Nachhaltige Koexistenz von Honigbienen und Wildbienen in urbanen Räumen

Nachhaltige Koexistenz von Honigbienen und Wildbienen in urbanen Räumen
Nachhaltige Koexistenz von Honigbienen und Wildbienen in urbanen Räumen

Koexistenz von Honigbienen und Wildbienen in urbanen Räumen

Das Interesse am Imkern in städtischen Gebieten, auch bekannt als „Urban Beekeeping“, nimmt kontinuierlich zu. Gleichzeitig bestehen jedoch Unsicherheiten hinsichtlich der Auswirkungen auf wildlebende Bienenarten in urbanen Ökosystemen. Im Rahmen einer kooperativen Untersuchung zwischen Imkern und wissenschaftlichen Institutionen, darunter die Technische Universität München (TUM), wurde das „Urban Bee Concept“ entwickelt. Dieses Konzept beinhaltet Strategien zur Förderung eines harmonischen Zusammenlebens von Honig- und Wildbienen in Städten.

Herausforderungen durch die Ausweitung der Honigbienenzucht in Städten

Das Ziel des Urban Beekeeping ist es, Bienen in städtischen Umgebungen zu unterstützen. Die Anzahl der Imker in Großstädten wie Berlin hat sich seit 2005 bis 2022 mehr als verdreifacht, mit ähnlichen Trends in Städten wie Zürich, Paris und Toronto. Diese Entwicklung führt zu einer starken Zunahme der Honigbienenpopulationen in urbanen Bereichen. Daraus ergeben sich Fragen zur Verträglichkeit dieser Honigbienendichte mit den Wildbienen, insbesondere im Hinblick auf mögliche Krankheitsübertragungen und Konkurrenz um begrenzte Nahrungsressourcen. Diese Aspekte werden derzeit in mehreren Städten wissenschaftlich untersucht.

Besondere Empfindlichkeit der Wildbienen

Wildbienen unterscheiden sich grundlegend von Honigbienen. „Wildbienen sind häufig auf spezifische Pflanzenarten und Lebensräume angewiesen“, erläutert Monika Egerer, Professorin für urbane produktive Ökosysteme an der TUM. „Sie leben meist solitär und nicht in großen Kolonien, was ihre Erholungsfähigkeit nach Störungen wie Krankheiten oder Ressourcenknappheit einschränkt.“

Die Einführung großer Honigbienenvölker in bestehende Ökosysteme führt zu einem erhöhten Nahrungsbedarf, der insbesondere bei unzureichenden Blütenressourcen problematisch sein kann. Zusätzlich erhöht Hitzestress, etwa durch Bienenstöcke auf ungeschützten Dächern, den Energiebedarf der Honigbienen zur Temperaturregulierung.

Das „Urban Bee Concept“: Strategien für eine nachhaltige Bienenhaltung

Die vorgestellte Studie formuliert unter dem Titel „Urban Bee Concept“ ein Maßnahmenpaket, das eine ausgewogene Honigbienenzucht mit dem Schutz von Wildbienen in urbanen Lebensräumen ermöglichen soll. Die wesentlichen Empfehlungen umfassen:

  • Erweiterung und gezielte Gestaltung von Blütenflächen unter Berücksichtigung ihrer Nährstoffqualität
  • Begrenzung der Bienenstockdichte in besonders sensiblen urbanen Bereichen
  • Vermeidung von Standorten mit hoher Hitzebelastung für Bienenstöcke
  • Verbesserte Bewertung der ökologischen Kapazität städtischer Lebensräume
  • Systematische Überwachung der Bienengesundheit und Krankheitsentwicklung
  • Intensivierung von Schulungen, Informationsangeboten und Verhaltenskodizes durch Imkervereine

Joan Casanelles Abella, Mitglied des Forschungsteams, betont die Bedeutung der Zusammenarbeit aller Akteure: „Von der Forschung über den Naturschutz bis hin zu Behörden und Imkern ist eine koordinierte Vorgehensweise erforderlich.“ Die Vielfalt der städtischen Imker, von Hobbyimkern bis zu kommerziellen Betrieben, erfordere abgestimmte Richtlinien. Insbesondere Imkervereine spielen eine zentrale Rolle bei der Entwicklung und Umsetzung der Maßnahmen.

Monika Egerer ergänzt: „Viele Menschen betreiben Urban Beekeeping mit dem Ziel, Bienen zu unterstützen. Durch fundiertes Wissen und Austausch können wir sicherstellen, dass sowohl Honig- als auch Wildbienen profitieren.“


Wissenschaftliche Ansprechpartner

Dr. Joan Casanelles Abella
Technische Universität München
TUM School of Life Sciences
Professur für Urbane Produktive Ökosysteme
E-Mail: joan.casanelles@tum.de

Prof. Dr. Monika Egerer
Technische Universität München
TUM School of Life Sciences
Professur für Urbane Produktive Ökosysteme
E-Mail: monika.egerer@tum.de
https://www.lss.ls.tum.de/upe/startseite/


Literaturhinweis

Casanelles-Abella, J., Baldock, K., Leonhardt, S. D., Moretti, M., Patterson, M., & Egerer, M. (2026). When honeybees come to town: Critical aspects of urban beekeeping and opportunities for regulation. People and Nature, 8, 528–540. https://doi.org/10.1002/pan3.70256


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