
Vermeidung der Vernichtung von Warenüberhängen und Retouren
Eine aktuelle Studie untersucht Maßnahmen zur Reduzierung der Vernichtung gebrauchsfähiger Produkte und zur Förderung nachhaltiger Kreislaufprozesse.
Hintergrund und Zielsetzung der Studie
Jährlich werden Millionen von Elektronikartikeln wie Smartphones oder Küchengeräten zurückgegeben oder bleiben ungenutzt im Lager. Die Rückführungsprozesse dieser Waren sind komplex und für die Öffentlichkeit kaum nachvollziehbar. Ein Forschungsteam der Universität Bamberg hat im Auftrag des Umweltbundesamts (UBA) diese Prozesse detailliert analysiert, um die Datenlage zu verbessern. Dr. Björn Asdecker, Hauptautor der Studie, betont, dass die derzeitige Informationsbasis zur Entsorgung von Warenüberhängen und Retouren unzureichend ist.
Die Untersuchung hatte zum Ziel, wissenschaftlich fundierte Empfehlungen zur Weiterentwicklung der sogenannten Obhutspflicht zu erarbeiten. Diese Pflicht regelt die Verantwortung von Unternehmen für den sorgfältigen Umgang mit überschüssigen Waren und Retouren und ist im Kreislaufwirtschaftsgesetz verankert. Gemeinsam mit dem Öko-Institut analysierten Dr. Asdecker und Dr. Vanessa Felch die Gründe für die Vernichtung gebrauchsfähiger Güter und entwickelten Maßnahmen zur Minimierung solcher Praktiken sowie zur Erleichterung der Wiederverwendung.
Der Abschlussbericht ist auf der Website des Umweltbundesamts verfügbar: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/fallstudie-elektrogerate-zur-umsetzung-der
Empfehlungen für Politik und Praxis
- Klare Verantwortlichkeiten und Haftung in der Lieferkette: Die Studie zeigt, dass die Wiedervermarktung und Entsorgung international und schwer durchschaubar sind. Um Verantwortungsverschiebungen zu vermeiden, sollten insbesondere Händler und Plattformbetreiber stärker in die Pflicht genommen werden. Eine eindeutige Haftungsregelung schafft Anreize für einen verantwortungsvollen Umgang mit Warenüberhängen und Retouren.
- Stärkung der Marktaufsicht: Für die effektive Durchsetzung der Obhutspflicht ist eine klar mandatierte Überwachungsbehörde erforderlich. Die Einführung einer Paketsteuer oder Retourenabgabe kann die Ausstattung dieser Behörde sichern und gleichzeitig ökonomische Anreize bieten, die Rücklaufmengen zu verringern. Dr. Asdecker sieht hierin den wichtigsten Hebel zur Veränderung der bestehenden Anreizstrukturen.
- Erhöhung der Transparenz: Unternehmen zeigen sich oft nicht bereit, freiwillig Daten zu Rückführungsprozessen bereitzustellen. Die Studie empfiehlt deshalb eine gesetzlich verankerte Datenerhebung, die qualitative und quantitative Informationen zu Rückläufen, Wiederverwendung, Weitervermarktung und Entsorgung umfasst. Dies bildet die Grundlage für eine wirksame Marktaufsicht und fördert das Verantwortungsbewusstsein in der Rückwärtslogistik.
- Einbindung unabhängiger Dritter: Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen sowie wissenschaftliche Institutionen sollten bei berechtigtem Interesse selektiven Zugang zu berichtspflichtigen Unternehmensdaten erhalten. Dieser Zugang sollte über die Marktaufsicht unter Wahrung von Datenschutz und Vertraulichkeit erfolgen, um Fehlverhalten frühzeitig zu erkennen und Kontrollen zu verbessern.
- Förderung nachhaltiger Alternativen zur Entsorgung: Die Studie verdeutlicht, dass die Vernichtung gebrauchsfähiger Produkte häufig wirtschaftlich attraktiver ist als deren Wiederverwendung. Um dies zu ändern, sollte der Gesetzgeber die Reparaturfreundlichkeit von Produkten, die Verfügbarkeit von Ersatzteilen sowie die Attraktivität von Sachspenden stärker berücksichtigen.
Dr. Vanessa Felch betont, dass die Empfehlungen eine wichtige Grundlage für Politik, Marktaufsicht und Unternehmen darstellen, um den Übergang zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft zu fördern und die Vernichtung gebrauchsfähiger Produkte zu verringern.
Langjährige Forschung am Lehrstuhl für Produktion und Logistik
Die Studie basiert auf der langjährigen Forschung der Forschungsgruppe Retourenmanagement an der Universität Bamberg, die 2013 gegründet wurde. Ziel der Gruppe ist es, praxisrelevante Fragestellungen des Retourenmanagements unabhängig von industriellen Interessen zu untersuchen und wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zu gewinnen. Die bisherigen Ergebnisse haben dazu beigetragen, die Aufmerksamkeit auf bislang wenig sichtbare Rückführungsprozesse zu lenken und die Obhutspflicht im Kreislaufwirtschaftsgesetz zu verankern.
Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen
Dr. Björn Asdecker
Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Produktion und Logistik
bjoern.asdecker@uni-bamberg.de



