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12.02.2026 12:21
Plötzlich gesund
Fortschreitende Naturerkenntnis, ganz allgemein gesprochen, ‚Wissenschaft‘, ist der stärkste Feind des medizinischen Wunders. Was unseren Vorfahren als Wunder erschien, was einfache Naturvölker heute noch in heftige Erregung versetzt, das berührt den zivilisierten Menschen längst nicht mehr.
Doch es gibt einen Gegensatz, der jedem Denkenden sofort auffällt: der unerhörte, durchaus nicht abgeschlossene Aufstieg der wissenschaftlichen Heilkunde und die ebenso unerhörte Zunahme der Laienbehandlung und der Kurpfuscherei. Man schätzt die Zahl der Menschen, die der Schulmedizin kein Vertrauen schenken, auf immerhin 50 Prozent.
Wie kann es sein, daß Laienbehandler und Kurpfuscher immer wieder spektakuläre Erfolge aufweisen, von denen die Sensationspresse berichtet?
Der Autor geht dieser Frage nach und kommt zu interessanten Erkenntnissen, aus denen er Vorschläge für eine bessere Krankenbehandlung durch seine ärztlichen Standesgenossen ableitet.
Greifswalder Forscher*innen erklären Blutgerinnsel nach COVID-19-Impfung
Entdeckung kann Impfstoffe in Zukunft noch sicherer machen
Ein Greifswalder Forschungsteam hat zusammen mit internationalen Partner*innen aus Australien und Kanada herausgefunden, wie vermieden werden kann, dass eine Verkettung seltener Umstände sogenannte Hirnvenenthrombosen nach einer COVID-19-Impfung auslöst.
Durch die Entdeckung können Impfstoffe in Zukunft noch sicherer gemacht werden. Die Studie wurde nun in der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine veröffentlicht. Bereits auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie 2021 erhielt das Greifswalder Forschungsteam um Prof. Andreas Greinacher weltweite Aufmerksamkeit, als sie die Ursache sehr seltener Blutgerinnsel in den Hirnvenen nach einer Impfung mit Vektor-basierten COVID-19-Impfstoffen erkannten.
Menschen entwickeln im Laufe ihres Lebens durch natürlich vorkommende Infektionen wie dem Schnupfen Antikörper gegen das Adenovirus. Dieses Virus ist so weit verbreitet, dass sich fast jeder Mensch mindestens einmal damit infiziert. Bei diesem Kontakt entstehen unter anderem Antikörper gegen ein bestimmtes Eiweiß des Virus, dem Protein VII. Kommt es auch Jahre später erneut zum Kontakt mit Adenoviren, werden diese Antikörper reaktiviert. Dabei kann es in sehr seltenen Fällen zu einer zufälligen Veränderung der Erbinformation, einer sogenannten Mutation, in einzelnen Antikörper-produzierenden Zellen kommen.
Bei Menschen mit einer besonderen genetischen Veranlagung führt dies dazu, dass sich Antikörper nicht mehr an eine ganz bestimmte Stelle des Protein VII, sondern fälschlicherweise an den sogenannten Plättchenfaktor 4 binden. Dadurch aktivieren die Antikörper Blutplättchen und lösen die Bildung von Blutgerinnseln aus. „Es ist so, als wenn bei einem Schlüssel ein Zacken verändert wird und der Schlüssel danach in ein anderes Schloss passt“ sagt die Co-Autorin Dr. Linda Schönborn von der Unimedizin Greifswald. „Diese Kombination aus zufälliger Mutation und genetischer Besonderheit kommt ausgesprochen selten vor. Daher ist auch das Risiko für diese Komplikation sehr gering.“
Betroffene Patient*innen aus ganz Deutschland haben dem Greifswalder Forschungsteam ihre Blutproben zur Verfügung gestellt. Durch diese außergewöhnliche Bereitschaft konnte das Team die seltenen immunologischen Vorgänge im Detail untersuchen und so den Mechanismus aufklären.
Wichtige Erkenntnis für die Zukunft der Impfstoffentwicklung
„Jetzt können wir die verantwortliche Stelle im Protein VII des Impfstoffs gezielt verändern und Vektor-Impfstoffe für alle sicherer machen. Relevant ist das insbesondere in Regionen, in denen auch heute noch lebensbedrohliche Infektionskrankheiten wie Ebola verbreitet sind“, sagt Prof. Andreas Greinacher, der verantwortliche Leiter der Studie.
Weitere Informationen:
Website mit Hintergrundvideos:
https://www.unimedizin-greifswald.de/de/forschung/neues-aus-der-wissenschaft/202…
Zur Studie:
https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2514824
Bild: Das Forschungsteam um Prof. Dr. Greinacher
Von links nach rechts:
Dr. Linda Schönborn, Assistenzärztin in der Abteilung Transfusionsmedizin in der Universitätsmedizin Greifswald
Prof. Dr. Andreas Greinacher, Seniorprofessor am Institut für Transfusionsmedizin Universitätsklinikum Greifswald
Prof. Dr. Thomas Thiele, Leiter des Institutes für Transfusionsmedizin der Universitätsmedizin Greifswald
Dr. Luisa Müller, Institut für Transfusionsmedizin
Dipl.-Biol. Jan Wesche, Institut für Transfusionsmedizin
Foto: Universitätsmedizin Greifswald/Annina Rehbein
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Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Andreas Greinacher
Seniorprofessor
Tel.: +49 (0) 3834 / 86 5479
andreas.greinacher@med.uni-greifswald.de
Originalpublikation:
Adenoviral Inciting Antigen and Somatic Hypermutation in VITT
Published February 11, 2026
N Engl J Med 2026;394:669-683
DOI: 10.1056/NEJMoa2514824
Weitere Informationen:
https://Website mit Hintergrundvideos:
https://www.unimedizin-greifswald.de/de/forschung/neues-aus-der-wissenschaft/202…
https://Zur Studie:
https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2514824
Bilder
Das Forschungsteam um Prof. Dr. Greinacher: Dr. Linda Schönborn (v.li.), Prof. Dr. Andreas Greinache …
Quelle: Foto: UMG/Annina Rehbein
Copyright: Unimedizin Greifswald
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler
Biologie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch

