
Zusammenhang zwischen AfD-Unterstützung und Verbreitung emissionsarmer Technologien
Eine Untersuchung des Climate Action Research Lab (CARL) der Universität Freiburg analysiert den Einfluss politischer Präferenzen auf die Verbreitung von Elektrofahrzeugen und Photovoltaikanlagen in deutschen Kommunen. Die Studie zeigt, dass in Regionen mit höherer Zustimmung zur Partei Alternative für Deutschland (AfD) diese Technologien im Durchschnitt seltener genutzt werden.
Langfristige Auswirkungen politischer Veränderungen
Die Forschung betrachtet nicht nur den aktuellen Stand, sondern auch zeitliche Veränderungen innerhalb der Kommunen. Dabei ergab sich, dass ein Anstieg des AfD-Stimmenanteils mit einer verlangsamten Ausbreitung von E-Autos und Photovoltaikanlagen einhergeht. Obwohl die Nutzung dieser Technologien insgesamt zunimmt, erfolgt das Wachstum in stärker AfD-geprägten Gebieten vergleichsweise langsamer.
Dr. Moritz Wussow, Leiter des CARL, betont: „Es geht nicht nur um unterschiedliche Verbreitungsgrade emissionsarmer Technologien in politisch verschiedenen Regionen, sondern auch darum, wie politische Veränderungen die Geschwindigkeit der Technologiediffusion beeinflussen. Politische Polarisierung kann somit den Fortschritt der Energiewende innerhalb der Gesellschaft bremsen.“
Politische Orientierung und Bereitschaft zur Nutzung
Im Rahmen der Studie wurden Befragungen durchgeführt, die einen Zusammenhang zwischen politischer Einstellung und der Bereitschaft zur Anschaffung emissionsarmer Technologien aufzeigen. Personen mit einer weiter rechts angesiedelten politischen Orientierung zeigen im Durchschnitt eine geringere Bereitschaft, E-Autos oder Photovoltaikanlagen zu nutzen. Dieser Effekt ist bei Elektrofahrzeugen ausgeprägter als bei Photovoltaik.
- Anhänger der Grünen besitzen oder planen 227 % häufiger die Anschaffung eines E-Autos als AfD-Anhänger.
- Bei Photovoltaik ist die Differenz weniger deutlich: AfD-Anhänger liegen 18 % unter einer neutralen Referenzgruppe, während Grüne-Anhänger 35 % darüber liegen. Dieser Unterschied ist jedoch statistisch nicht signifikant.
Die Studie untersucht nicht direkt die Ursachen für die stärkere politische Polarisierung bei Elektroautos. Eine mögliche Erklärung ist, dass Autos als Ausdruck sozialer und politischer Identität stärker wahrgenommen werden, während Photovoltaik bereits länger etabliert ist.
Benedikt Kau, Co-Autor der Studie, ergänzt: „Politische Polarisierung verhindert nicht die Verbreitung der Technologien in bestimmten Gruppen, sondern beeinflusst vor allem die Geschwindigkeit. Unterschiedliche Diffusionsraten können langfristig zu erheblichen regionalen Unterschieden führen.“
Datengrundlage und Methodik
Die Analyse basiert auf amtlichen Daten zu Photovoltaikanlagen und zugelassenen Elektrofahrzeugen in über 10.700 deutschen Kommunen. Ergänzt wurden diese durch Wahlergebnisse sowie sozioökonomische und infrastrukturelle Informationen. Der Fokus lag auf der Untersuchung von Veränderungen innerhalb derselben Kommunen über die Zeit, wobei Faktoren wie Einkommen, Urbanisierungsgrad und Infrastruktur berücksichtigt wurden.
Zusätzlich wurden drei Befragungen mit insgesamt rund 8.000 Teilnehmern durchgeführt. Erfasst wurden unter anderem politische Orientierung, Parteipräferenz, Einkommen, Bildungsstand sowie Besitz und Anschaffungsabsicht der Technologien.
Durch die Kombination dieser Datenquellen konnte die Rolle politischer Ideologie bei der Verbreitung sauberer Technologien detaillierter analysiert werden als durch einfache regionale Vergleiche.
Weiterführende Informationen
- Originalpublikation: Reining, S. et al. „Far-right political support and clean technology adoption in Germany“, Nature Sustainability (2026). https://www.nature.com/articles/s41893-026-01935-3
- Dr. Moritz Wussow ist Gründer und Leiter des Climate Action Research Lab (CARL) an der Universität Freiburg. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf empirischer Analyse von Klimaschutzmaßnahmen unter Berücksichtigung von Effizienz, Verteilungswirkungen und Verhaltensmechanismen.
- Benedikt Kau, Doktorand am CARL, beschäftigt sich mit politischer Polarisierung in der Energiewende und dem Einfluss gesellschaftspolitischen Engagements von Unternehmen auf das Konsumentenverhalten.
- Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit Forschenden der Stanford University, Universität Leiden, Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik (EMI) sowie der University of New South Wales durchgeführt.
Über das Climate Action Research Lab (CARL)
Das CARL ist eine interdisziplinäre Forschungsgruppe am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der Universität Freiburg. Ziel ist die Entwicklung und Bewertung von Strategien für einen gerechten und effektiven Übergang zu klimafreundlichen und CO₂-neutralen Gesellschaften. Unter der Leitung von Dr. Moritz Wussow werden datenbasierte Methoden eingesetzt, um die Verbreitung sauberer Technologien sowie die Wirksamkeit regulatorischer Maßnahmen zu untersuchen. Ein besonderer Fokus liegt auf Effizienz, Verteilungswirkungen und der Rolle politischer Ideologie in der Energiewende.
Kontakt
Hochschul- und Wissenschaftskommunikation
Universität Freiburg
Telefon: +49 761 203 4302
E-Mail: kommunikation@zv.uni-freiburg.de





