
Identifikation fossiler Holzkohle aus der Kreidezeit durch Thünen-Forschende
Wissenschaftler des Thünen-Instituts für Holzforschung in Hamburg haben eine winzige Holzkohleprobe aus Sedimentbohrkernen der Westantarktis erfolgreich einer Baumart zugeordnet. Diese Probe stellt den bislang ältesten Nachweis für wiederkehrende Waldbrände in der Erdgeschichte dar. Das Alter der Holzkohle beträgt etwa 90 Millionen Jahre und übertrifft damit frühere Funde um rund 35 Millionen Jahre.
Hintergrund und Methodik
Die Probe stammt von einer Expedition des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) mit dem Forschungsschiff Polarstern. Die mitgebrachten Holzpartikel wurden im Kompetenzzentrum Holzherkünfte des Thünen-Instituts von Immo Heinz und Sergej Kaschuro präpariert und anatomisch untersucht. Trotz der geringen Größe der Partikel konnten mithilfe von Digital- und Rasterelektronenmikroskopen charakteristische Holzstrukturen ermittelt werden. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Communications Earth & Environment veröffentlicht.
Analyse der Holzkohle und Rückschlüsse auf Brandereignisse
- Der Sedimentkern enthielt eine verkohlte Braunkohleschicht von etwa fünf Zentimetern sowie darunterliegende carbonreiche Tone.
- Im Profil fanden sich sowohl mikroskopisch kleine als auch größere Holzkohlepartikel, deren Häufigkeit in den oberen Schichten zunahm, was auf eine steigende Brandaktivität hinweist.
- Die anatomische Untersuchung identifizierte die Holzkohle als Überreste von Nadelhölzern aus der Familie der Steineibengewächse (Podocarpaceae), die heute in feuchten, torfigen Habitaten im Pazifikraum vorkommen.
- Die Datierung erfolgte durch Uran-Blei-Messungen an den Sandschichten über der Kohle sowie durch Biostratigraphie und Magnetostratigraphie der organischen Sedimente darunter.
Temperatur und Ursachen der Brände
Geochemische Analysen ergaben, dass die Brände bei moderaten Temperaturen von etwa 370 bis 400 Grad Celsius stattfanden, was auf niedertemperierte Oberflächenbrände und nicht auf vulkanische Aktivitäten als Brandursache hindeutet. Die Brandstoffe bestanden überwiegend aus Koniferen.
Bedeutung der Ergebnisse
Die Studie liefert wertvolle Einblicke in die Wechselwirkungen zwischen Feuer, Vegetation und Kohlenstoffspeicherung unter klimatischen Bedingungen mit hohen CO2-Konzentrationen während der späten Kreidezeit. Angesichts der zunehmenden Brandgefahr in heutigen Mooren infolge des Klimawandels können die Erkenntnisse helfen, Reaktionen von Ökosystemen und deren Kohlenstoffbilanz bei extremen Umweltbedingungen besser zu verstehen.
Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen
Dr. Immo Heinz
Thünen-Institut für Holzforschung
immo.heinz@thuenen.de
Originalpublikation
Salzmann, U. et al. (2026): Co-evolution of wildfires and early Sphagnum-peatlands near the Cretaceous South Pole. Communications Earth & Environment 7, 715.
DOI: 10.1038/s43247-026-03959-1



