Strukturwandel in der Lausitz: Entwicklung zu Logistikzentrum und Tourismusregion
Die Lausitz in Sachsen war über Jahrhunderte hinweg eine bedeutende Bergbau- und Industrieregion. Neben ihrer industriellen Vergangenheit zeichnet sie sich durch historische Städte wie Dresden, Bautzen und Görlitz sowie mehrere UNESCO-Weltkulturerbestätten aus. Mit dem geplanten Kohleausstieg in Deutschland bis zum Jahr 2038 steht die Region vor einem tiefgreifenden Strukturwandel. Forschende der Technischen Universität Berlin unterstützen diesen Prozess, indem sie die Lausitz als internationalen Logistikknotenpunkt und attraktiven Tourismusstandort weiterentwickeln.
Digitales Simulations-Tool „DiSTILL“ zur Unterstützung der Logistikplanung
Im Oktober 2025 präsentierte ein Forschungsteam unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Frank Straube vom Institut für Technologie und Management der TU Berlin das digitale Simulationswerkzeug „DiSTILL“. Dieses auf öffentlich zugänglichen Daten basierende Tool ermöglicht die Messung der logistischen Leistungsfähigkeit der Region und dient als Planungsinstrument für neue Großprojekte. Das Projekt wurde mit 2,2 Millionen Euro vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr sowie der Investitionsinitiative mFUND gefördert.
„DiSTILL“ steht für „Digitales Simulations-Tool zur Weiterentwicklung des Lausitzer Reviers zur Internationalen Logistikdrehscheibe Lausitz“ und unterstützt Unternehmen, Verwaltung und Politik bei der Analyse von Verkehrsströmen, der Bewertung von Emissionen und Logistikkosten sowie der Identifikation potenzieller Gewerbeflächen.
Strategische Bedeutung der Lausitz im europäischen Verkehr
Die Lausitz profitiert von ihrer Lage an der Schnittstelle dreier Länder und mehrerer europäischer Verkehrskorridore. Bereits etablierte Industrieansiedlungen haben bedeutende Verkehrsströme erzeugt. Die Region verfügt über drei moderne Binnenhäfen in Dresden, Riesa und Torgau, die für den Umschlag von Waren technisch gut ausgestattet sind.
Das Ziel des Projekts war es, die aktuellen und zukünftigen logistischen Anforderungen zu erfassen und eine umfassende Datenbank mit bestehenden und geplanten Infrastrukturprojekten zu erstellen. Diese Datenbank, die kostenfrei unter dem Namen „Mobilithek“ zugänglich ist, bildet eine wichtige Grundlage für weiterführende Analysen und Anwendungen.
Prof. Straube betont, dass die Logistikbranche sich von der Kohle als Schüttgut hin zu Stückgut und nachhaltigen Produkten wandeln muss. „DiSTILL“ unterstützt dabei, belastbare Wertschöpfungsnetzwerke zu entwickeln und logistische Prozesse bestehender Unternehmen zu optimieren.
Projekt „FlexiDug“: Digitalisierung für flexible Bahninfrastruktur
Die Umnutzung der Schieneninfrastruktur ist ein weiterer zentraler Aspekt des Strukturwandels. Mit dem Ende des Braunkohleabbaus verliert die Bahn ihren bisherigen Hauptkunden. Das Projekt „FlexiDug“ (Flexible, digitale Systeme für den schienengebundenen Verkehr in Wachstumsregionen) unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Birgit Milius vom Fachgebiet Bahnbetrieb und Infrastruktur der TU Berlin widmet sich der Frage, wie die Bahnstrecken künftig multifunktional genutzt werden können, beispielsweise auch für den Personenverkehr.
Gefördert mit 2,5 Millionen Euro durch den Bund, entwickelte das Projekt einen digitalen Zwilling – ein virtuelles, erweiterbares Modell der Bahninfrastruktur. Dieses ermöglicht die Vernetzung von Sensordaten und die Unterstützung bahnbetrieblicher Funktionen in Echtzeit. Dabei wurden auch potenzielle Arbeitswege und deren Anbindung in das Modell integriert, was für die regionale Stadt-, Industrie- und Tourismusentwicklung von Bedeutung ist.
Verkehrsübergreifende Kooperation und nachhaltige Industrieansiedlungen
Die Lausitz profitiert vom Wissenstransfer zwischen Forschung, Industrie und Verwaltung. Große Unternehmen wie BLG Railtec GmbH und BASF haben bereits in moderne Logistikzentren und Produktionsstätten investiert. Der Industrie- und Gewerbepark „Gral“ (Green Areal Lausitz) bei Cottbus, mit Schienenanbindung und Versorgung durch erneuerbare Energien, soll insbesondere den grenzüberschreitenden Verkehr nach Polen fördern.
Diese Infrastrukturprojekte sind sowohl in der „DiSTILL“-Datenbank als auch im „FlexiDug“-Modell verzeichnet, was Unternehmen eine verlässliche Planung von Investitionen ermöglicht.
Internationale Perspektiven: Nachhaltige Logistik für Schwellenländer
Die Forschung zur nachhaltigen Logistik erstreckt sich über Europa hinaus. Das Fachgebiet Logistik der TU Berlin arbeitet seit Jahren mit afrikanischen Partnern zusammen, um logistische Lösungen und Lieferketten für die faire Industrialisierung in Schwellenländern zu entwickeln. Ziel ist es, die industrielle Wertschöpfung in Bereichen wie Automobiltechnik, Verkehrstechnik, Lebensmittel- und Bekleidungsindustrie zu stärken und somit auch die europäische Wirtschaft langfristig zu unterstützen.
Kontaktinformationen
- Prof. Dr. Frank Straube
Leitung Fachgebiet Logistik
Fakultät VII – Wirtschaft und Management
Tel.: +49 30 314-22877
E-Mail: sekretariat@logistik.tu-berlin.de - Prof. Dr. Birgit Milius
Leitung Fachgebiet Bahnbetrieb und Infrastruktur
Fakultät V – Verkehrs- und Maschinensysteme
Tel.: +49 30 314-25429
E-Mail: birgit.milius@tu-berlin.de


