
Kalte Duschen: Positive Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit
Die Herausforderung, Menschen zu umweltbewusstem Verhalten zu motivieren, steht im Fokus einer Studie einer Psychologin aus Basel. Dabei wurde untersucht, welchen Nutzen regelmäßiges kaltes Duschen für Umwelt und Gesundheit haben kann.
Hindernisse bei Verhaltensänderungen
Obwohl vielen Menschen die negativen Folgen ihres Handelns für die Umwelt bewusst sind, fällt es ihnen schwer, ihr Verhalten zu ändern – insbesondere wenn dies mit Verzicht oder höheren Kosten verbunden ist. Die Psychologin Dr. Lena Glaser beschreibt diese Ambivalenz aus ihrer therapeutischen Praxis.
Integration in den Alltag als Schlüssel
In ihrer Dissertation an der Fakultät für Psychologie der Universität Basel analysierte Glaser, ob Menschen eher zu klimafreundlichem und gesundheitsförderndem Verhalten neigen, wenn sich dieses leicht in den Alltag einbinden lässt und gleichzeitig Vorteile bietet. Als Beispiel diente das regelmäßige kalte Duschen.
Während in der öffentlichen Debatte häufig Themen wie Mobilität, Ernährung oder Recycling im Mittelpunkt stehen, stoßen radikale Maßnahmen wie Flugverbote oder ausschließlich vegetarische Kantinenangebote oft auf Ablehnung. Viele fühlen sich bevormundet, obwohl ihnen die negativen Auswirkungen von Flügen und Fleischkonsum auf Klima und Gesundheit bekannt sind.
Glaser plädiert für einen empathischeren Ansatz bei Verhaltensänderungen. Die Temperatur des Duschwassers oder der Wasserverbrauch wird im Klimaschutz selten thematisiert, obwohl der Einfluss vergleichbar mit dem von Recycling ist. Kaltes Duschen ist zwar unangenehm, stellt aber eine geringe Verhaltensänderung dar, da Duschen ohnehin Teil des Alltags ist. Zudem führt es zu Kosteneinsparungen.
Studienverlauf und Ergebnisse
- 719 gesunde Teilnehmer im Alter von 18 bis 65 Jahren wurden über zwölf Wochen angehalten, so kalt wie möglich zu duschen.
- Zu Beginn stiegen viele aus, später nahm die Abbruchrate ab, was auf einen Gewöhnungseffekt hindeutet.
- Die verbleibenden Probanden berichteten über eine Verbesserung ihres psychischen und physischen Wohlbefindens.
- Die Anzahl der Krankheitstage sank im Vergleich zur Kontrollgruppe um durchschnittlich 31 %.
Ökologische und ökonomische Vorteile
Teilnehmer gaben an, sich nach kalten Duschen wacher und erfrischter zu fühlen und empfanden Stolz, die Überwindung geschafft zu haben – Faktoren, die die Motivation stärken.
Langfristig reduziert kaltes Duschen den Wasser- und Energieverbrauch, da kürzer geduscht wird und weniger Heizenergie benötigt wird. Bei einer Reduktion der Wassertemperatur von 40 auf 15 Grad Celsius sinkt der Heizenergiebedarf um etwa 1,3 kWh pro 45 Liter Wasser. Dies führt zu geringeren Nebenkosten und verringert den CO2-Ausstoß um rund 15 Kilogramm pro Person innerhalb von zwölf Wochen – vergleichbar mit einer Autofahrt von etwa 100 Kilometern.
Glaser betont, dass persönlicher Nutzen und das Fehlen von empfundenem Verzicht die Motivation für Verhaltensänderungen erhöhen.
Offene Fragen und Empfehlungen
Ob die Teilnehmer das kalte Duschen nach Studienende fortsetzen, ist nicht bekannt. Ebenso unklar bleibt, ob sie ihr Umweltverhalten insgesamt verändert haben oder ob sie mögliche Einschränkungen durch andere Verhaltensweisen kompensierten, was den ökologischen Nutzen mindern könnte.
Für Personen, die sich vor kaltem Wasser scheuen, empfiehlt Glaser kleine Schritte und eine individuelle Anpassung der Wassertemperatur. Ein strikter Verzicht auf alle Annehmlichkeiten könne die psychische Gesundheit beeinträchtigen, was wiederum kontraproduktiv für den Umweltschutz sei.
Die Studienanweisung „so kalt wie möglich duschen“ lässt sich demnach flexibel interpretieren: Je nach Tagesform kann die Temperatur variiert werden. Wichtig sei, auf das eigene Wohlbefinden zu achten, sich aber gelegentlich auch zu überwinden.
Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen
Lena Glaser
E-Mail: lena.glaser@unibas.ch
Originalpublikation
Dissertation: Breaking the habit: psychological strategies to promote health and sustainability
https://edoc.unibas.ch/entities/publication/17cefebc-30b6-463e-bdb8-e747320e78ff




