
Strategien zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit von Landschaften gegen Waldbrände
Im Mittelmeerraum ist eine deutliche Zunahme der Intensität von Waldbränden zu verzeichnen. Die jüngsten Großbrände in Ländern wie Frankreich, Spanien und Griechenland verdeutlichen die Grenzen bisheriger Brandbekämpfungsmaßnahmen. Ein internationales Forscherteam unter der Leitung der Universitäten Göttingen und Kassel fordert daher einen grundlegenden Wandel in der Landschaftsgestaltung. In der Fachzeitschrift iScience präsentieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Ansätze, die Waldbrandprävention mit Naturschutz, Landwirtschaft und ländlicher Entwicklung verknüpfen.
Untersuchung von Landschaftsplanungsinitiativen im Mittelmeerraum
Das Forschungsteam analysierte zehn verschiedene Projekte zur Landschaftsplanung im Mittelmeergebiet, um deren Einfluss auf das Waldbrandrisiko zu bewerten. Die betrachteten Maßnahmen umfassten unter anderem:
- Extensive Beweidung mit Rindern, Schafen und Ziegen zur Reduktion brennbarer Biomasse
- Gezielte, kontrollierte Verbrennungen
- Kooperationen zwischen Land- und Forstwirtschaft, Naturschutzorganisationen, Wissenschaft und Feuerwehr
Die Analyse ergab, dass besonders erfolgreiche Ansätze jene sind, die verschiedene Landnutzungsformen integrieren, unterschiedliche gesellschaftliche Akteure aktiv einbeziehen und ihre Strategien kontinuierlich anpassen. Die Forschenden plädieren deshalb für einen Wandel vom reaktiven Brandmanagement hin zu einer langfristig angelegten, präventiven Gestaltung widerstandsfähiger Landschaften.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit als Schlüssel zur Waldbrandprävention
„Waldbrände entstehen durch komplexe Wechselwirkungen zwischen klimatischen Bedingungen, Landnutzung und gesellschaftlichen Entwicklungen und sind daher kein alleiniges Problem der Forstwirtschaft“, erläutert Dr. Elsa Varela vom Spanish National Research Council (CSIC), Koordinatorin der Studie und Humboldt-Stipendiatin an den Universitäten Göttingen und Kassel. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass eine effektive Waldbrandvorsorge ökologische, ökonomische und soziale Ziele miteinander verknüpft und relevante Akteure zusammenbringt.“
Prof. Tobias Plieninger vom Lehrstuhl für sozial-ökologische Interaktionen in Agrarsystemen ergänzt: „Ein integrierter Landschaftsansatz ermöglicht es, Waldbrandprävention mit Biodiversitätsschutz und nachhaltiger Landnutzung zu verbinden. Dies führt zu Lösungen, die sowohl ökologisch wirksam als auch gesellschaftlich akzeptiert sind.“ Voraussetzung hierfür seien stabile Partnerschaften, eine langfristige Finanzierung sowie gemeinsame Lernprozesse zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis.
Kontaktinformationen der wissenschaftlichen Ansprechpartner
Prof. Dr. Tobias Plieninger
Georg-August-Universität Göttingen
Platz der Göttinger Sieben 5, 37073 Göttingen
Telefon: 0551 39 21148
E-Mail: plieninger@uni-goettingen.de
Webseite: http://www.uni-goettingen.de/de/573702.html
Dr. Elsa Varela Redondo
Spanish National Research Council (CSIC)
C. de Albasanz, 26, 28, San Blas-Canillejas, 28037 Madrid, Spanien
Telefon: +34 916 022 398
E-Mail: elsa.varela@csic.es
Webseite: http://www.ilc.csic.es/en/personal/elsa-varela-redondo
Veröffentlichung
Varela, E. et al. Capitalizing on integrated landscape approaches for wildfire risk mitigation in the Mediterranean region. iScience (2026). DOI: http://doi.org/10.1016/j.isci.2026.116741
Weiterführende Informationen
Pressemitteilung der Universität Göttingen mit Bildmaterial
Bildbeschreibung
Die Initiative „Mosaico Extremadura“ im Norden der spanischen Region Extremadura verfolgt das Ziel, durch die Wiederherstellung einer vielfältigen Mosaiklandschaft aus Land- und Forstwirtschaft das Risiko von Waldbränden zu reduzieren.


