

Neuer Embryo steigert Überlebenschancen des Nördlichen Breitmaulnashorns
Im Rahmen des internationalen BioRescue-Konsortiums wurde ein weiterer Embryo des stark gefährdeten Nördlichen Breitmaulnashorns erzeugt. Anfang 2026 erfolgte bei dem Weibchen Fatu, das in der Ol Pejeta Conservancy in Kenia lebt, eine erfolgreiche Entnahme von Eizellen. Anschließend wurde im italienischen Reproduktionslabor Avantea unter Verwendung von Sperma eines bereits verstorbenen Nördlichen Breitmaulnashornbullen ein weiterer Embryo erzeugt. Mit diesem Schritt erhöht sich die Gesamtzahl der erzeugten reinen Embryonen dieser Unterart auf 39, was neue Perspektiven für den Artenschutz eröffnet.
Aktueller Stand der Population und Reproduktionsmaßnahmen
Weltweit existieren nur noch zwei lebende Weibchen des Nördlichen Breitmaulnashorns, wodurch die Art aus Sicht der natürlichen Fortpflanzung als funktionell ausgestorben gilt. Das Überleben dieser Unterart ist daher auf moderne assistierte Reproduktionstechnologien sowie innovative Stammzellverfahren angewiesen. Im vergangenen Jahr wurden drei Embryotransfers in Leihmütter des Südlichen Breitmaulnashorns durchgeführt, die jedoch keine dauerhafte Trächtigkeit zur Folge hatten. Um die Erfolgschancen zu verbessern, wurden nun zwei weitere geeignete Leihmütter in das Programm aufgenommen.
Anerkennung und aktuelle Forschungsergebnisse
- Prof. Dr. Thomas B. Hildebrandt, Leiter des BioRescue-Projekts, erhielt am 26. Januar 2026 in Stockholm den erstmals vergebenen „Smart Wildlife Conservation Award“ für seine herausragenden Leistungen im Artenschutz.
- Eine im Fachjournal PLOS ONE veröffentlichte Studie des Konsortiums zeigt, dass die Öffentlichkeit den Einsatz assistierter Reproduktionstechnologien im Naturschutz überwiegend positiv bewertet, insbesondere in Kombination mit traditionellen Schutzmaßnahmen wie dem Erhalt von Lebensräumen.
- Die Studie unterstreicht zudem die Bedeutung ethischer Begleitforschung, des Tierwohls und einer transparenten Kommunikation im Rahmen solcher Projekte.
Herausforderungen und Ausblick
Die Anwendung der In-vitro-Fertilisation (IVF) bei Nashörnern stellt eine bisher unerprobte und komplexe Herausforderung dar. Zum Vergleich: Beim Menschen waren über 100 Versuche erforderlich, um eine erfolgreiche IVF zu etablieren. Das BioRescue-Konsortium hat bislang sechs Embryotransfers mit reinen Embryonen des Nördlichen Breitmaulnashorns durchgeführt. Trotz der Schwierigkeiten bleibt das Team zuversichtlich und setzt sich weiterhin dafür ein, das Nördliche Breitmaulnashorn vor dem Aussterben zu bewahren und die Grundlagen für den Schutz weiterer stark gefährdeter Arten zu schaffen.
Das Projekt wird unter anderem vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert.
Wissenschaftliche Ansprechpartner
- Guyo Adhi
Director of Communications and Marketing, Ol Pejeta Conservancy
E-Mail: guyo.adhi@olpejetaconservancy.org
Telefon: +254 701 928 662 - Jan Stejskal
Director of International Projects, Safari Park Dvůr Králové
E-Mail: jan.stejskal@zoodk.cz
Telefon: +420 608 009 072 - Steven Seet
Head Unit Strategic Communication, Scientist, Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung
E-Mail: seet@izw-berlin.de
Telefon: +49 1522 457 35 19
Originalpublikation
Biasetti P, Hildebrandt T, Seet S, Stejskal J, Giardullo P, Göritz F, Holtze S, Galli C, Šťastný M, de Mori B (2026): Perceptions of assisted reproductive technologies in wildlife conservation: Public expectations and ethical implications across three EU countries. PLOS ONE. PONE-D-25-30141R2. https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0342094




