Gezielter Einsatz von Biomethan zur Wärmewende angesichts begrenzter Potenziale

Gezielter Einsatz von Biomethan zur Wärmewende angesichts begrenzter Potenziale

Gezielter Einsatz von Biomethan statt flächendeckendem Verheizen

Das kürzlich veröffentlichte Eckpunktepapier zur Grüngasquote definiert die erforderlichen Anteile klimafreundlicher Brennstoffe, die Gasversorger in das Netz einspeisen müssen. In Kombination mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz rückt Biomethan zunehmend in den Mittelpunkt der Wärmewende. Diese gesetzlichen Vorgaben könnten den Bedarf an Biomethan erheblich erhöhen, da neue Gas- und Ölheizungen schrittweise mit einem höheren Anteil erneuerbarer Brennstoffe betrieben werden sollen. Eine Studie des Öko-Instituts im Auftrag des Umweltbundesamtes zeigt jedoch, dass nachhaltiges Biomethan nur begrenzt verfügbar ist und daher bevorzugt dort eingesetzt werden sollte, wo keine anderen klimafreundlichen Alternativen bestehen.

Begrenzte nachhaltige Biomethan-Potenziale

Die Untersuchung bewertet die Potenziale, die Nachfrage sowie die Einsatzmöglichkeiten von nachhaltigem Biomethan, das aus Rest- und Abfallstoffen gewonnen wird. Das zentrale Ergebnis lautet, dass Biomethan zwar fossile Energieträger substituieren kann, jedoch keine flächendeckende Lösung für die Energiewende darstellt. Vorrang sollten strombasierte Technologien wie Wärmepumpen, Elektrofahrzeuge sowie Wind- und Solarenergie haben.

Der prognostizierte Mindestbedarf im Jahr 2045 von 208 Terawattstunden überschreitet das maximal mobilisierbare nachhaltige Potenzial von etwa 60 Terawattstunden aus Rest- und Abfallstoffen deutlich. Die tatsächliche Nachfrage könnte durch neue gesetzliche Vorgaben im Gebäudebereich und im Schiffsverkehr noch weiter steigen. Im Jahr 2024 wurden lediglich 10 Terawattstunden Biomethan eingespeist, was 1,2 Prozent des gesamten deutschen Erdgasverbrauchs entspricht.

Moritz Vogel, Senior Researcher am Öko-Institut, betont: „Aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit sollte Biomethan vorrangig dort eingesetzt werden, wo keine anderen Optionen bestehen, beispielsweise bei Hochtemperaturprozessen in der Stahlindustrie oder im Schiffsverkehr. Zudem bergen die starken Preisschwankungen ein erhebliches Kostenrisiko.“

Wärmewende: Wärmepumpen als bevorzugte Alternative

Der breite Einsatz von Biomethan im Gebäudesektor wird in der Studie kritisch bewertet. Obwohl das im Juli 2026 in Kraft getretene Gebäudemodernisierungsgesetz nur in seiner Entwurfsfassung berücksichtigt wurde, ist davon auszugehen, dass Biomethan eine wichtige Rolle bei der Erfüllung der stufenweise steigenden Mindestanteile erneuerbarer Energien in neuen Gas- und Ölheizungen spielt. Die sogenannte Bio-Treppe schreibt ab 2029 einen Mindestanteil von zehn Prozent vor, der bis 2040 auf 60 Prozent ansteigt. Ab 2028 soll zudem eine Grüngasquote für Erdgasanbieter eingeführt werden, deren genaue Ausgestaltung noch gesetzlich definiert werden muss. Diese Regelungen könnten die Nachfrage nach nachhaltigem Biomethan weiter erhöhen. Die Studie zeigt jedoch, dass die verfügbaren nachhaltigen Potenziale nicht ausreichen, um den stark wachsenden Bedarf zu decken. Zudem sind Wärmepumpen in der Regel wirtschaftlich vorteilhafter.

Marc Stobbe, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Öko-Institut, fasst zusammen: „Biomethan stellt keine tragfähige Lösung für die Wärmewende dar. Die Abhängigkeit von einem begrenzten Energieträger mit volatilen Preisen birgt erhebliche Risiken.“

Studie und Kontaktinformationen

Die Studie „Nachhaltiges Biomethan: Potenziale, Einsatz und Alternativen – Eine Einordnung der Nutzungshierarchie“ ist über die Webseite des Öko-Instituts abrufbar: https://www.oeko.de/publikation/nachhaltiges-biomethan-potenziale-einsatz-und-alternativen-eine-einordnung-der-nutzungshierarchie/

Das Öko-Institut ist eine seit über 40 Jahren bestehende unabhängige Forschungseinrichtung mit Standorten in Freiburg, Darmstadt und Berlin. Es entwickelt wissenschaftliche Grundlagen und Strategien zur Umsetzung nachhaltiger Entwicklung auf globaler, nationaler und lokaler Ebene.

Wissenschaftliche Ansprechpartner

  • Moritz Vogel
    Senior Researcher, Bereich Energie & Klimaschutz
    Öko-Institut Consult gGmbH, Büro Freiburg
    Telefon: +49 761 45295-226
    E-Mail: m.vogel@oeko.de
  • Marc Stobbe
    Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Bereich Energie & Klimaschutz
    Öko-Institut Consult gGmbH, Büro Freiburg
    Telefon: +49 761 45295-284
    E-Mail: m.stobbe@oeko.de