Lebenserwartung in Westeuropa: Studie zeigt wachsende Kluft zwischen Regionen



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09.03.2026 10:00

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Plötzlich gesund

Fortschreitende Naturerkenntnis, ganz allgemein gesprochen, ‚Wissenschaft‘, ist der stärkste Feind des medizinischen Wunders. Was unseren Vorfahren als Wunder erschien, was einfache Naturvölker heute noch in heftige Erregung versetzt, das berührt den zivilisierten Menschen längst nicht mehr.
Doch es gibt einen Gegensatz, der jedem Denkenden sofort auffällt: der unerhörte, durchaus nicht abgeschlossene Aufstieg der wissenschaftlichen Heilkunde und die ebenso unerhörte Zunahme der Laienbehandlung und der Kurpfuscherei. Man schätzt die Zahl der Menschen, die der Schulmedizin kein Vertrauen schenken, auf immerhin 50 Prozent.
Wie kann es sein, daß Laienbehandler und Kurpfuscher immer wieder spektakuläre Erfolge aufweisen, von denen die Sensationspresse berichtet?
Der Autor geht dieser Frage nach und kommt zu interessanten Erkenntnissen, aus denen er Vorschläge für eine bessere Krankenbehandlung durch seine ärztlichen Standesgenossen ableitet.

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Lebenserwartung in Westeuropa: Studie zeigt wachsende Kluft zwischen Regionen

Die Lebenserwartung in Westeuropa driftet zunehmend auseinander. Seit Mitte der 2000er Jahre vertieft sich die Kluft zwischen westeuropäischen Regionen mit hoher und mit stagnierender Lebenserwartung deutlich. Dies zeigt eine neue Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) und des französischen Instituts für demografische Studien (INED), die in der renommierten Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde. Hierfür haben die Forschenden regionale Sterblichkeitsdaten aus 450 Regionen in 13 europäischen Ländern über den Zeitraum von 1992 bis 2019 ausgewertet. Dies ermöglicht die Betrachtung langfristiger Tendenzen frei von Verzerrungen durch die Coronapandemie.

Wende ab 2005 beendet „goldenes Zeitalter“

Wie aus der Untersuchung hervorgeht, stieg die Lebenserwartung in Westeuropa zwischen 1992 und 2005 mit hoher Geschwindigkeit an – bei Männern um rund 3,5 Monate pro Jahr, bei Frauen um 2,5 Monate. Die Forschenden sprechen von einem „goldenen Zeitalter“, in dem viele bei der Lebenserwartung zurückliegende Regionen aufholen und die Abstände zu Gebieten mit höherer Lebenserwartung verringern konnten. Seit 2005 hat sich die Dynamik deutlich verändert: In den Jahren 2018 und 2019 betrug der durchschnittliche jährliche Zuwachs nur noch etwa 2 Monate für Männer und 1 Monat für Frauen. Dabei waren die regionalen Unterschiede von einer wachsenden Kluft gekennzeichnet, da insbesondere Regionen mit einer niedrigen Lebenserwartung deutlich geringere Anstiege verzeichnen konnten. „Ausschlaggebend ist hierbei die Entwicklung der Sterblichkeit bei den 55- bis 74-Jährigen“, erklärt Dr. Pavel Grigoriev, Forschungsgruppenleiter am BiB und einer der beiden Hauptautoren der Studie. „In manchen Regionen stagnierte die Sterblichkeit in dieser Altersgruppe oder stieg sogar wieder an. Dies ist eine sehr besorgniserregende Entwicklung, da viele dieser Menschen noch mitten im Leben stehen und erwerbstätig sind.“

Deutschland: neue „Nachzüglerregionen“ im Norden und Westen

Auch in Deutschland glich sich die regionale Lebenserwartung zwischen 1990 und 2005 stark an. Anfang der 1990er Jahre gehörten weite Teile Ostdeutschlands zu den „Nachzüglerregionen“, die nach der Wiedervereinigung einen starken Aufwärtstrend in der Lebenserwartung aufwiesen. Nach 2005 hat sich der Fortschritt dagegen in allen Regionen Deutschlands verlangsamt. Dabei verzeichneten neben weiten Teilen Ostdeutschlands auch einige Regionen im Norden und Westen des Landes ungünstige Entwicklungen. Insbesondere bei Frauen stand dies in engem Zusammenhang mit den Folgen des Tabakkonsums, da in diesen Landesteilen traditionell mehr geraucht wird als in Süddeutschland. Insgesamt stehen deutsche Regionen im westeuropäischen Vergleich nicht gut da: „Im Untersuchungszeitraum konnte sich keine einzige Region in Deutschland innerhalb der oberen 10 Prozent aller westeuropäischen Regionen mit der höchsten Lebenserwartung etablieren“, fasst Mitautor Prof. Dr. Sebastian Klüsener vom BiB zusammen.

Weiterhin Potenzial für Anstiege in der Lebenserwartung

Trotz der allgemein verlangsamten Entwicklung gibt es in Westeuropa Gebiete mit hoher Lebenserwartung, die auch nach 2005 noch starke Fortschritte verzeichnen konnten. Dort liegen die Anstiege der Lebenserwartung immer noch bei etwa 3 Monaten pro Jahr. „Regionen in Norditalien, der Schweiz und Teilen Spaniens zeigen auf, dass weitere Fortschritte möglich sind und das Potenzial für zusätzliche Zugewinne weiterhin besteht“, fasst Grigoriev die Befunde zusammen. „Die wieder zunehmende regionale Ungleichheit bei der Lebenserwartung in Europa sollte bei gesundheitlichen und sozialpolitischen Maßnahmen stärker in den Blick genommen werden.“


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Dr. Sebastian Klüsener Sebastian.Kluesener@bib.bund.de
Dr. Pavel Grigoriev Pavel.Grigoriev@bib.bund.de


Originalpublikation:

Bonnet, Florian et al. (2026): Potential and challenges for sustainable progress in human longevity. Nature Communications 17(996).
https://doi.org/10.1038/s41467-026-68828-z


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Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Medizin, Politik, Wirtschaft
überregional
Forschungsergebnisse
Deutsch


 

Quelle: IDW