

Gezielte Verhinderung schwerer allergischer Reaktionen auf Bienengift
Weltweit sind mehr als eine Milliarde Menschen von Allergien betroffen, deren Schweregrad von milden Symptomen bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen reicht. Ein internationales Forscherteam hat nun einen innovativen Ansatz entwickelt, um allergische Reaktionen gezielt zu unterbinden. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht. An der Studie aus Aarhus waren unter anderem Prof. Dr. Thilo Jakob von der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) sowie Dr. Christian Möbs von der Philipps-Universität Marburg beteiligt.
Fokus auf das Hauptallergen des Honigbienengifts
Im Zentrum der Untersuchung stand das dominante Allergen im Honigbienengift, das bei Betroffenen schwere allergische Reaktionen auslösen kann. Die Wissenschaftler entwickelten sogenannte Nanobodies – kleine, maßgeschneiderte Antikörper –, die spezifisch an dieses Allergen binden. Dadurch wird verhindert, dass die IgE-Antikörper der Allergiker das Allergen erkennen und eine Immunreaktion auslösen.
Ergebnisse aus Labor- und Tiermodellen
- In vitro konnten die Nanobodies die Aktivierung von Immunzellen in Blutproben von Bienengiftallergikern signifikant reduzieren.
- In einem Tiermodell wurde durch den Einsatz der Nanobodies eine schwere allergische Reaktion (Anaphylaxie) erfolgreich verhindert.
Beitrag der deutschen Forschungseinrichtungen
Die Forscher aus Gießen und Marburg lieferten wesentliche Beiträge zur immunologischen und allergologischen Interpretation der Daten sowie zur Einschätzung der klinischen Relevanz für Patienten mit schweren Insektengiftallergien. Die Studie verdeutlicht, dass eine gezielte Blockade der wichtigsten allergieauslösenden Moleküle ausreichen könnte, ohne das gesamte Immunsystem zu beeinflussen.
Perspektiven für die Behandlung schwerer Allergien
Die derzeitige Standardtherapie für schwere Allergien, die Allergen-Immuntherapie, erfordert oft eine langwierige Behandlung über mehrere Jahre und ist nicht für alle Patienten geeignet. Der vorgestellte Ansatz der passiven Immuntherapie bietet eine mögliche Ergänzung: Hierbei erhalten Betroffene fertige Antikörper, die temporär vor schweren allergischen Reaktionen schützen können.
Für eine klinische Anwendung sind jedoch weitere Studien notwendig. Die vorliegende Arbeit stellt einen bedeutenden Schritt in Richtung präziser und potenziell schneller wirkender Therapieoptionen bei schweren Allergien dar.
Kontaktinformationen der wissenschaftlichen Ansprechpartner
Prof. Dr. Thilo Jakob
Fachbereich Medizin, Justus-Liebig-Universität Gießen
Telefon: 0641 985-43200
E-Mail: Thilo.Jakob@derma.med.uni-giessen.de
Dr. Christian Möbs
Fachbereich Medizin, Philipps-Universität Marburg
Telefon: 06421 58-61405
E-Mail: moebs@med.uni-marburg.de
Originalpublikation
Aagaard, J.B., Gandini, R., Ballegaard, A.S.R. et al.: Nanobody-based IgG simultaneously inhibit the allergenic and enzymatic activity of the dominant honeybee venom allergen. Nature Communications 17, 1814 (2026).
https://doi.org/10.1038/s41467-026-69572-0



