
Globale Auswirkungen der Klimapolitik auf Vermögenswerte: Wer profitiert am meisten?
Eine aktuelle Untersuchung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), veröffentlicht in Nature Sustainability, analysiert die wirtschaftlichen Folgen der Klimapolitik für 169 Länder weltweit. Die Studie zeigt, wie Maßnahmen zur Begrenzung der Erderwärmung die Vermögenswerte verschiedener Staaten beeinflussen und welche geopolitischen Chancen und Herausforderungen sich daraus ergeben.
Vier Dimensionen der Vermögensveränderung durch Klimapolitik
Die Analyse basiert auf einem umfangreichen Datensatz, der die Auswirkungen der Klimapolitik auf nationale Vermögenswerte in vier Bereichen quantifiziert:
- Reduzierte Nachfrage nach fossilen Energieträgern, was zu geringeren Einnahmen aus Öl, Gas und Kohle führt.
- Verminderung klimabedingter Schäden an Volkswirtschaften.
- Förderung der Entwicklung erneuerbarer Energien wie Solar- und Windkraft.
- Steigerung des Werts von Kapazitäten zur CO₂-Aufnahme und -Speicherung, sowohl durch natürliche Wälder als auch durch bewirtschaftete Naturflächen.
Unterschiedliche Gewinner und Verlierer im globalen Kontext
Die Studie identifiziert fünf Ländergruppen mit ähnlichen wirtschaftlichen Interessen im Zusammenhang mit der Klimapolitik:
- Fossilabhängige Staaten: 19 Länder, die stark von Öl, Gas und Kohle abhängig sind und potenziell wirtschaftliche Nachteile erleiden.
- Länder mit hohem Klimaschadensrisiko: 51 Staaten im globalen Süden, die besonders von den Folgen des Klimawandels betroffen wären und daher ein starkes Interesse an schnellen Klimaschutzmaßnahmen haben.
- Staaten mit großem Potenzial für erneuerbare Energien: 13 Länder, überwiegend in Afrika, die von der Nutzung von Solarenergie profitieren können.
- Länder mit hoher Kohlenstoffbindungskapazität: 17 Staaten, die durch ihre natürlichen oder bewirtschafteten Flächen zur CO₂-Speicherung beitragen können.
- Volkswirtschaften mit moderaten Auswirkungen: 69 Länder, darunter die EU, China und die USA, die zwar wirtschaftliche Vorteile durch Klimaschutz erzielen, diese jedoch relativ moderat ausfallen.
Die fossilabhängigen Länder repräsentieren lediglich sechs Prozent der globalen Wirtschaftsleistung, während die drei Gruppen mit ausgeprägten Vorteilen zusammen nur 13 Prozent ausmachen. Der Großteil der Wirtschaftsleistung (81 Prozent) entfällt auf die Gruppe mit moderaten Effekten.
Langfristige Sicherung des Wohlstands durch Klimapolitik
Die Untersuchung unterstreicht, dass Klimaschutz ein gemeinsames globales Interesse darstellt, auch wenn die wirtschaftlichen Auswirkungen regional stark variieren. Die Autoren empfehlen, politische Maßnahmen durch „Paketdeals“ zu unterstützen, bei denen zögerliche Länder im Klimaschutz durch Handelserleichterungen, Forschungskooperationen oder finanzielle Ausgleichszahlungen eingebunden werden.
Ottmar Edenhofer, Direktor des PIK und Co-Autor der Studie, betont: „Klimapolitik entwertet nicht nur Vermögenswerte im Bereich fossiler Energien, sondern schafft gleichzeitig neue Werte. Insgesamt führt sie zu einer nachhaltigen Neubewertung des Kapitalstocks und sichert so den langfristigen Wohlstand der Volkswirtschaften.“
Literaturhinweis
Pan, G., Kornek, U., Gong, C., Bacca, E., Luderer, G., Edenhofer, O. (2026): Quantifying Assets for the Geopolitics of Climate Mitigation. Nature Sustainability. DOI: 10.1038/s41893-026-01971-z





