Zukünftige Hitzewellen werden länger intensiver und großflächiger als bisherige Ereignisse

Zukünftige Hitzewellen werden länger intensiver und großflächiger als bisherige Ereignisse

Zukünftige Hitzewellen werden länger intensiver und großflächiger als bisherige Ereignisse

Studie: Zukünftige Hitzewellen könnten bisherige Extreme deutlich übertreffen

Eine aktuelle Untersuchung, veröffentlicht im Fachjournal Nature Communications und geleitet von einem Forscher der Freien Universität Berlin, prognostiziert, dass künftige Hitzewellen im Zuge des Klimawandels länger andauern, größere Regionen erfassen und intensiver ausfallen könnten als die außergewöhnlichen Ereignisse der letzten Jahre.

Analyse vergangener Hitzewellen und zukünftiger Szenarien

Das Forschungsteam analysierte 22 außergewöhnliche Hitzewellen, die zwischen 2010 und 2023 in verschiedenen Regionen wie Europa, Australien, China, Indien, Pakistan, Nordafrika, dem Nahen Osten sowie Nord- und Südamerika auftraten. Neun dieser Ereignisse aus den Jahren 2015 bis 2023 wurden detaillierter untersucht. Anschließend erfolgte ein Vergleich mit Klimaprojektionen für den Zeitraum von 2020 bis 2100.

Methodik und betrachtete Parameter

Im Gegensatz zu Studien, die sich auf einzelne Temperaturrekorde konzentrieren, berücksichtigte diese Untersuchung mehrere Merkmale von Hitzewellen simultan:

  • Dauer der Hitzewelle
  • Gesamtsumme der Temperaturanomalien über den Zeitraum
  • Mittlere und maximale Intensität
  • Mittlere und maximale Ausdehnung der betroffenen Gebiete

Zur Analyse der historischen Hitzewellen wurden zwei unabhängige Temperaturdatensätze von Berkeley Earth und ERA5 verwendet. Für die zukünftigen Projektionen kamen Klimamodellensembles der internationalen Vergleichsprojekte CMIP5 und CMIP6 zum Einsatz. Dabei wurden verschiedene Emissionsszenarien betrachtet, die von starken Minderungen bis zu hohen und sehr hohen Treibhausgasemissionen reichen, sowie unterschiedliche globale Erwärmungsgrade.

Ergebnisse und Prognosen

Die Auswertung zeigt über alle Modelle und Szenarien hinweg ein klares Muster: Ein erheblicher Anteil der zukünftigen Hitzewellen wird die außergewöhnlichen Ereignisse der jüngeren Vergangenheit übertreffen. Diese könnten sich durch längere Dauer, größere betroffene Flächen, höhere Intensität und deutlich größere angesammelte Temperaturanomalien auszeichnen. Besonders gegen Ende des 21. Jahrhunderts sind diese Unterschiede ausgeprägt, erläutert Philipp Aglas-Leitner von der Freien Universität Berlin, Erstautor der Studie.

Die Häufigkeit intensiver Hitzewellen wird voraussichtlich zunehmen. Für den Zeitraum 2015 bis 2054 prognostizieren die Forschenden eine deutliche Zunahme solcher Ereignisse in vielen Regionen. Zwischen 2060 und 2099 erwarten die meisten Modellensembles, dass viele Gebiete mindestens einmal jährlich eine außergewöhnliche Hitzeperiode erleben. In Europa könnten sich Hitzewellen künftig über mehrere Monate erstrecken und weite Teile des Kontinents betreffen.

Folgen und Handlungsempfehlungen

Die Studie unterstreicht die weitreichenden Auswirkungen extremer Hitze auf Gesundheit, Infrastruktur und Ökosysteme. Philipp Aglas-Leitner betont, dass selbst ambitionierte Klimaziele nur begrenzten Schutz bieten. Ohne umfassende Emissionsreduktionen und konsequente Anpassungsmaßnahmen werden viele Hitzeereignisse des 21. Jahrhunderts deutlich intensiver ausfallen als die bisher erlebten.

Kooperation und Beteiligte

Die Untersuchung ist das Ergebnis einer internationalen Zusammenarbeit. Neben der Freien Universität Berlin und der Australian National University waren das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, die ETH Zürich, die Charité Berlin, Earth Sciences New Zealand sowie die Universität Hamburg beteiligt.


Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen

Philipp Aglas-Leitner
Fachbereich Physik und Fachbereich Mathematik und Informatik
Freie Universität Berlin
E-Mail: philipp.aglas@fu-berlin.de


Originalpublikation

https://www.nature.com/articles/s41467-026-76809-5