
Energiespeicher als Schlüssel für eine autonome Energieversorgung in Europa
Die Integration erneuerbarer Energien erfordert leistungsfähige Speicherlösungen, um die Stabilität der Stromnetze zu gewährleisten, industrielle Prozesse flexibler zu gestalten und eine sichere Energieversorgung zu garantieren. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts StoRIES gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Industrie die Entwicklung und Implementierung von Energiespeichern vorangetrieben. Damit leistet das Projekt einen Beitrag zur Erhöhung der Resilienz und Unabhängigkeit Europas im Energiesektor.
Projektübersicht und Vernetzung
Ein Energiesystem, das auf erneuerbaren Quellen basiert, benötigt Speichertechnologien, die Energie bedarfsgerecht und flexibel bereitstellen können – sei es für das Stromnetz, industrielle Anwendungen oder die Elektromobilität. Das vom KIT koordinierte Projekt StoRIES („Storage Research Infrastructure Eco-System“) verfolgte über vier Jahre das Ziel, Forschungsinfrastrukturen, wissenschaftliche Einrichtungen und Industriepartner europaweit zu vernetzen und Strategien für zukünftige Energiespeicher zu entwickeln.
Professor Stefano Passerini, Projektleiter am Helmholtz-Institut Ulm (HIU), betont: „StoRIES hat Impulse entlang der gesamten Wertschöpfungskette gesetzt – von der Materialentwicklung über Systemlösungen bis hin zur Integration in das Energiesystem.“ Im Rahmen des Projekts entstand ein Netzwerk aus rund 250 Forschungseinrichtungen, spezialisierten Laboren und Testumgebungen in ganz Europa.
Hybride Speichertechnologien für vielfältige Anwendungen
Ein zentrales Ziel von StoRIES war die Identifikation von Speichertechnologien, die Schwankungen bei der Verfügbarkeit erneuerbarer Energien ausgleichen können. Die Untersuchungen zeigten, dass keine einzelne Technologie alle Anforderungen des Energiesystems erfüllen kann:
- Batteriespeicher eignen sich für schnelle Lastwechsel im Stromnetz.
- Thermische Speicher sind besonders für industrielle Wärmeprozesse geeignet.
- Wasserstoff bietet Möglichkeiten zur langfristigen Energiespeicherung.
Auf Basis dieser Erkenntnisse entwickelten die Forschenden eine Technologie-Roadmap sowie eine strategische Forschungs- und Innovationsagenda für hybride Energiespeichersysteme. Dr. Myriam E. Gil Bardají, stellvertretende Projektkoordinatorin am KIT, erläutert: „Die intelligente Kombination verschiedener Speichertechnologien ist Voraussetzung für ein flexibles, stabiles und klimaneutrales Energiesystem.“ Die Ergebnisse zeigen zudem auf, welche Technologien zusammenwirken müssen und in welchen Bereichen Europas weiterer Forschungsbedarf besteht.
Darüber hinaus analysierten die Wissenschaftler Konzepte zur Elektrifizierung von Häfen und des Schwerlastverkehrs, zur Versorgung abgelegener Regionen mit erneuerbaren Energien sowie zur Nachnutzung fossiler Kraftwerksstandorte als Speicher- und Flexibilitätszentren. Für Gebäude und Industrie wurden kombinierte Speicheransätze entwickelt, die Strom, Wärme und Wasserstoff effizient koppeln. Olga Sumińska-Ebersoldt vom HIU hebt hervor: „Hybride Speicher bieten nicht nur technische Vorteile, sondern ermöglichen auch eine effiziente Nutzung bestehender Infrastrukturen und eine verbesserte Integration erneuerbarer Energien in den Alltag.“
Europäisches Netzwerk und Nachwuchsförderung
Über die technologischen Fortschritte hinaus schuf StoRIES neue Strukturen für die Energiespeicherforschung in Europa. Über 100 Nachwuchswissenschaftler nahmen an Summer Schools in Nikosia, Rom und Trondheim teil. Ergänzt wurden diese Angebote durch internationale Austauschprogramme, Mentoring und Onlinekurse.
Die Europäische Kommission bewertete StoRIES als ein wegweisendes Projekt im Rahmen des European Green Deal und als bedeutenden Beitrag zur klimaneutralen Transformation Europas. Dr. Holger Ihssen von der Helmholtz-Gemeinschaft in Brüssel, verantwortlich für die Kooperation mit europäischen Institutionen, betont: „StoRIES demonstriert, wie europäische Forschungszusammenarbeit konkrete Impulse für Energie- und Klimapolitik setzen kann. Die entstandenen Netzwerke und Strategien stärken die Innovationsfähigkeit Europas im Bereich nachhaltiger Energiesysteme auch über die Projektlaufzeit hinaus.“
Kontakt
Sandra Wiebe
Pressereferentin
Telefon: +49 721 608-41172
E-Mail: sandra.wiebe@kit.edu
Über das Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Das KIT entwickelt im Dialog mit der Gesellschaft Lösungen für zentrale Herausforderungen wie Klimawandel, Energiewende, nachhaltigen Umgang mit Ressourcen, Künstliche Intelligenz, technologische Souveränität und demografischen Wandel. Als Universität in der Helmholtz-Gemeinschaft vereint das KIT wissenschaftliche Exzellenz von der Grundlagenforschung bis zur Anwendung unter einem Dach. Mit mehr als 10.000 Mitarbeitenden und 22.800 Studierenden bietet das KIT exzellente Voraussetzungen, um eine nachhaltige und resiliente Zukunft zu gestalten.




