Umweltbelastungen und soziale Ungleichheit in deutschen Großstädten

Umweltbelastungen und soziale Ungleichheit in deutschen Großstädten

Untersuchung zu Umweltbelastungen und sozialer Struktur in deutschen Großstädten

Eine aktuelle Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) beleuchtet den Zusammenhang zwischen Umweltfaktoren und der Bevölkerungsstruktur in den 69 größten Städten Deutschlands. Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Urban Studies veröffentlicht und durch eine interaktive Online-Karte ergänzt, die die räumliche Verteilung von Luftverschmutzung, Lärm und Grünflächen in den Städten visualisiert.

Methodisches Vorgehen

Die Analyse basiert auf einem 1×1 Kilometer großen Raster, das über die deutschen Städte mit mindestens 100.000 Einwohnern gelegt wurde. Dabei wurden Daten der Bundesagentur für Arbeit zur Sozialstruktur herangezogen, insbesondere der Anteil einkommensschwacher Haushalte sowie der Bewohner ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Diese Informationen wurden mit Umweltindikatoren des Umweltbundesamtes zu Luftqualität und Lärmbelastung sowie mit Daten der Europäischen Umweltagentur zur Verfügbarkeit von Grünflächen kombiniert.

Ergebnisse der Studie

  • Wohngebiete mit einem höheren Anteil an Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit weisen im Durchschnitt stärkere Luft- und Lärmbelastungen auf und verfügen über weniger Grünflächen.
  • Diese Benachteiligung lässt sich nicht ausschließlich durch sozioökonomische Faktoren erklären, da bei einkommensschwachen Haushalten kein vergleichbares Muster festgestellt wurde.
  • Die Lage innerhalb der Stadt spielt eine zentrale Rolle: Zentrale, dicht besiedelte Stadtteile weisen tendenziell eine schlechtere Umweltqualität auf.
  • Da Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit häufig in solchen zentralen Stadtteilen wohnen, sind sie verstärkt Umweltbelastungen ausgesetzt.
  • Die Studie stellt eine Momentaufnahme dar und zeigt keine zeitlichen Veränderungen auf, jedoch deuten Vergleiche zwischen verschiedenen Städten auf dynamische Prozesse hin, die Umweltungleichheiten beeinflussen können.
  • In Städten, in denen die zentrale Wohnbevölkerung überwiegend wohlhabend und akademisch gebildet ist, fällt die Umweltungleichheit geringer aus.
  • Beispielsweise weisen Städte wie Hamburg oder Köln eine höhere Umweltungleichheit auf als Essen, Solingen oder Ludwigshafen, da hier Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit weiterhin in den Stadtzentren leben.
  • Gentrifizierungsprozesse können demnach Umweltungleichheiten reduzieren, bringen jedoch auch potenzielle Nachteile wie Verdrängungseffekte mit sich.

Weiterführende Informationen

Die interaktive Karte zur Visualisierung der Umweltdaten ist unter folgendem Link abrufbar: https://shiny2.wzb.eu/ckoenig/Urban_Environmental_Inequalities/

Die vollständige Studie „Understanding variation in neighbourhood environmental inequalities“ kann über die DOI-Adresse eingesehen werden: https://doi.org/10.1177/00420980251412793

Kontaktinformationen

  • Dr. Christian König
    Telefon: 030/25491-516
    E-Mail: christian.koenig@wzb.eu
  • Gabriele Kammerer (Medienreferentin)
    Telefon: 030/25491-517
    E-Mail: gabriele.kammerer@wzb.eu