EU-CO₂-Grenzausgleich stärkt globale Klimapolitik und fördert internationale CO₂-Bepreisung

EU-CO₂-Grenzausgleich stärkt globale Klimapolitik und fördert internationale CO₂-Bepreisung

EU-CO₂-Grenzausgleich fördert globale Klimapolitik

Anfang 2026 hat die Europäische Union ihre CO₂-Bepreisung auf ausgewählte importierte Produkte aus Drittstaaten ausgeweitet. Der sogenannte Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) verpflichtet Importeure CO₂-intensive Waren mit einem Klimazoll zu belegen, sofern im Ursprungsland kein vergleichbares Bepreisungssystem existiert. Eine aktuelle Studie zeigt, dass diese Maßnahme Handelspartner der EU motivieren könnte, ebenfalls CO₂-Preise einzuführen. Besonders Kanada, Japan, Taiwan und Südkorea werden als potenzielle Mitglieder einer internationalen Klima-Koalition identifiziert, deren Beteiligung eine Emissionsreduktion von 73 Prozent über die alleinige EU-Klimapolitik hinaus ermöglichen würde.

Studie und Methodik

Die im Peer-Review-Verfahren geprüfte Untersuchung, die vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) geleitet wurde, ist auf der Webseite des Journal of the Association of Environmental and Resource Economists (JAERE) verfügbar und erscheint im November 2026 in der Printausgabe.

Timothé Beaufils, Hauptautor der Studie, erläutert: „Der CBAM unterstützt die Dekarbonisierung der EU-Industrie bei gleichzeitiger Wahrung der Wettbewerbsfähigkeit. Von ebenso großer Bedeutung ist jedoch die Wirkung auf Drittstaaten.“ Erste Reaktionen aus Ländern wie Brasilien und der Türkei zeigen bereits die Einführung eigener CO₂-Preise als Antwort auf den EU-Grenzausgleich.

Die Analyse basiert auf einem eigens entwickelten ökonomischen Modell, das Handelsökonomie und Spieltheorie kombiniert. Dieses Modell simuliert, ob Handelspartner den Klimazoll zahlen oder einen eigenen CO₂-Preis einführen und sich so einer internationalen Klima-Koalition anschließen. Die Entscheidungen hängen ab vom CO₂-Preisniveau, der Ausgestaltung des CBAM und der Zusammensetzung der Koalition.

Ergebnisse der Modellanalyse

  • Derzeit gilt der CO₂-Preis im Rahmen des CBAM für Stahl, Eisen, Aluminium, Zement, Düngemittel, Elektrizität und Wasserstoff.
  • Das Modell verwendet empirische Daten zu Warenströmen aus 56 Wirtschaftssektoren und 43 Ländern, um die Auswirkungen eines CO₂-Preises von 100 US-Dollar pro Tonne zu berechnen.
  • Ohne Grenzausgleich reduziert der EU-CO₂-Preis die Emissionen innerhalb Europas um 505 Millionen Tonnen jährlich, die globalen Emissionen sinken jedoch nur um 305 Millionen Tonnen. Dies liegt an der Verlagerung energieintensiver Produktion in Drittländer („Carbon Leakage“), die etwa 40 % der Emissionsminderung in Europa aufhebt.
  • Mit CBAM sinkt der Carbon-Leakage-Effekt auf 15 %, wodurch die globalen Emissionen um 399 Millionen Tonnen reduziert werden.
  • Reagieren Handelspartner mit eigenen CO₂-Preisen, steigt die globale Emissionsminderung auf 691 Millionen Tonnen – eine Steigerung von 73 % gegenüber der alleinigen EU-Politik. Kanada, Japan, Südkorea und Taiwan schließen sich der Klima-Koalition an, um den Klimazoll zu vermeiden.

Weitere Modellrechnungen verdeutlichen, dass eine Ausweitung des CBAM auf zusätzliche Sektoren weitere Länder, darunter die USA, zur Teilnahme an der Klima-Koalition bewegen könnte. China würde dem Modell zufolge nur bei einem CO₂-Preis unter 20 US-Dollar pro Tonne beitreten. Trotz Unsicherheiten in den Modellannahmen bleibt die zentrale Erkenntnis bestehen: Der EU-Grenzausgleich fördert die Einführung von CO₂-Bepreisungen in anderen Staaten.

Schlussfolgerungen

Leonie Wenz, Co-Autorin der Studie, fasst zusammen: „Unsere Ergebnisse bestätigen die Hypothese eines ‚Brüssel-Effekts‘, wonach EU-weite Regelungen auch außerhalb der Union Wirkung entfalten. Dies kann zu einer Verstärkung des globalen Klimaschutzes führen, insbesondere wenn internationale Verhandlungen ins Stocken geraten.“


Originalpublikation

Beaufils, T., Wanner, J., Wenz, L. (im Druck): The Potential of carbon border adjustments to foster climate cooperation. Journal of the Association of Environmental and Resource Economists (JAERE). Erscheint November 2026. DOI: 10.1086/742163