In bestimmten Szenarien könnte der verbesserte Sortierprozess die von der EU für 2035 geforderte Closed-Loop-Quote von 3 Prozent bereits erreichen. Darüber hinaus könnten die Treibhausgasemissionen, die bisher durch Verbrennung der Reststoffe entstehen, um bis zu 29 Prozent reduziert werden.
Professor Fröhling weist darauf hin, dass die Studie Einschränkungen aufweist, da alle untersuchten Fahrzeuge vom gleichen Hersteller stammten und ein ähnliches Alter hatten. Dennoch bewertet er die Ergebnisse als wichtigen Schritt hin zu einer nachhaltigeren Automobilindustrie. Er betont die Notwendigkeit verschiedener Ansätze, die nicht erst bei der Verschrottung ansetzen, sondern auch eine veränderte Fahrzeugkonstruktion sowie den Einsatz besser recycelbarer Materialien umfassen. Eine Kombination aus pragmatischem Vorgehen und ambitionierten Zielen sei hierfür entscheidend.
Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen
Prof. Dr. Magnus Fröhling
Technische Universität München
Lehrstuhl für Circular Economy and Sustainability Assessment
Telefon: +49 9421 187-190
E-Mail: magnus.froehling@tum.de
https://cec.cs.tum.de/de/
Originalpublikation
Reichert, D.; Maeder, M.; Hahn, I. et al.: Closed-loop recycled plastics from end-of-life vehicles: Sensor-based sorting of automotive shredder residues and simulation of closed-loop rates. Waste Management 2026.
DOI: https://doi.org/10.1016/j.wasman.2026.115408
Zusätzliche Informationen
- Prof. Magnus Fröhling ist Mitglied des TUM Campus Straubing für Biotechnologie und Nachhaltigkeit.
- Die Studie wurde im Rahmen des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Forschungsprojekts Car2Car durchgeführt, einem Konsortium aus Industrie und Wissenschaft mit dem Ziel, Grundlagen für eine Kreislaufwirtschaft im Automobilbau zu schaffen.
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