
Erhöhte Meeresspiegelanstiege durch Landabsenkungen in Küstenregionen
Die Gefahr von Überflutungen in dicht besiedelten Küstengebieten wird durch das Absinken des Landes zusätzlich verstärkt. Dies zeigen Untersuchungen von Wissenschaftlern der Technischen Universität München (TUM) und der Tulane University.
Globale Meeresspiegelanstiege und Subsidenz
Der durch den Klimawandel verursachte Anstieg des Meeresspiegels stellt eine bedeutende Herausforderung dar, da weltweit über eine halbe Milliarde Menschen in niedrig gelegenen Küstenzonen leben. Eine aktuelle Studie, veröffentlicht im Fachjournal Nature Communications, belegt, dass in stark bevölkerten Küstenregionen der relative Meeresspiegelanstieg durchschnittlich etwa 6 mm pro Jahr beträgt. Dieser Wert liegt damit rund dreimal über dem globalen Durchschnitt von 2,1 mm pro Jahr, der als küstenlängengewichteter Mittelwert gilt. Selbst im Vergleich zum absoluten, klimabedingten Anstieg von etwa 3,15 mm pro Jahr ist der Wert nahezu doppelt so hoch. Hauptursache für diesen erhöhten Anstieg ist das Absinken des Landes, auch Subsidenz genannt.
Ursachen für Landabsenkungen
Die Forscher identifizieren verschiedene Faktoren, die das Absinken der Landmassen bewirken. Wesentliche Ursachen sind:
- Intensive Grundwasserentnahme
- Förderung von Öl und Gas
- Verdichtung junger Sedimente in Flussdeltas
- Hohe bauliche Belastungen in schnell wachsenden urbanen Gebieten
Darüber hinaus können geologische Prozesse und die Eisschmelze ebenfalls Einfluss auf die Landbewegungen haben.
Regionale Unterschiede und Subsidenz-Hotspots
Besonders hohe relative Meeresspiegelanstiege wurden in Ländern wie Thailand, Bangladesch, Nigeria, Ägypten, China und Indonesien festgestellt, mit Werten zwischen 7 und 10 mm pro Jahr, bezogen auf die Küstenbevölkerung. Auch die USA, die Niederlande und Italien zeigen erhöhte Anstiegsraten von etwa 4 bis 5 mm jährlich.
Markante Subsidenz-Hotspots umfassen Städte wie Jakarta (-13,7 mm/Jahr), Tianjin (-13,5 mm/Jahr), Bangkok (-8,5 mm/Jahr), Lagos (-6,7 mm/Jahr) und Alexandria (-4 mm/Jahr). Innerhalb einzelner Städte können die Absenkungen stark variieren; in Jakarta wurden in einigen Bereichen sogar Werte bis zu -42 mm pro Jahr gemessen, während andere Stadtteile gleichzeitig eine Hebung aufweisen.
In einigen Regionen, beispielsweise Schweden und Finnland, hebt sich das Land aufgrund postglazialer Hebung schneller als der Meeresspiegel ansteigt, was zu einem relativen Absinken des Meeresspiegels führt.
Maßnahmen zur Reduzierung der Landabsenkung
Die Entnahme von Grundwasser stellt in vielen Küstenstädten den Hauptfaktor für die Subsidenz dar. Daraus ergibt sich, dass lokale wasserwirtschaftliche und politische Strategien entscheidend sind, um die Absenkung zu verlangsamen oder zu stoppen. Mögliche Gegenmaßnahmen umfassen:
- Verbessertes Grundwassermanagement
- Strengere Regulierung der Wasserentnahme
- Gezielte Wiederauffüllung von Aquiferen
Erfolgreiche Beispiele sind Tokio und die Metropolregion Houston. In Tokio wurden Absenkungen von bis zu 24 cm pro Jahr durch staatliche Maßnahmen und alternative Wasserversorgung deutlich reduziert. In Houston führte die Gründung des Harris-Galveston Subsidence Districts 1975 zur Regulierung der Grundwasserentnahme, Förderung alternativer Wasserquellen und Unterstützung von Wassersparprogrammen.
Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen
Dr. Julius Oelsmann
Technische Universität München (TUM)
TUM School of Engineering and Design
Deutsches Geodätisches Forschungsinstitut (DGFI-TUM)
E-Mail: julius.oelsmann@tum.de
Quellenangabe
Oelsmann, J., Nicholls, R.J., Lincke, D. et al. Subsidence more than doubles sea-level rise today along densely populated coasts. Nature Communications 17, 4382 (2026).
https://doi.org/10.1038/s41467-026-72293-z
Weiterführende Informationen
Deutsches Geodätisches Forschungsinstitut (DGFI-TUM)
Pressemitteilung der TUM




