
Energieeffizienz in der Industrie: Investitionen steigen, Bedeutung nimmt ab
Die Universität Stuttgart hat im Rahmen des Energieeffizienz-Index (EEI) 2026 eine Analyse zur Entwicklung der Energieeffizienz in deutschen Industrieunternehmen veröffentlicht. Dabei zeigt sich, dass trotz zunehmender Investitionen die subjektive Bedeutung von Energieeffizienz für die Unternehmen abnimmt.
Investitionen steigen, Priorität sinkt
Das Institut für Energieeffizienz in der Produktion (EEP) der Universität Stuttgart hat im Sommer 2026 erneut Daten zur Energieeffizienz in der Industrie erhoben. Laut Prof. Alexander Sauer, Leiter des Instituts, sehen viele Unternehmen Energieeffizienz vor allem als Instrument zur Reduktion von Kosten und Emissionen sowie zur Einhaltung gesetzlicher Vorgaben. Im Vergleich zu anderen betrieblichen Themen, etwa der Produktentwicklung, wird Energieeffizienz jedoch zunehmend als gleichwertig eingestuft.
- Der Investitionsindex (EII) für Energieeffizienzmaßnahmen ist seit der Energiekrise zum dritten Mal in Folge gestiegen.
- Der Bedeutungsindex (EBI), der die relative Wichtigkeit von Energieeffizienz bewertet, befindet sich fast auf dem Tiefstand der Sommererhebung 2024.
- Nur Großunternehmen messen Energieeffizienz aktuell einen höheren Stellenwert als andere betriebliche Themen bei.
Wirtschaftliche und gesetzliche Treiber dominieren
Die Motivation zur Einführung von Energiemanagementsystemen basiert hauptsächlich auf ökonomischen und betrieblichen Gründen:
- Optimierung und Kontrolle des Energieverbrauchs (71 % der Befragten)
- Reduktion von CO₂-Emissionen (70 %)
- Gesetzliche Anforderungen (58 %)
Das im November 2023 in Kraft getretene Energieeffizienzgesetz (EnEfG) verpflichtet Unternehmen ab bestimmten Energieverbrauchsschwellen zu Maßnahmen wie der Erstellung von Einsparplänen und der Einrichtung zertifizierter Energie- oder Umweltmanagementsysteme. Geplante Novellierungen würden diese Schwellenwerte anheben, was die Anzahl der betroffenen Unternehmen deutlich reduzieren würde.
Managementsysteme und interne Kompetenzen
Aktuell betreiben 55 % der befragten Industrieunternehmen ein zertifiziertes Energie- oder Umweltmanagementsystem. Gleichzeitig haben viele Unternehmen ihre internen Kapazitäten erweitert, sodass externe Unterstützung bei der Planung und Implementierung seltener benötigt wird.
Umgang mit Abwärme und Technologien
Die Verpflichtung zur Vermeidung und Nutzung von Abwärme betrifft derzeit Unternehmen mit einem Endenergieverbrauch von mehr als 2,5 GWh. Die Mehrheit der Betriebe (89 %) kennt ihr Potenzial zur Nutzung von Abwärme. Eine Gesetzesnovellierung würde diese Verpflichtung jedoch auf Unternehmen mit einem Energieinput von über 8 MWh pro Stunde beschränken, wodurch nur noch ein Bruchteil der Betriebe betroffen wäre.
- Über 70 % der Unternehmen setzen auf Wärmerückgewinnung, Dämmung und Isolierung.
- Etwa ein Drittel nutzt Wärmepumpen, Absorptionskältemaschinen oder Kraft-Wärme-Kopplung.
Herausforderungen bei der Amortisationsdauer
Während die Investitionen in Energieeffizienz steigen, bevorzugen Unternehmen aktuell eine Amortisationsdauer von maximal drei Jahren. Die Bereitschaft, längerfristige Investitionen zu tätigen, ist im Vergleich zur Wintererhebung 2023 deutlich gesunken (von 25 % auf 2 %). Zugleich wird das Energieeffizienzgesetz zunehmend kritisch betrachtet, obwohl es weiterhin als zentraler Antrieb für Energieeffizienzmaßnahmen gilt.
Hintergrund zum Energieeffizienz-Index
Seit 2013 erhebt das Institut für Energieeffizienz in der Produktion (EEP) der Universität Stuttgart halbjährlich Daten zur Energieeffizienz in der deutschen Industrie. Der EEI wird in Kooperation mit der Deutschen Energie-Agentur (dena), dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), dem Fraunhofer-Institut IPA, dem TÜV Rheinland und weiteren Partnern erstellt. Die Sommererhebung 2026 basiert auf den Antworten von 854 Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe, die im Zeitraum vom 9. März bis 30. April 2026 befragt wurden.
Schwerpunkte der Befragung
- Existenz zertifizierter Energie- oder Umweltmanagementsysteme
- Vermeidung und Nutzung von Abwärme
- Vorhandensein interner Kapazitäten und Kompetenzen
- Motivation zur Einführung von Energiemanagementsystemen und Abwärme-Maßnahmen
Kontakt und weiterführende Informationen
Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Marie-Christin Grabisch
Institut für Energieeffizienz in der Produktion (EEP), Universität Stuttgart
Telefon: +49 711 970-1398
E-Mail: marie-christin.grabisch@eep.uni-stuttgart.de
Kerim Torolsan
Institut für Energieeffizienz in der Produktion (EEP), Universität Stuttgart
Telefon: +49 711 970-1493
E-Mail: kerim.torolsan@eep.uni-stuttgart.de
Weiterführende Links:
https://www.uni-stuttgart.de/universitaet/aktuelles/meldungen/Bedeutung-von-Energieeffizienz-sinkt-in-Industrieunternehmen/
https://www.eep.uni-stuttgart.de/eei/
https://www.eep.uni-stuttgart.de/




