
30 Jahre Wismut-Studie: Würdigung der Forschungsergebnisse durch das Bundesamt für Strahlenschutz
Die Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft (SDAG) Wismut war in der DDR ein bedeutender Arbeitgeber und produzierte bis zur deutschen Wiedervereinigung 1990 Uran für die sowjetische Atomindustrie. Diese Tätigkeit führte zu erheblichen Umwelteinwirkungen und gesundheitlichen Belastungen bei den Beschäftigten. Seit den 1990er Jahren untersucht das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) im Rahmen der sogenannten Wismut-Studie die gesundheitlichen Folgen der beruflichen Strahlenexposition, insbesondere in Bezug auf Lungenkrebs.
Internationaler Uranbergarbeiter-Workshop in München
Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Studie veranstaltet das BfS vom 16. bis 18. Juni 2026 in München den „Zweiten internationalen Uranbergarbeiter-Workshop“. Florian Rauser, Vizepräsident des BfS, betont die Bedeutung der Studie als weltweit größte Kohortenuntersuchung von Bergarbeitern im Zusammenhang mit dem radioaktiven Gas Radon, das beim Uranabbau eine zentrale Rolle spielt. Die Ergebnisse der Studie liefern wichtige wissenschaftliche Grundlagen für den Strahlenschutz und beeinflussen aktuelle gesetzliche Regelungen, insbesondere hinsichtlich der Regulierung von Niedrigdosen.
Ergebnisse der Wismut-Studie
- Deutliche Korrelation zwischen Radonexposition und dem Auftreten von Lungenkrebs sowie zwischen Quarzfeinstaub und Staublunge.
- Keine belastbaren Hinweise auf eine erhöhte Sterblichkeit durch andere Erkrankungen infolge von Radonbelastung.
Die Studie unterstützt die Bewertung der Wahrscheinlichkeit, mit der Berufserkrankungen auf Strahlenexposition zurückzuführen sind. Zudem hat sie wesentliche Impulse für den Schutz vor Radon am Arbeitsplatz und in Innenräumen geliefert.
Historische und aktuelle Bedeutung
Der Uranabbau durch die SDAG Wismut prägt die ostdeutsche Geschichte und wirkt bis heute nach. Nach Berechnungen erkranken auch gegenwärtig ehemalige Wismut-Bergarbeiter an radonbedingtem Lungenkrebs, wobei das Risiko mit zunehmendem Abstand zur Exposition deutlich abnimmt.
Zukünftige Forschungsansätze
Der Workshop bringt internationale Wissenschaftler sowie Vertreter von Unternehmen, Behörden und Berufsgenossenschaften zusammen, um offene Fragestellungen zu erörtern. Dabei stehen unter anderem die möglichen Zusammenhänge zwischen Radon und weiteren Krebsarten sowie die Wirkung sehr niedriger Strahlendosen im Fokus. Geplante Projekte mit internationalen Partnern sollen die Forschung in diesen Bereichen vorantreiben. Die Studiendaten werden auf Antrag auch externen Forschenden zugänglich gemacht.
Grundlagen der Wismut-Studie
- Historischer Kontext: Zwischen 1946 und 1990 arbeiteten in den Uranabbaugebieten Thüringen und Sachsen über 400.000 Personen für die Wismut. Insbesondere in den Anfangsjahren waren sie hohen Konzentrationen von Radon und Quarzfeinstaub ausgesetzt.
- Wismut-Kohorte: Für etwa 60.000 Bergarbeiter wurde in den 1990er Jahren die individuelle Exposition gegenüber Radon, Quarzfeinstaub und äußerer Strahlung detailliert rekonstruiert. Diese Gruppe bildet die weltweit größte Kohorte von Uranbergarbeitern. Seit Ende der 1990er Jahre erfasst das BfS systematisch Sterblichkeit und Todesursachen innerhalb dieser Kohorte, um Zusammenhänge mit der beruflichen Belastung zu analysieren. Die Finanzierung erfolgt durch das Bundesumweltministerium.
- Wismut-Biobank: Zusätzlich wurde eine Biobank mit Proben von rund 1.000 ehemaligen Beschäftigten eingerichtet, um zelluläre Strahlenwirkungen und individuelle Strahlenempfindlichkeiten zu erforschen.
- Internationale Kooperationen: Die Daten der Wismut-Kohorte werden in globale Forschungsprojekte wie „PUMA“ und „iPAUW“ eingebunden, die Kohortenstudien von Uranbergarbeitern und -aufbereitern zusammenführen und auswerten.
Weiterführende Informationen
- 2nd International Workshop on Studies of Uranium Miners and Uranium Processing Workers
- Wismut Uranbergarbeiter-Kohortenstudie
- Forschung zur Wirkung von Radon auf die Gesundheit
- Sanierung der Hinterlassenschaften des Uranerzbergbaus in Sachsen und Thüringen
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS)
Das BfS ist eine wissenschaftlich-technische Bundesoberbehörde, die den Schutz von Mensch und Umwelt vor Strahlenschäden sicherstellt. Mit etwa 600 Mitarbeitenden bewertet das Amt Strahlenrisiken, überwacht die Umweltradioaktivität und unterstützt im radiologischen Notfallschutz. Zu den Aufgaben zählen auch der medizinische und berufliche Strahlenschutz sowie die Untersuchung von ultravioletter Strahlung und strahlenrelevanten Aspekten der Digitalisierung und Energiewende. Das BfS berät die Bundesregierung und arbeitet national sowie international mit Fachleuten zusammen. Weitere Informationen sind unter www.bfs.de verfügbar.




