
Die Aleuten-Subduktionszone ist älter als bisher angenommen
Der Inselbogen der Aleuten erstreckt sich über mehr als 3000 Kilometer zwischen Alaska und Kamtschatka und markiert eine bedeutende Plattengrenze, an der die Pazifische Platte unter die Nordamerikanische Platte abtaucht. Ein internationales Forscherteam aus Deutschland, Russland und den USA hat das Alter dieser Subduktionszone neu bestimmt und festgestellt, dass sie mindestens 56 Millionen Jahre alt ist – deutlich älter als bisherige Annahmen.
Neue Erkenntnisse zur tektonischen Entwicklung im Pazifikraum
Die Datierung der Aleuten-Subduktion legt nahe, dass deren Beginn mit einer weitreichenden Umstrukturierung der Plattenbewegungen im Pazifik zusammenfällt. Diese Umgestaltung dauerte etwa zehn Millionen Jahre und umfasste die Entstehung mehrerer Subduktionszonen und Vulkanbögen sowie die Umwandlung eines mittelozeanischen Rückens in eine Subduktionszone. Zudem kollidierte eine große magmatische Provinz mit dem nordamerikanischen Kontinentalrand, was die Aleuten als Teil eines komplexen tektonischen Systems positioniert.
Methodik und Untersuchungsgebiet
- Probenentnahme erfolgte entlang des gesamten Inselbogens, einschließlich des westlichen und östlichen Abschnitts.
- Die Untersuchungen basierten auf Expeditionen wie KOMEX SO201, KALMAR SO249 sowie einer Forschungsreise zu den russischen Komandorsky-Inseln Medny und Bering.
- Zur Altersbestimmung wurden zwei unabhängige geochronologische Methoden angewandt.
Die Ergebnisse zeigten eindeutig, dass die ältesten Spuren der Subduktion mindestens 56 Millionen Jahre zurückreichen, was eine frühere Entstehung als in vielen bisherigen Modellen nahelegt.
Zusammenhang mit globalen Klimaereignissen
Das Alter der Aleuten-Subduktionszone fällt zeitlich mit dem Paläozän-Eozän-Temperaturmaximum (PETM) zusammen, einem der stärksten natürlichen Erwärmungsphasen der Erdgeschichte. Während dieses Ereignisses stiegen die globalen Durchschnittstemperaturen innerhalb von 10.000 bis 15.000 Jahren um über fünf Grad Celsius an, bevor sie sich nach etwa 150.000 Jahren wieder normalisierten.
Obwohl ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen der Entstehung der Subduktionszone und dem PETM bisher nicht nachgewiesen ist, diskutieren die Forschenden mögliche Mechanismen. Dazu zählen Vulkanismus, hydrothermale Aktivitäten oder die Hebung flacher Meeresbecken, die zur Freisetzung von Kohlenstoff und somit zur Klimaerwärmung beigetragen haben könnten. Diese Hypothese erfordert weitere Untersuchungen, weist jedoch darauf hin, dass tektonische Prozesse bei früheren globalen Klimaänderungen eine größere Rolle gespielt haben könnten als bislang angenommen.
Fazit
Die neue Altersbestimmung der Aleuten-Subduktionszone erweitert das Verständnis der tektonischen Evolution im Pazifikraum und eröffnet neue Perspektiven auf mögliche Zusammenhänge zwischen Plattentektonik und globalen Klimaereignissen im frühen Paläogen.
Originalpublikation:
Hoernle, K., Jicha, B., Portnyagin, M., Zahirovic, S., Müller, D., Hauff, F., Timm, C., Höfig, T., Yogodzinski, G., Guillong, M., Berndt, C., Savelyev, D., Bezard, R. & Baranov, B. (2026): Tectonic and climatic implications of the Aleutian Arc initiation ≥56 million years ago. Nature Communications.
https://doi.org/10.1038/s41467-026-73363-y
Weitere Informationen:
https://www.geomar.de/n10325 (Bildmaterial zum Download)




