Neue Studie identifiziert energieeffizienteste Route von Hannibals Alpenüberquerung

Neue Studie identifiziert energieeffizienteste Route von Hannibals Alpenüberquerung

Hannibals Alpenüberquerung: Wahrscheinlichste Route anhand energetischer Analysen

Eine aktuelle Untersuchung liefert neue Erkenntnisse zur Route, die der karthagische Feldherr Hannibal bei seiner legendären Alpenüberquerung im Jahr 218 v. Chr. mit seiner Armee wählte. Die Studie, durchgeführt von Forschern des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Universität Oxford, wurde in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht.

Methodik und Ansatz

Im Zentrum der Analyse steht der Energiebedarf der gesamten Truppe, insbesondere der Kriegselefanten, bei der Überquerung der Alpen. Die Forscher verwendeten bioenergetische Modelle, die auf Daten heutiger afrikanischer Elefanten basieren, um den Energieverbrauch in Abhängigkeit von Körpermasse und Gelände zu berechnen. Dabei wurden verschiedene mögliche Routen anhand von Höhendaten und Routenmodellen hinsichtlich ihres Energieaufwands verglichen.

Ergebnisse der Routenbewertung

  • Col de la Traversette: Identifiziert als die kürzeste und energieeffizienteste Route mit einem Gesamtenergiebedarf von 5,42 Terajoule (TJ).
  • Col de Montgenèvre: Zweitplatzierte Route mit einem Energieaufwand von 6,02 TJ.
  • Col du Clapier: Dritter Platz mit 6,28 TJ.
  • Col du Mont Cenis: Höchster Energiebedarf mit 6,45 TJ.

Im Vergleich zur Traversette-Route erforderten die anderen Pfade einen um 11 % bis 19 % höheren Energieaufwand für die gesamte Armee.

Implikationen für die körperliche Belastung der Truppe

Die Berechnungen zeigen, dass die Soldaten auf der Traversette-Route etwa 19 % ihrer Körperfettreserven verbrauchten, was die hohen Verluste unter den Menschen erklären könnte. Die Kriegselefanten hingegen hätten nur rund 4 % ihrer Energiereserven eingebüßt, was ihre vergleichsweise hohe Überlebensrate während des Marsches erklärt.

Bedeutung der Studie

Diese interdisziplinäre Forschung verbindet historische Quellen mit modernen bioenergetischen Modellen und eröffnet somit neue Perspektiven auf einen der bedeutendsten Feldzüge der Antike. Dr. Emilio Berti, Co-Autor der Studie, betont, dass die Ergebnisse zwar nicht alle offenen Fragen klären, aber starke Indizien für die Traversette-Route liefern. Diese Route scheint den Anforderungen eines großen Heeres mit Elefanten in schwierigem Gelände am besten gerecht zu werden.

Historischer Kontext

Die Gründe für den Einsatz von Elefanten durch Hannibal während der Punischen Kriege sind bis heute nicht abschließend geklärt. Möglicherweise sollten die Tiere in den ersten Gefechten gegen die Römer einen Überraschungseffekt erzeugen oder die keltischen Stämme Norditaliens beeindrucken, um sie als Verbündete zu gewinnen.


Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen

Dr. Emilio Berti
Postdoktorand
Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung Halle-Jena-Leipzig (iDiv)
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Telefon: +49 341 97 33240
E-Mail: emilio.berti@idiv.de
Webseite: https://www.idiv.de/staff/emilio-berti/

Originalpublikation

Berti, E. & Vollrath, F. (2026). Energy costs of Hannibal’s alpine crossing. Proceedings of the National Academy of Sciences. https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2612764123