Koexistenz von Menschen und Beutegreifern in menschlich geprägten Landschaften durch zeitliche Nischenteilung

Koexistenz von Menschen und Beutegreifern in menschlich geprägten Landschaften durch zeitliche Nischenteilung

Koexistenz von Menschen und Beutegreifern in menschlich geprägten Landschaften durch zeitliche Nischenteilung

Wildtiere und Mensch: Getrennte Nutzung desselben Lebensraums

Der Einfluss des Menschen auf die Lebensräume von Wildtieren ist tiefgreifend. Für Prädatoren wie Wölfe und Füchse stellen menschliche Aktivitäten sowohl Gefahren als auch Chancen dar. Während menschliche Präsenz Wölfe, Füchse und Dachse verdrängen kann, bieten von Menschen geprägte Landschaften zugleich Nahrungsquellen und Schutz vor größeren Fressfeinden. Eine Untersuchung in einem Waldgebiet im Norden Polens hat gezeigt, dass Wildtiere und Menschen zwar denselben Lebensraum nutzen, dies jedoch meist zu unterschiedlichen Tageszeiten geschieht.

Untersuchung im Tuchola-Wald

Die Studie wurde von Wissenschaftlern des Mammal Research Institute der Polnischen Akademie der Wissenschaften (MRI PAS), der Doñana Biological Station (EBD-CSIC) in Sevilla sowie des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) durchgeführt. Im Fokus standen die Raumnutzung von Wölfen (Canis lupus), Rotfüchsen (Vulpes vulpes), Dachsen (Meles meles) und Mardern (Martes spp.) im etwa 3.400 Quadratkilometer großen Tuchola-Wald, einem Gebiet, in dem Wölfe nach langer Abwesenheit wieder heimisch sind.

Mittels systematisch eingesetzter Kamerafallen wurden neben den Wildtieren auch menschliche Aktivitäten, Beutetiere sowie freilaufende Hauskatzen erfasst. Die Auswertung erfolgte auf zwei räumlichen Ebenen:

  • Auf Landschaftsebene: Untersuchung der Faktoren, die das Vorkommen der Arten beeinflussen.
  • Auf lokaler Ebene: Analyse der zeitlichen und räumlichen Anpassungen der Tiere innerhalb des Lebensraums.

Räumliche und zeitliche Anpassungsstrategien

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Wölfe menschliche Siedlungen und Straßen meiden und bevorzugt Gebiete mit großer Distanz zu menschlichen Aktivitäten aufsuchen. Innerhalb ihres Territoriums rückt jedoch die Suche nach Beute in den Vordergrund, sodass die Vermeidung menschlicher Nähe auf lokaler Ebene weniger dominant ist.

Interessanterweise nutzen Wölfe und andere Beutegreifer wie Füchse, Dachse und Marder menschlich geprägte Landschaftsteile vorwiegend nachts oder zu Zeiten, in denen das Risiko einer Begegnung mit Menschen gering ist. Dies zeigt, dass nicht unbedingt eine räumliche Trennung, sondern vielmehr ein zeitliches Ausweichen die Koexistenz ermöglicht.

Bei kleineren Prädatoren konnten kaum Hinweise darauf gefunden werden, dass ihr Vorkommen durch Wölfe oder Menschen signifikant eingeschränkt wird. Diese Arten nutzen opportunistisch von Menschen beeinflusste Lebensräume und teilen dabei teilweise ähnliche Nischen mit freilaufenden Hauskatzen.

Folgerungen für Naturschutz und Wildtiermanagement

Die Studie unterstreicht die Bedeutung einer differenzierten Betrachtung verschiedener räumlicher und zeitlicher Skalen, um das Zusammenleben von Wildtieren und Menschen besser zu verstehen. Die Kombination von Landschaftsanalysen mit lokalen Verhaltensmustern macht deutlich, wie Wildtiere ihre Lebensräume in menschlich geprägten Umgebungen aufteilen. Dabei gewinnt die tageszeitliche Trennung an Bedeutung, um Konkurrenz und Konflikte zwischen verschiedenen Arten zu reduzieren.

Kontaktinformationen der Wissenschaftler

  • Katharina Kasper
    Doktorandin, Abteilung für Ökologische Dynamik, Leibniz-IZW, Mammal Research Institute (MRI PAS), Doñana Biological Station (EBD-CSIC)
    E-Mail: k.kasper@ibs.bialowieza.pl
  • Dr. Aimara Planillo
    Wissenschaftlerin, Abteilung für Ökologische Dynamik, Leibniz-IZW und Doñana Biological Station (EBD-CSIC)
    E-Mail: aimara.planillo@ebd.csic.es
  • Prof. Dr. Stephanie Kramer-Schadt
    Leiterin der Abteilung für Ökologische Dynamik, Leibniz-IZW; Professorin an der Technischen Universität Berlin
    Telefon: +49 (0)30 5168 714
    E-Mail: kramer@izw-berlin.de

Referenz der Originalstudie

Kasper K, Kramer-Schadt S, Say-Sallaz E, Kirsch AJ, Gehrke M, Szafrańska PA, Churski M, Szewczyk M, Kuijper DPJ, Planillo A (2026): Who’s afraid of the big bad human? Multi-scale niche partitioning among wolves and mesocarnivores in a human-dominated landscape. Diversity and Distributions, 32, e70257. DOI: 10.1111/ddi.70257.