In Dresden entwickelte Nabelschnur Stammzellen reduzieren Sterblichkeit bei schwerer COVID Infektion



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18.03.2026 12:35

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Plötzlich gesund

Fortschreitende Naturerkenntnis, ganz allgemein gesprochen, ‚Wissenschaft‘, ist der stärkste Feind des medizinischen Wunders. Was unseren Vorfahren als Wunder erschien, was einfache Naturvölker heute noch in heftige Erregung versetzt, das berührt den zivilisierten Menschen längst nicht mehr.
Doch es gibt einen Gegensatz, der jedem Denkenden sofort auffällt: der unerhörte, durchaus nicht abgeschlossene Aufstieg der wissenschaftlichen Heilkunde und die ebenso unerhörte Zunahme der Laienbehandlung und der Kurpfuscherei. Man schätzt die Zahl der Menschen, die der Schulmedizin kein Vertrauen schenken, auf immerhin 50 Prozent.
Wie kann es sein, daß Laienbehandler und Kurpfuscher immer wieder spektakuläre Erfolge aufweisen, von denen die Sensationspresse berichtet?
Der Autor geht dieser Frage nach und kommt zu interessanten Erkenntnissen, aus denen er Vorschläge für eine bessere Krankenbehandlung durch seine ärztlichen Standesgenossen ableitet.

Hier geht es weiter …

In Dresden entwickelte Nabelschnur Stammzellen reduzieren Sterblichkeit bei schwerer COVID Infektion

Zellen aus Dresden zeigen, welche Wirkung Mesenchymalen Stamm- oder Stromazellen (MSC) aus der Nabelschnur Neugeborener haben. Ergebnisse der Studie sind jetzt in Stem Cell Reports erschienen. Medizinerinnen und Mediziner aus dem Zentrum für feto-neonatale Gesundheit am Uniklinikum erforschen weitere Einsatzgebiete.

Patientinnen und Patienten mit einer schweren Covid-Infektion haben ein sehr hohes Risiko, daran zu versterben. Eine wesentliche Ursache dafür ist die überschießende Immunreaktion des Körpers. Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Behandlung mit Mesenchymalen Stamm- oder Stromazellen (MSC) aus der Nabelschnur Neugeborener die Sterblichkeit bei diesen Patientinnen und Patienten deutlich reduziert hat. Dresdner Medizinerinnen und Mediziner sind Teil dieser wissenschaftlichen Erkenntnis. Denn die für die in Kanada durchgeführte Studie verwendeten Zellen wurden in Dresden entwickelt. „Wir sind stolz, dass der in Dresden entwickelte Ansatz für eine zelluläre Therapie bei Frühgeborenen, das Potential hat, auch das Leben Erwachsener zu retten“, sagt Prof. Mario Rüdiger, Direktor Zentrum für feto-neonatale Gesundheit am Universitätsklinikum Dresden.

Den Einsatz von Stammzellen aus der Nabelschnur (Mesenchymalen Stromazellen – MSC) haben die Medizinerinnen und Mediziner aus dem Zentrum für feto-neonatale Gesundheit am Uniklinikum schon länger im Blick. Ursprünglich wurde diese Therapie entwickelt, um Früh- und kranken Neugeborenen zu helfen. Hierbei sollen insbesondere die entzündungsmodulierenden Eigenschaften der MSC helfen, eine chronische Lungenerkrankung bei extrem unreif Geborenen zu vermeiden.
Im Rahmen der Covid-Pandemie hat sich das Team am Zentrum für feto-neonatale Gesundheit aber schnell auf die globale Herausforderung fokussiert und gemeinsam mit Partnern am Ottawa Health Research Institute (OHRI) in Kanada eine Studie zur Behandlung schwer erkrankter Erwachsener mit Covid initiiert. Die Ergebnisse dieser Studie wurden jetzt im renommierten Journal Stem Cell Reports veröffentlicht und zeigen, dass die in Dresden entwickelten MSC-Therapie die Sterblichkeit dieser Patientinnen und Patienten senken konnte.

Da die Pandemie glücklicherweise vor Erreichen der geplanten Fallzahlen beendet war, reichen die Ergebnisse noch nicht aus um diese neue Therapie in die klinische Praxis zu überführen. Aus diesem Grunde führen die Partner in Kanada derzeit eine große Phase II Studie für Patientinnen und Patienten mit schwerer Sepsis durch. Diese Studie ist im Jahr 2024 gestartet und hat das Ziel, insgesamt 296 Teilnehmende zu rekrutieren. Grundlage für die dort untersuchte Therapie sind ebenfalls Zellen, die in Dresden aus Nabelschnüren gesunder Neugeborener isoliert werden. Dafür arbeitet das Team mit Partnern in der Industrie zusammen.

Während die Verwendung von MSC als Zelltherapeutikum vielfach erprobt ist, scheiterte diese Therapie bisher immer daran, dass nicht ausreichend junge Zellen in entsprechender Qualität für die Routineanwendung zur Verfügung standen. Durch ein neuartiges Verfahren, welches das Team in Dresden unter der Leitung von Dr. Marius A. Möbius und Dr. Daniel Freund entwickelt hat, ist es gelungen, sehr junge Zellen aus dem Nabelschnurgewebe in einer Menge zu isolieren, die eine Anwendung am Menschen ermöglicht. Im Rahmen des vom BMFTR geförderten Cluster4Future SaxoCell, welches die Etablierung einer zellbasierten Industrie in Sachsen zum Ziel hat und bald in die dritte Runde gehen soll, arbeitet das Team daran, die Produktion so weiterzuentwickeln, dass die Therapie – sobald sie in der Klinik als wirksam befunden wurde – in die Routineanwendung überführt und damit dann nicht nur Frühgeborenen effektiv geholfen werden kann.

„Wenn sich die Daten der Covid-Studie auch bei Erwachsenen mit schwerer Sepsis reproduzieren lassen, dann würde eine ursprünglich aus der Neonatologie stammende Therapie, die Behandlung bei Erwachsenen revolutionieren“, erläutert Prof. Mario Rüdiger. „Damit hätten wir gleichzeitig ein wichtiges Ziel im Rahmen des Projektes SaxoCell erreicht, zelluläre Therapien Made in Saxony.“
„Die jetzt publizierten Ergebnisse zeigen einmal mehr, welche Chancen zell-basierte Therapeutika für die Industrie bieten – für die Patientinnen und Patienten im Rahmen einer zukunftsorientierten Versorgung und für den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Sachsen“, sagt Prof. Martin Bornhäuser, Co-Sprecher von SaxoCell.
Prof. Frank Buchholz, SaxoCell Sprecher ergänzt: „Diese Ergebnisse unterstreichen das enorme Potenzial zellbasierter Therapien und zeigen zugleich, welche Innovationskraft in Sachsen entsteht. Mit SaxoCell bündeln wir Wissenschaft, Klinik und Industrie, um solche Ansätze von der Forschung bis zur industriellen Anwendung zu beschleunigen.“
„Die vorliegenden Ergebnisse sind ein wichtiger Hinweis darauf, dass innovative zellbasierte Therapien neue Wege in der Behandlung schwerer systemischer Entzündungsreaktionen eröffnen können. An der Universitätsmedizin Dresden bringen wir uns vielfältig ein, um diese neuen Erkenntnisse in die Krankenversorgung zu bringen“, sagt Prof. Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand am Uniklinikum Dresden. „Die in Dresden entwickelten Nabelschnur Stammzellen sind ein vielversprechendes Beispiel dafür, das es nun in weiteren klinischen Studien sorgfältig zu validieren gilt.“


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Annechristin Bonß, Pressesprecherin
Tel. 0351 / 458-4162
E-Mail: pressestelle@uniklinikum-dresden.de


Weitere Informationen:

https://Zentrum für feto/neonatale Gesundheit: www.ukdd.de/fetoneoResearch
https://Cluster4Future SaxoCell: www.saxocell.de


Bilder

Prof. Mario Rüdiger und sein Team: Dr. Daniel Freund (KIK), Nadine Münch (CRT) und Dr. Marius Alexander Möbius (KIK)

Prof. Mario Rüdiger und sein Team: Dr. Daniel Freund (KIK), Nadine Münch (CRT) und Dr. Marius Alexan
Quelle: UKDD

Nadine Münch und Dr. Daniel Freund senden die ersten Nabelschnurstammzellen nach Kanada

Nadine Münch und Dr. Daniel Freund senden die ersten Nabelschnurstammzellen nach Kanada
Quelle: Magdalena Gonciarz


Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
überregional
Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsergebnisse
Deutsch


 

Quelle: IDW