
Kaufentscheidungen bei Elektrofahrzeugen: Studie empfiehlt Kombination von CO₂-Bepreisung und Klimainformationen
Ein Forschungsteam der Leuphana Universität Lüneburg, der Universität Basel, der Universität Hamburg sowie der Technischen Universität Delft hat untersucht, wie klimapolitische Maßnahmen die Kaufbereitschaft für Elektroautos beeinflussen. Die Analyse basierte auf einem innovativen Ansatz, der Online-Experimente mit Simulationen verknüpft. Insgesamt nahmen 1589 Personen aus Mexiko, Südafrika, den USA und Großbritannien an der Studie teil. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Energy veröffentlicht.
Synergien zwischen CO₂-Preis und Klimainformationen
Die Untersuchung zeigt, dass die Kombination eines CO₂-Preises auf fossile Kraftstoffe wie Benzin und Diesel mit klaren Klimainformationen, beispielsweise CO₂-Labels, die Kaufbereitschaft für Elektrofahrzeuge deutlich stärker erhöht als die einzelnen Maßnahmen separat. Werden diese Instrumente zeitgleich eingeführt, verstärken sie sich gegenseitig, sodass der Gesamteffekt über die bloße Addition hinausgeht. Besonders wirkungsvoll erweist sich dieses Maßnahmenpaket, wenn es frühzeitig implementiert wird, also noch bevor Elektroautos einen größeren Marktanteil erreicht haben.
Erhöhung der Akzeptanz durch verständliche Klimainformationen
Die Studie verdeutlicht außerdem, dass verständliche Informationen über das Emissionsreduktionspotenzial von Elektroautos im Vergleich zu Verbrennungsmotoren die Akzeptanz von CO₂-Bepreisungen in der Bevölkerung signifikant steigern können. Anne Günther, Erstautorin und Doktorandin an der Universität Basel, betont: „Gesellschaftliche Akzeptanz ist eine wesentliche Voraussetzung für erfolgreiche Klimapolitik. Der Zusammenhang wirkt dabei in beide Richtungen: Die Akzeptanz beeinflusst die Umsetzung von Maßnahmen, während gut konzipierte Instrumente wiederum die Unterstützung für Klimapolitik erhöhen und deren dauerhafte Etablierung fördern.“
Empfehlungen für eine erfolgreiche Mobilitätswende
Die Simulationsergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit abgestimmter und kontextbezogener Maßnahmenpakete, um die Mobilitätswende voranzutreiben. Die Forschenden empfehlen, wirtschaftliche Anreize wie CO₂-Preise mit verhaltenswissenschaftlich fundierten Instrumenten wie Klimainformationen zu kombinieren und zeitnah einzuführen, um sowohl die Wirksamkeit als auch die gesellschaftliche Akzeptanz zu maximieren.
Prof. Dr. Ulf Hahnel, Leiter der Abteilung Psychology of Sustainability and Collective Action an der Leuphana Universität Lüneburg, ergänzt: „Die Diskussion um die Förderung der Elektromobilität in Deutschland sollte weniger auf einzelne Maßnahmen fokussiert sein, sondern vielmehr auf deren sinnvolle Kombination. Gleichzeitig bleibt die Automobilindustrie gefordert, technische Innovationen, insbesondere hinsichtlich der Reichweite, voranzutreiben, um eine breite Marktdurchdringung zu ermöglichen.“
Kontakt und weiterführende Informationen
- Wissenschaftlicher Ansprechpartner: Prof. Dr. Ulf Hahnel
- Originalpublikation: Nature Energy, DOI: 10.1038/s41560-026-02114-6



