
Supermärkte als Akteure der Nachhaltigkeit mit Verbesserungspotenzial
Neue Studien des Instituts für Entwicklung und Frieden (IDOS) sowie internationaler Partner aus Schweden, der Türkei und den USA untersuchen die Rolle von Lebensmitteleinzelhändlern im Bereich Umwelt- und Klimaschutz. Die Forschung zeigt, dass Supermärkte vielfach erfolgreich Nachhaltigkeitsmaßnahmen umsetzen, ihr Potenzial jedoch noch nicht vollständig ausschöpfen.
Zentrale Erkenntnisse der Untersuchung
- In nordeuropäischen Ländern setzen Supermärkte vergleichsweise ambitionierte Umweltinitiativen um und legen dabei eine weitgehende Transparenz in der Berichterstattung an den Tag.
- In Deutschland engagieren sich insbesondere Discounter wie Lidl und Aldi Süd stark in verschiedenen Umweltbereichen. Ihre zentralisierten Entscheidungsstrukturen und der Einfluss auf Lieferketten ihrer Eigenmarken sind dabei von Vorteil.
- Die Handelskooperativen Edeka und REWE zeichnen sich durch eine stärkere regionale Verankerung aus, was sich in einer führenden Rolle bei regionaler Beschaffung und der Integration von Pfandsystemen widerspiegelt.
- Eigenmarken der Handelsunternehmen weisen im Durchschnitt höhere Zertifizierungsstandards auf als Herstellermarken, was auf unterschiedliche Hintergründe zurückzuführen ist.
- Die Berichterstattung der Unternehmen ist häufig so gestaltet, dass ein direkter Vergleich erschwert wird. Einheitliche Berichtspflichten könnten den Wettbewerb um Innovationen fördern, wie es beispielsweise durch die Science-based Targets Initiative angestrebt wird.
- Supermärkte üben zwar Druck auf ihre Lieferanten aus, nachhaltiger zu produzieren, jedoch erschwert der Preisdruck die Umsetzung entsprechender Maßnahmen. Unterstützung durch die Handelsketten wird selten angeboten. Multistakeholder-Initiativen könnten hier unterstützend wirken.
- Im Bereich klimafreundlicher, veganer Proteinquellen existieren bereits vielfältige positive Ansätze, deren Kombination noch optimiert werden kann.
- Das Bewusstsein der Verbraucher für die negativen Umweltauswirkungen des Fleischkonsums ist oft unzureichend. Gezielte Informationsangebote könnten nachhaltigere Kaufentscheidungen fördern.
Diskussion und weitere Schritte
Die Ergebnisse werden im Rahmen einer virtuellen Konferenz am 23. und 24. Juni 2026 erörtert. Die Veranstaltung beinhaltet drei Online-Podiumsdiskussionen am 24. Juni, die auch für Medienvertreter zugänglich sind.
Diskussionsschwerpunkte
- Unterstützung der Erzeuger durch Einzelhändler beim Übergang zu nachhaltiger Lebensmittelproduktion über bestehende Standards hinaus
- Die Rolle der Lebensmitteleinzelhandelsketten beim Ernährungswandel angesichts günstiger Fleischangebote und wachsender Nachfrage nach veganen Produkten
- Bedingungen, unter denen Nachhaltigkeitsinnovationen eine branchenweite Transformation im Einzelhandel bewirken
Teilnehmer sind Vertreter aus Wissenschaft, Einzelhandelsunternehmen (u.a. Lidl, ICA, Migros Türkei, Axfood, Coop), zivilgesellschaftlichen Organisationen wie Oxfam und Questionmark, industrienahen Verbänden wie dem World Business Council for Sustainable Development und der Science-based Targets Initiative sowie öffentlichen Institutionen wie dem Umweltbundesamt und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen
Dr. Tilman Altenburg
E-Mail: Tilman.Altenburg@idos-research.de
Dr. Charlotte Reich
E-Mail: Charlotte.Reich@idos-research.de




