Insektenförderung in der Stadt erfordert mehr als nur Blumen in Gärten

Insektenförderung in der Stadt erfordert mehr als nur Blumen in Gärten

Insekten in urbanen Grünräumen: Blumen allein reichen nicht aus

Eine Untersuchung der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) analysiert die Bestäubungsaktivitäten von Insekten wie solitären Wildbienen, Hummeln und Schwebfliegen in städtischen Gärten. Die Studie zeigt, dass Insekten zwar in der Lage sind, Pflanzen in verschiedenen Stadtbereichen zu bestäuben, jedoch ein größerer Bedarf an insektenfreundlichen Grünflächen besteht.

Untersuchung in Zürcher Stadtgärten

Im Rahmen der Studie wurden 24 Gärten in unterschiedlichen Stadtteilen Zürichs über einen Zeitraum von einem Monat intensiv beobachtet. Rund 30 Freiwillige dokumentierten dabei systematisch die Blütenbesucher und fingen Insekten für weitere Analysen. Ziel war es, herauszufinden, welche Insektenarten zu welchen Tageszeiten und in welchen Gartenumgebungen aktiv sind und wie effektiv sie die Bestäubung vornehmen.

Ergebnisse zur Bestäubung und Insektenvielfalt

  • Große Wildbienenarten wie Hummeln profitieren in dicht bebauten Innenstadtbereichen von einem umfangreichen Blütenangebot in Privatgärten, da sie größere Strecken über asphaltierte Flächen überwinden können.
  • Kleinere Wildbienen mit längeren Zungen finden in solchen Gärten ebenfalls geeignete Nahrungs- und Nistmöglichkeiten, wodurch Pflanzen mit tief verborgenen Nektarquellen gut bestäubt werden.
  • Im Gegensatz dazu sind Schwebfliegen und Käfer in stark verdichteten Quartieren selten anzutreffen, unabhängig von der Blütenvielfalt im jeweiligen Garten.
  • Die Abwesenheit dieser Insektengruppen führt dazu, dass bestimmte Pflanzen in urbanen Bereichen weniger bestäubt werden, was sich negativ auf Samen- und Fruchtbildung auswirkt.

Bedeutung der Zungenlänge

Die Forschenden vermessen die Zungenlänge der Insekten, um deren Fähigkeit zur Nutzung verschiedener Blütentypen zu bestimmen. Lange Zungen ermöglichen den Zugriff auf Nektar in spezialisierten Blüten, während kürzere Zungen auf leicht zugängliche Blüten angewiesen sind. Diese morphologischen Merkmale beeinflussen die Verteilung und Bestäubungseffizienz der Insekten in städtischen Lebensräumen.

Notwendigkeit integrierter Maßnahmen

Die Studie verdeutlicht, dass sowohl private Gartenbesitzer als auch städtische Planungsverantwortliche aktiv werden müssen, um die Biodiversität und die Bestäubungsleistung in Städten zu fördern. Private Gärten können durch vielfältige Bepflanzung und naturnahe Gestaltung einen Beitrag leisten, auch wenn sie isoliert liegen.

Für Käfer und Schwebfliegen hingegen sind zusammenhängende, insektenfreundliche Lebensräume auf Quartiersebene unerlässlich. Der Schutz und die Ausweitung solcher Grünflächen sind besonders wichtig vor dem Hintergrund der zunehmenden innerstädtischen Verdichtung, wie sie beispielsweise im Zürcher Richtplan 2040 vorgesehen ist.

Kontaktinformationen

Dr. Marco Moretti
Gruppenleiter Naturschutzbiologie
marco.moretti@wsl.ch
+41 44 739 2674

Externe Ansprechpartner
Merin Reji Chacko: merin.rejichacko@gmail.com
David Frey: david.frey@ti.ch

Literaturhinweis

Reji Chacko M., Frey D.J., Albrecht M., Ghazoul J., Moretti M. (2026): No one‐size‐fits‐all: trait‐dependent effects of local plant diversity on pollinators and pollination service in a densifying city. Journal of Applied Ecology, 63(5). https://doi.org/10.1111/1365-2664.70384

Weiterführende Informationen

https://www.wsl.ch/de/news/insekten-in-der-stadt/