

Einfluss des Rückgangs großer Säugetiere auf den Nährstoffkreislauf in afrikanischen Savannen und Auswirkungen auf Amphibienlarven
Eine aktuelle Untersuchung, geleitet vom Museum für Naturkunde Berlin, verdeutlicht, wie der Verlust großer Säugetiere weitreichende Folgen für Ökosysteme hat. Insbesondere zeigt die Studie, dass sich die Abnahme großer Pflanzenfresser auf die Nährstoffdynamik in temporären Gewässern auswirkt und somit auch Amphibienlarven betrifft. Über einen Zeitraum von zwanzig Jahren wurde dokumentiert, dass mit dem Rückgang dieser Säugetiere eine deutliche Abnahme der Stickstoffisotopenwerte in aquatischen Habitaten einhergeht. Die Ergebnisse betonen die zentrale Rolle großer Säugetiere bei der ökosystemübergreifenden Vernetzung und verdeutlichen, dass Störungen in einem Bereich kaskadenartige Effekte auf angrenzende Lebensräume haben können.
Untersuchungsmethode und erste Erkenntnisse
Dr. Mark-Oliver Rödel vom Museum für Naturkunde Berlin erläutert, dass zunächst geprüft wurde, ob die zuvor festgestellten Veränderungen in Lebensraum und Amphibienartenzusammensetzung auch zu einer veränderten Ernährung der Kaulquappen führen. Dazu analysierte das Forschungsteam stabile Stickstoff- und Kohlenstoffisotope in Kaulquappen aus dem Comoé Nationalpark im Norden der Elfenbeinküste. Diese Isotopenanalysen ermöglichen Rückschlüsse auf Nahrungsnetze und Nährstoffflüsse. Ulrich Struck, Leiter des Labors für stabile Isotope, bemerkte bei der ersten Auswertung der Daten ein unerwartetes Muster: einen generellen Rückgang der Stickstoffisotopenwerte.
Systemische Veränderungen in der Nährstoffverfügbarkeit
- Nick Ewald, Erstautor der Studie, berichtet, dass nicht nur artspezifische Reaktionen beobachtet wurden, sondern ein systemweiter Rückgang der Stickstoffisotopenwerte bei allen untersuchten Kaulquappenarten.
- Die Studie zeigt, dass dieser Rückgang mit dem durch Wilderei verursachten Schwund großer Pflanzenfresser korreliert.
- Dies weist auf eine generelle Veränderung der Nährstoffverfügbarkeit an der Basis der Nahrungskette hin, statt auf veränderte Fressgewohnheiten einzelner Amphibienlarven.
Guillaume Demare, Co-Erstautor, weist darauf hin, dass niedrigere Stickstoffisotopenwerte auf einen Stickstoffmangel in den betroffenen Ökosystemen hindeuten könnten. Obwohl weitere Untersuchungen notwendig sind, besteht Anlass zur Besorgnis hinsichtlich der Entwicklung der Kaulquappen.
Ökologische Konsequenzen und Bedeutung großer Säugetiere
In temporären Savannengewässern müssen Kaulquappen rasch wachsen, um sich vor dem Austrocknen der Gewässer zu Fröschen zu entwickeln. Eine Abnahme der Nährstoffqualität kann dieses Wachstum verlangsamen und somit die Überlebenschancen der Amphibien verringern. Die Studie verdeutlicht, dass große Säugetiere durch ihre Rolle bei der Verteilung von Nährstoffen terrestrische und aquatische Lebensräume miteinander verbinden. Ihr Verschwinden kann daher weitreichende Auswirkungen über die Grenzen einzelner Ökosysteme hinaus haben.
Die Autoren fassen zusammen, dass große Säugetiere nicht nur für terrestrische Ökosysteme von Bedeutung sind, sondern auch eine wichtige Funktion im Erhalt aquatischer Lebensräume übernehmen.
Originalpublikation
Die Studie „Shift of nitrogen and carbon stable isotopes in temporary pond tadpoles following the decline of large mammalian herbivores“ von Ewald, N., G. Demare, J. Glos, U. Struck & M.-O. Rödel (2026) ist als Open Access unter https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ece3.73508 verfügbar.



