Private Ladeinfrastruktur als Schlüssel zur Förderung der Elektromobilität

Private Ladeinfrastruktur als Schlüssel zur Förderung der Elektromobilität

Private Ladeinfrastruktur als Schlüssel zur Förderung der Elektromobilität

Eine aktuelle Untersuchung, an der Prof. Dr. Wolfgang Habla von der DHBW Villingen-Schwenningen beteiligt war, belegt den positiven Einfluss privater Lademöglichkeiten auf die Nutzung von Elektrofahrzeugen. Mitarbeiter, die über eine eigene Wallbox verfügen, nutzen ihre Plug-in-Hybride nahezu fünfmal häufiger im elektrischen Modus. Dies führt zu einer deutlichen Reduktion des Kraftstoffverbrauchs und einer Verringerung der CO₂-Emissionen um über ein Drittel. Darüber hinaus wählen diese Nutzer bei der nächsten Fahrzeuganschaffung doppelt so häufig ein reines Elektroauto. Die Studie verdeutlicht, dass Komfort und gezielte Unterstützung privater Ladeinfrastruktur wirksamer sein können als reine finanzielle Anreize.

Untersuchungsdesign und Methodik

Die Studie analysierte anonymisierte Daten von circa 1.290 Dienstfahrzeugen eines großen deutschen Unternehmens, darunter Plug-in-Hybride und vollelektrische Fahrzeuge. In Zusammenarbeit mit Forschenden der Toulouse School of Economics und der Universität Mannheim wurde der Einfluss der schrittweisen Einführung von Wallboxen auf das Ladeverhalten untersucht. Die gestaffelte Installation ermöglichte eine quasi-experimentelle Analyse des Effekts privater Ladeinfrastruktur auf die Nutzung der Dienstwagen.

Zentrale Ergebnisse

  • Mitarbeitende mit Zugang zu einer Wallbox laden ihre Plug-in-Hybride fast fünfmal häufiger elektrisch.
  • Der Kraftstoffverbrauch sinkt signifikant, was zu einer Reduzierung der direkten CO₂-Emissionen um mehr als ein Drittel führt.
  • Beim nächsten Fahrzeugwechsel entscheiden sich Nutzer mit privater Ladeinfrastruktur doppelt so häufig für ein batterieelektrisches Fahrzeug.
  • Die Energiekosten werden vom Unternehmen getragen, somit ist der Verhaltenswandel auf den erhöhten Komfort zurückzuführen.
  • Aus betriebswirtschaftlicher Sicht amortisiert sich eine Wallbox innerhalb von acht bis zwölf Jahren und vermeidet über ihre Lebensdauer von etwa 20 Jahren durchschnittlich 13 Tonnen CO₂.

Politische und wirtschaftliche Implikationen

Prof. Dr. Wolfgang Habla betont, dass der Komfort des Heimladens bereits ohne finanzielle Anreize das Verhalten nachhaltig beeinflusst und Emissionen senkt. Im Vergleich zu einer reinen Erhöhung der Kraftstoffpreise, die politisch kaum realisierbar wäre (erforderlich wären Preissteigerungen von etwa 95 % für Benzin und 135 % für Diesel), stellt die Förderung privater Ladeinfrastruktur eine effektivere und gesellschaftlich akzeptablere Maßnahme dar.

Die Studie kritisiert zudem die bisherigen Kaufprämien für Plug-in-Hybride, da diese weder den tatsächlichen elektrischen Fahranteil erhöhen noch den Umstieg auf reine Elektrofahrzeuge fördern. Die Autoren empfehlen, Kaufprämien an das Vorhandensein privater Ladeeinrichtungen zu koppeln oder zukünftig ausschließlich für batterieelektrische Fahrzeuge zu gewähren und gleichzeitig den Ausbau von Wallboxen zu unterstützen.

Bedeutung für den Dienstwagenmarkt

Da etwa 40 % der Neuzulassungen in Deutschland auf Firmenwagen entfallen und bei Plug-in-Hybriden der Anteil sogar über 50 % liegt, wirkt sich eine Förderung in diesem Segment besonders stark auf den gesamten Fahrzeugbestand aus. Fahrzeuge, die nach einigen Jahren in den Gebrauchtmarkt gelangen, können so zur schnelleren Verbreitung klimafreundlicher Technologien beitragen.

Fazit und Ausblick

Die Studie „No Place Like Home: Charging Infrastructure and the Environmental Advantage of Plug-in Hybrid Electric Vehicles“ wurde im Journal of the European Economic Association veröffentlicht und liefert praxisnahe Erkenntnisse zur Verbesserung der Elektromobilität durch private Ladeinfrastruktur.


Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen

Prof. Dr. Wolfgang Habla
Telefon: +49 7720 3906-521
E-Mail: wolfgang.habla@dhbw.de


Weiterführende Informationen

Originalpublikation der Studie