
Potenziale des Speisemaisanbaus auf deutschen Ackerflächen
Speisemais findet in der deutschen Landwirtschaft bislang nur begrenzte Anwendung, obwohl er in der Lebensmittelverarbeitung vielfältig genutzt wird, etwa für Cornflakes, Gebäck oder Polenta-Grieß. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) sowie die Forschung & Entwicklung Dottenfelderhof (FZD) untersuchten im Rahmen des dreijährigen Projekts „Speise-MaisQual“ die Anforderungen und Möglichkeiten des Speisemaisanbaus. Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) im Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) gefördert.
Anforderungen und Qualitätsmerkmale im Speisemaisanbau
Der Anbau von Speisemais unterscheidet sich grundsätzlich nicht von dem des Körnermaises für die Fütterung. Für die Lebensmittelverarbeitung sind jedoch spezifische Qualitätsanforderungen zu erfüllen, die insbesondere eine sorgfältige Sortenwahl erfordern. Neben typischen agronomischen Kriterien wie schnellem Wachstum und effektiver Unkrautunterdrückung ist vor allem die geringe Anfälligkeit gegenüber Pilzbefall von Bedeutung, da strengere Grenzwerte für Schimmelpilzgifte einzuhalten sind. Ein zentrales Qualitätsmerkmal ist zudem die Grießausbeute, die im Projekt als entscheidend für die Verarbeitungsqualität identifiziert wurde.
Entwicklung eines Schnelltests zur Bestimmung der Grießausbeute
Zur schnellen und kostengünstigen Ermittlung der Grießausbeute entwickelten die Forschenden einen Schnelltest auf Basis der Nahinfrarotspektroskopie (NIRS/NIT). Diese Methode ermöglicht erstmals eine einheitliche und nicht zerstörende Analyse am ganzen Korn, ohne dass eine Vermahlung erforderlich ist. Der Schnelltest eröffnet neue Möglichkeiten für die Sortenprüfung, Züchtung und Qualitätssicherung im Speisemaisanbau.
Ergebnisse der Sortenuntersuchungen
Im Untersuchungszeitraum wurden 90 Speisemaissorten analysiert, darunter aktuelle Hybridsorten, historische Landsorten sowie nachbaufähige Populationen. Die Ergebnisse zeigten einen Zielkonflikt zwischen Ertrag und Nährstoffgehalt: Hybridsorten erzielten die höchsten Körnererträge, wiesen jedoch niedrige Gehalte an wertvollen Inhaltsstoffen und eine geringere Grießausbeute auf. Im Gegensatz dazu überzeugten die Landsorten durch hohe Konzentrationen an Proteinen, essenziellen Aminosäuren und Mineralstoffen sowie eine hohe Grießausbeute, erzielten aber geringere Erträge. Die Populationen lagen in Bezug auf Ertrag, Grießausbeute und Inhaltsstoffe zwischen den Hybriden und Landsorten.
Ausblick für den Speisemaisanbau in Deutschland
Die Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Speisemais in Deutschland unter Berücksichtigung einer gezielten Sortenauswahl, entsprechender Züchtungsarbeit und dem Ausbau der Verarbeitungskapazitäten ein interessantes Anbaupotenzial besitzt. Besonders im ökologischen Landbau könnte Speisemais eine wertvolle Alternative darstellen.



