
Langfristige Bedeutung kleiner Wachstumsvorsprünge bei Buchenkeimlingen
Im Wald herrscht ein intensiver Wettbewerb um essenzielle Ressourcen wie Licht, Wasser und Nährstoffe. Besonders nach sogenannten Mastjahren, in denen Pflanzen eine hohe Anzahl an Keimlingen hervorbringen, beginnt ein intensives Wachstumskonkurrenzverhalten. Bislang war unklar, ob bereits minimale Höhenunterschiede von ein bis zwei Zentimetern zwischen jungen Buchenkeimlingen im ersten Lebensjahr deren langfristige Entwicklung beeinflussen. Forschende der Universität Göttingen konnten nun nachweisen, dass Buchen, die am Ende ihres ersten Jahres etwas größer sind als ihre direkten Nachbarn, auch nach zwanzig Jahren bessere Überlebenschancen besitzen. Die Ergebnisse wurden im Journal of Ecology veröffentlicht.
Langzeitbeobachtung von Buchenkeimlingen
In einer 25-jährigen Studie wurden über 2.000 Buchenkeimlinge an zwei Standorten bei Freising und Landshut untersucht. Von den 2.214 erfassten Sämlingen überlebten 679, was einem Rückgang von etwa 70 Prozent entspricht und auf innerartliche Konkurrenz zurückzuführen ist. Die anfänglich kleinen Größenunterschiede zwischen den Keimlingen verstärkten sich im Verlauf der Zeit. Sämlinge, die im ersten Jahr etwas größer waren als ihre unmittelbaren Nachbarn, konnten ihre Position in der Größenhierarchie meist behaupten. Ein Aufholen der kleineren Keimlinge war selten.
Zusätzlich wurde in einem Gewächshausexperiment festgestellt, dass schwerere Bucheckern zu größeren und biomassereicheren Keimlingen führen. Dies deutet darauf hin, dass die Samengröße den anfänglichen Wachstumsvorsprung mitbestimmt und somit langfristige Auswirkungen auf das Überleben und Wachstum der Bäume hat.
Wettbewerbs- und Überlebensvorteile bereits im frühen Stadium
„Es ist seit langem bekannt, dass sich gleichaltrige Baumbestände im Laufe der Zeit ohne menschliches Eingreifen ausdünnen, wobei dieser Prozess mathematischen Gesetzmäßigkeiten folgt“, erläutert Prof. Dr. Christian Ammer von der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie der Universität Göttingen. „Unklar war jedoch, welche Sämlinge aus einer großen Anzahl im gleichen Jahr letztlich dominieren.“ Die Studie zeigt, dass sich Wettbewerbsvorteile und Überlebenschancen schon sehr früh im Leben der Bäume manifestieren. Wie sich diese Vorteile unter den Bedingungen eines sich wandelnden Klimas, insbesondere bei extremen Wetterereignissen, entwickeln, bleibt Gegenstand zukünftiger Forschung.
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Prof. Dr. Christian Ammer
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie
Büsgenweg 1, 37077 Göttingen
Telefon: 0551 39-23671
E-Mail: christian.ammer@forst.uni-goettingen.de
Web: http://www.uni-goettingen.de/de/634472.html
Publikation
Ammer, C. et al. (2026): Get out of the starting block quickly—Small initial differences in seed and seedling size affect tree survival and growth over 25 years. Journal of Ecology. DOI: 10.1111/1365-2745.70407
Weiterführende Informationen
Pressemitteilung der Universität Göttingen mit Bildmaterial





