
Soziale Gestaltung der Wärmewende im Mietwohnungssektor – Analyse zeigt Reformmöglichkeiten
Das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) adressiert zentrale Herausforderungen im Gebäudesektor nur unzureichend. Sowohl die Reduktion von Emissionen als auch soziale Aspekte bleiben weitgehend ungelöst. Eine aktuelle Untersuchung des Öko-Instituts und von Zukunft KlimaSozial präsentiert vier wesentliche Bausteine, die eine sozial ausgewogene und klimafreundliche Wärmewende im Mietwohnungsbereich ermöglichen. Dabei wird ein Instrumentenmix gefordert, der Investitionen in den Klimaschutz fördert, ohne die finanzielle Belastung der Mieterinnen und Mieter zu erhöhen.
Herausforderungen für Mieterinnen und Mieter
Astrid Schaffert, Referentin bei Zukunft KlimaSozial und Mitautorin der Studie, betont, dass über die Hälfte der Bevölkerung in Mietwohnungen lebt, jedoch kaum Einfluss auf die Heizungswahl hat. Die Heizkostenbelastung ist für einkommensschwache Haushalte bereits heute mehr als dreimal so hoch wie für wohlhabendere Haushalte. Während Vermieterinnen und Vermieter über Investitionen entscheiden, tragen Mieterinnen und Mieter die laufenden Energiekosten, was die Motivation für energetische Sanierungen auf Seiten der Vermietenden mindert. Bestehende Regelungen wie die Modernisierungsumlage oder die Aufteilung der CO₂-Kosten greifen nur begrenzt, um Investitionen mit sozialverträglichen Wohnkosten zu verbinden.
Vier zentrale Bausteine für den Gebäudesektor
Die Analyse schlägt folgende vier Maßnahmen vor:
- Regulierung der Kaltmiete, um soziale Belastungen zu begrenzen
- Fokussierung auf die Wärmekosten als entscheidenden Faktor
- Stärkung des sozialen Wohnungsbaus zur Unterstützung einkommensschwacher Haushalte
- Förderung von Quartiersansätzen sowohl in urbanen als auch in ländlichen Regionen
Dr. Katja Schumacher, Projektleiterin am Öko-Institut, unterstreicht, dass der Erfolg der Wärmewende nicht nur an der Anzahl ausgetauschter Heizungen oder sanierter Gebäude gemessen werden darf, sondern auch daran, ob klimafreundliches Wohnen für alle bezahlbar bleibt. Klimaschutz und bezahlbares Wohnen seien keine Gegensätze, sondern müssten gemeinsam gestaltet werden. Verzögerungen bei Investitionen könnten langfristig höhere Kosten für alle Beteiligten verursachen.
Empfohlene Maßnahmen zur Umsetzung
Eine Kombination verschiedener Instrumente kann die klimafreundliche Transformation des Gebäudesektors beschleunigen. Dazu gehören:
- Vereinfachte Investitionsmöglichkeiten
- Abbau von Fehlanreizen zugunsten fossiler Energieträger
- Sozial differenzierte Förderprogramme für Vermietende
- Zielgerichtete Beratungs- und Informationsangebote
- Berücksichtigung der Bedürfnisse einkommensschwacher Mieterinnen und Mieter von Beginn an
- Fokussierung auf den Gebäudebestand mit hoher sozialer Belastung
Die Studie zeigt, dass eine sozial gerechte und klimafreundliche Wärmewende möglich ist, wenn Verantwortung, Bezahlbarkeit und ambitioniertes Handeln miteinander verknüpft werden.
Weiterführende Informationen
- Studie „Bausteine für eine soziale Wärmewende im Mietwohnbereich“
- Policy Brief „Bausteine für eine soziale Wärmewende im Mietwohnbereich“
Über die beteiligten Institutionen
Öko-Institut e.V.
Seit über 40 Jahren zählt das Öko-Institut zu den führenden unabhängigen Forschungs- und Beratungseinrichtungen in Europa, die sich für eine nachhaltige Entwicklung einsetzen. Das Institut erarbeitet wissenschaftliche Grundlagen und Strategien zur Umsetzung nachhaltiger Entwicklung auf globaler, nationaler und lokaler Ebene. Es ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.
www.oeko.de
Zukunft KlimaSozial
Zukunft KlimaSozial ist ein wissenschaftlicher Thinktank, der Klima- und Sozialpolitik miteinander verbindet. Ziel ist eine klimaneutrale und sozial gerechte Gesellschaft mit umfassender Teilhabe. Die Organisation entwickelt evidenzbasierte Lösungsansätze und fördert den gesellschaftlichen Dialog. Gegründet wurde Zukunft KlimaSozial 2024 von Dr. Brigitte Knopf.
www.zukunft-klimasozial.de
Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen
Öko-Institut e.V.
Dr. Katja Schumacher
Stellvertretende Leiterin im Bereich Energie & Klimaschutz
Büro Berlin
Telefon: +49 30 405085-321
E-Mail: k.schumacher@oeko.de
Zukunft KlimaSozial
Sina Lippmann
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 015560/186362
E-Mail: presse@zukunft-klimasozial.de




