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09.03.2026 10:04
Plötzlich gesund
Fortschreitende Naturerkenntnis, ganz allgemein gesprochen, ‚Wissenschaft‘, ist der stärkste Feind des medizinischen Wunders. Was unseren Vorfahren als Wunder erschien, was einfache Naturvölker heute noch in heftige Erregung versetzt, das berührt den zivilisierten Menschen längst nicht mehr.
Doch es gibt einen Gegensatz, der jedem Denkenden sofort auffällt: der unerhörte, durchaus nicht abgeschlossene Aufstieg der wissenschaftlichen Heilkunde und die ebenso unerhörte Zunahme der Laienbehandlung und der Kurpfuscherei. Man schätzt die Zahl der Menschen, die der Schulmedizin kein Vertrauen schenken, auf immerhin 50 Prozent.
Wie kann es sein, daß Laienbehandler und Kurpfuscher immer wieder spektakuläre Erfolge aufweisen, von denen die Sensationspresse berichtet?
Der Autor geht dieser Frage nach und kommt zu interessanten Erkenntnissen, aus denen er Vorschläge für eine bessere Krankenbehandlung durch seine ärztlichen Standesgenossen ableitet.
Hantaviren: Einfluss auf die Zellarchitektur
Essener Forschungsteam zeigt im Detail wie das Puumala-Virus menschliche Zellen strukturell umbaut, um sich dort zu vermehren.
Orthohantaviren, wie das in Europa verbreitete Puumala-Virus, können grippeähnliche Erkrankungen, aber auch schwere Nierenschäden verursachen und gelten als zunehmende zoonotische Bedrohung. Ein Forschungsteam der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen und des Universitätsklinikums Essen hat neue Einblicke gewonnen, wie diese Viren die innere Struktur ihrer Wirtszellen verändern. Die kürzlich im Journal of General Virology veröffentlichte Studie zeigt wo sich virale RNA und Virusproteine in infizierten Zellen befinden und wie sie mit zellulären Strukturen interagieren. Gelungen sind den Essener Forschenden diese Untersuchungen mithilfe hochauflösender, mehrfarbiger RNA-Mikroskopie in Kombination mit Immunfluoreszenz.
„Nach einer Infektion mit dem Puumala-Virus verändert sich die Architektur der Wirtszelle tiefgreifend: die Zahl der RNA-Verarbeitungszentren, der sogenannten P-bodies, nimmt deutlich zu und sie verlagern sich an den Zellrand“, erklärt Dr. Roland Schwarzer, Arbeitsgruppenleiter am Institut für die Erforschung von HIV und AIDS-assoziierten Erkrankungen. „Gleichzeitig werden Teile des Zytoskeletts – Aktinfilamente und Mikrotubuli – stark umgebaut und treten nun verstärkt um den Zellkern herum auf.“ Während das umgebaute Zytoskelett dem Virus möglicherweise hilft, die Infrastruktur der Wirtszelle für seine Vermehrung zu nutzen, könnten die Veränderung der P-Bodies auch eine Gegenstrategie der Wirtszelle sein, um die virale RNA abzubauen, spekulieren die Autor:innen.
Die Ergebnisse tragen wesentlich zum Verständnis bei, wie Orthohantaviren die innere Architektur ihrer Wirtszellen beeinflussen. Langfristig könnten diese Erkenntnisse helfen, neue Ansatzpunkte für antivirale Therapien zu identifizieren.
Link zur Originalveröffentlichung: Remodelling of P-bodies and the cytoskeleton by Orthohantavirus puumalaense (Puumala virus) | Microbiology Society
Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Roland Schwarzer
Originalpublikation:
https://www.microbiologyresearch.org/content/journal/jgv/10.1099/jgv.0.002220#ta…
Weitere Informationen:
https://www.uni-due.de/med/meldung.php?id=1896
Bilder
Das Essener Forschungsteam (v. l. n. r.): Dr. Roland Schwarzer, Dr. Hannah S. Schwarzer-Sperber und …
Quelle: (c) Dr. Roland Schwarzer
Copyright: (c) Dr. Roland Schwarzer
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler
Biologie, Medizin
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch

