Soziale Herkunft beeinflusst Umweltbewusstsein von Kindern und Jugendlichen

Soziale Herkunft beeinflusst Umweltbewusstsein von Kindern und Jugendlichen

Studie der Leuphana Universität: Einfluss der sozialen Herkunft auf das Umweltbewusstsein

Es ist seit langem bekannt, dass der schulische Erfolg stark von der sozialen Herkunft abhängt. Eine aktuelle internationale Untersuchung unter Leitung von Forschenden der Leuphana Universität Lüneburg erweitert dieses Verständnis nun auf das Umweltbewusstsein junger Menschen. Die Wissenschaftler*innen führten eine umfangreiche Meta-Analyse durch, bei der sie Daten von nahezu 700.000 Schülerinnen und Schülern aus 65 Ländern auswerteten. Die Ergebnisse wurden im Journal of Environmental Psychology veröffentlicht.

Soziale Unterschiede bei ökologischen Einstellungen

Die Analyse zeigt, dass insbesondere in wirtschaftlich wohlhabenden Ländern die Kluft zwischen den ökologischen Wertvorstellungen von Kindern und Jugendlichen aus verschiedenen sozialen Schichten groß ist – trotz umfassender Informationsmöglichkeiten. Die Forschenden warnen davor, dass dadurch vor allem Jugendliche aus privilegierten sozialen Verhältnissen im öffentlichen Diskurs zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit dominieren und ihre Interessen stärker vertreten werden.

Frühe Prägung und begrenzte Wirkung schulischer Bildung

Die Studie verdeutlicht zudem, dass sich die soziale Ungleichheit in Bezug auf Umweltbewusstsein bereits in der Grundschule manifestiert und im Verlauf der Zeit nicht verringert. Dies lässt darauf schließen, dass die derzeitigen schulischen Strukturen und pädagogischen Methoden nur begrenzt dazu beitragen, die Einflüsse des familiären Hintergrunds auf die Entwicklung ökologischer Werte zu kompensieren.

Forderung nach gezielten pädagogischen Maßnahmen

Prof. Dr. Marcus Pietsch, Leiter der Untersuchung, betont: „Wirtschaftlicher Fortschritt und verbesserte Informationszugänge allein führen nicht automatisch zu mehr ökologischer Gerechtigkeit.“ Er plädiert für spezifische Bildungsstrategien, um zu verhindern, dass Umweltbewusstsein zu einem exklusiven Privileg sozial begünstigter Gruppen wird.


Quellenangabe

https://doi.org/10.1016/j.jenvp.2026.103085