
Traditionelle Landwirtschaft als Beitrag zu Ernährungssicherheit, Ökosystemschutz und kultureller Identität
Eine aktuelle Untersuchung der Universität Göttingen analysiert die Rolle traditionell genutzter Agrarlandschaften, die von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) als „Globally Important Agricultural Heritage Systems“ (GIAHS) eingestuft werden. Die Studie zeigt, dass diese landwirtschaftlichen Kulturerbesysteme nicht nur zur Nahrungsmittelversorgung beitragen, sondern auch ökologische und kulturelle Werte bewahren.
Untersuchungsgegenstand und Methodik
Die Forschung umfasst verschiedene weltweit verteilte GIAHS-Regionen, darunter die Heumilch-Landwirtschaft in den österreichischen Alpen, Reisterrassen auf den Philippinen, den Anbau von Roggen und Kartoffeln in den portugiesischen Bergen sowie die traditionelle Oasenbewirtschaftung mit Dattelpalmen. Durch eine Expertenbefragung in 22 Standorten in 13 Ländern wurden Bewirtschaftungspraktiken und deren Herausforderungen analysiert.
Zentrale Faktoren für den Erhalt traditioneller Landwirtschaft
- Lokale Märkte und Produktzertifizierungen
- Produktion von Grundnahrungsmitteln über kurze Lieferketten
- Export hochwertiger Spezialprodukte
- Starke Berücksichtigung kultureller Werte und Anpassungsstrategien an den Klimawandel
Ergebnisse und Bedeutung
Die Studie verdeutlicht, dass nachhaltige Nahrungsmittelproduktion und der Schutz natürlicher Lebensräume miteinander vereinbar sind. Traditionelle Agrarsysteme demonstrieren, wie Landnutzung, Erhalt kultureller Identität und Sicherung der Lebensgrundlagen der lokalen Bevölkerung miteinander verbunden werden können. Zudem kann die GIAHS-Auszeichnung zur Sichtbarkeit der Regionen beitragen und Schutzmaßnahmen für Agrarlandschaften sowie kulturelle Praktiken fördern.
Herausforderungen und Handlungsempfehlungen
Die traditionelle Landwirtschaft steht vor zunehmenden Herausforderungen wie Klimawandel, Landflucht, veränderten Marktbedingungen und einer alternden Landbevölkerung. Die Forscher betonen, dass keine universelle Lösung existiert, sondern individuelle Ansätze erforderlich sind, die auf die jeweiligen Landschaften, Gemeinschaften und landwirtschaftlichen Strukturen abgestimmt sind. GIAHS-Regionen können hierbei als Vorbilder dienen, um nachhaltige Produktion mit dem Erhalt von Biodiversität und kulturellem Erbe zu verbinden.
Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen
Maria Chiara Camporese
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Agrarwissenschaften
Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung
Lehrstuhl für sozial-ökologische Interaktionen in Agrarsystemen
E-Mail: maria.camporese@uni-goettingen.de
Web: http://www.uni-goettingen.de/de/680863.html
Originalpublikation
Camporese, M. C. et al. (2026): Exploring the role of Globally Important Agricultural Heritage Systems in integrated landscape approaches. Ecology and Society. https://doi.org/10.5751/ES-17116-310203
Weiterführende Informationen
https://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?id=8205
Bildbeispiel
Heumilch-Landwirtschaft in den österreichischen Alpen: Milchkühe auf artenreichen Weiden.
Quelle: ARGE Heumilch




