
Langfristige Reduktion der Dengue-Erkrankungen durch Anti-Mücken-Beschichtung
Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg haben nachgewiesen, dass eine innovative Beschichtung von Wassertanks die Anzahl der Dengue-Fälle in Kolumbien signifikant verringert. Die Kosten für diese Maßnahme belaufen sich auf etwa zwei US-Dollar pro Jahr und Tank. Die Ergebnisse könnten auch für die Bekämpfung der Asiatischen Tigermücke in Deutschland relevant sein.
Studienergebnisse aus Kolumbien
Eine einmalige Behandlung von Wasserbehältern mit einer speziellen Beschichtung führt zu einer deutlichen Verringerung der Gelbfiebermücken (Aedes aegypti) und somit zu einer Reduktion der Dengue-Übertragung über mehrere Monate. Die im Fachjournal The Lancet Infectious Diseases veröffentlichte Studie zeigt, dass in kolumbianischen Stadtvierteln mit beschichteten Wassertanks die Zahl der Dengue-Erkrankungen um 45 Prozent stärker sank als in Kontrollgebieten ohne Behandlung. Diese Erkenntnisse sind auch für Deutschland von Bedeutung, da hier die nahe verwandte Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) in vielen Regionen heimisch ist.
Prof. Dr. Axel Kroeger, Leiter des Projekts am Institut für Infektionsprävention und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Freiburg, betont: „Durch die gezielte Bekämpfung der Brutstätten lässt sich die Krankheitslast signifikant reduzieren.“ Das Verfahren könne weltweit angewendet werden und biete auch für Deutschland eine potenzielle Ergänzung im Kampf gegen die Tigermücke.
Denguefieber: Globale Herausforderung
- Jährlich sind weltweit schätzungsweise 100 bis 400 Millionen Menschen von Dengue betroffen.
- Die meisten Infektionen verlaufen mild, schwere Verläufe können jedoch tödlich sein.
- Klimawandel, Urbanisierung und die Ausbreitung der Tigermücke erhöhen das Risiko von Ausbrüchen auch in Europa.
Kosteneffiziente Prävention in Cúcuta
In der kolumbianischen Stadt Cúcuta wurden 20 Stadtviertel mit jeweils 1.600 bis 2.000 Haushalten untersucht. Nach einem Jahr zeigte sich in den behandelten Gebieten eine signifikant geringere Inzidenz von Dengue-Fällen (337 Fälle pro 100.000 Einwohner) im Vergleich zu den Kontrollgebieten (529 Fälle). Zudem sank der Anteil der Haushalte mit Mückenlarven deutlich. Die Kosten für die Beschichtung betrugen etwa zwei US-Dollar pro Jahr und Tank. Vorherige Sicherheitsprüfungen bestätigten, dass das behandelte Wasser gesundheitlich unbedenklich ist.
Wirkmechanismus der Beschichtung
Dr. Rocio Cardenas, Erstautorin der Studie, erläutert: „Die Beschichtung wirkt an den bevorzugten Brutstätten der Aedes aegypti, insbesondere in großen Wasserbehältern.“ Ein Wirkstoff tötet erwachsene Mücken und hemmt die Eiablage, während ein weiterer die Entwicklung von Larven und Puppen verhindert. Mikrokapseln sorgen für eine langsame Freisetzung der Wirkstoffe und gewährleisten eine Wirkdauer von bis zu zwölf Monaten.
Bedeutung für die Infektionsprävention und mögliche Anwendung in Deutschland
Prof. Dr. Philipp Henneke, Sprecher des Centre for Planetary Health der Universität Freiburg, bezeichnet die Studie als wichtigen Beitrag zur globalen Infektionsprävention. Das Konzept, das für eine spezifische Region entwickelt wurde, besitzt internationale Relevanz.
In Deutschland breitet sich die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) zunehmend aus und nutzt ähnlich wie Aedes aegypti Wasserbehälter als Brutstätten, beispielsweise Regentonnen in Gärten. Aktuell wird zur Larvenbekämpfung häufig der biologische Wirkstoff Bti eingesetzt, der alle zwei Wochen neu appliziert werden muss. Eine langanhaltende Beschichtung könnte den Aufwand für Haushalte und Kommunen erheblich reduzieren. Aufgrund unterschiedlicher klimatischer Bedingungen, Mückenarten und Bekämpfungsstrategien ist eine direkte Übertragung der Ergebnisse jedoch nicht ohne Weiteres möglich. Dennoch hält Prof. Kroeger eine eigenständige Lösung für Europa nach Zulassung der Beschichtung für denkbar.
Studienteilnehmer und weiterführende Informationen
An der Untersuchung waren neben der Abteilung Infektiologie der Klinik für Innere Medizin II und dem Institut für Virologie des Universitätsklinikums Freiburg auch internationale Forschungsteams beteiligt.
Originalpublikation:
Cardenas, R. et al. (2026). Epidemiological impact of a dual-action insecticidal coating applied to Aedes aegypti breeding sites on dengue transmission in Colombia: A cluster-randomised trial. The Lancet Infectious Diseases. DOI: 10.1016/S1473-3099(26)00363-4
https://www.thelancet.com/journals/laninf/article/PIIS1473-3099(26)00363-4/fulltext
Infobox: Denguefieber – Verbreitung und Schutz
Dengue ist nicht mehr auf tropische Regionen beschränkt. Für Reisende bleibt ein wirksamer Mückenschutz essenziell, während die Ausbreitung der Tigermücken lokale Übertragungen auch in Europa wahrscheinlicher macht. Das Universitätsklinikum Freiburg stellt auf seiner Webseite umfassende Informationen zur globalen Entwicklung von Dengue-Infektionen und Schutzmaßnahmen bereit.
https://www.uniklinik-freiburg.de/presse/publikationen/im-fokus/dengue-auf-dem-vormarsch-in-europa-und-weltweit.html




