
Vielfalt der Pilze im Boden als Grundlage für globale Gesundheit
Pilze stellen einen wesentlichen Bestandteil der mikrobiellen Gemeinschaft im Boden dar und übernehmen eine zentrale Funktion im Kohlenstoff- und Energiefluss innerhalb des Boden-Nahrungsnetzes. Eine aktuelle Untersuchung von Professor Matthias C. Rillig von der Freien Universität Berlin verdeutlicht die Bedeutung der pilzlichen Bodengemeinschaften für die Stabilität von Ökosystemen, landwirtschaftliche Erträge sowie die Kohlenstoffspeicherung. Die Studie mit dem Titel „Fungal Diversity, Ecology, and Functions in Soil Ecosystems“ wurde in der Fachzeitschrift Nature Reviews Microbiology veröffentlicht.
Rolle der Pilze im Bodenökosystem
Bodenpilze gehen symbiotische Beziehungen mit Pflanzenwurzeln ein, wodurch ein Austausch von Wasser und Nährstoffen ermöglicht wird und in einigen Fällen ein Schutz vor Krankheiten erfolgt. Zahlreiche Pflanzenarten sind auf diese weitverzweigten Mykorrhiza-Netzwerke angewiesen, um lebenswichtige Nährstoffe wie Phosphor und Stickstoff zu erhalten. Darüber hinaus tragen Pilze als Zersetzer organischer Substanzen maßgeblich zu ökologischen Prozessen bei.
Bedeutung für Umwelt und Landwirtschaft
„Pilze bilden das unsichtbare Fundament vieler Ökosysteme. Ein vertieftes Verständnis ihrer Diversität und Funktionen innerhalb spezifischer Lebensräume ist entscheidend, um die Auswirkungen globaler Umweltveränderungen, einschließlich des Klimawandels, besser vorhersagen zu können. Zudem eröffnet dies Möglichkeiten, landwirtschaftliche Systeme nachhaltiger zu gestalten und die Zusammenhänge zwischen Umwelt-, Tier- und Humanmedizin gezielter zu erforschen“, erläutert Matthias Rillig, Professor für Ökologie am Institut für Biologie der Freien Universität Berlin.
Forschungsschwerpunkte und Herausforderungen
Rillig beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Ökologie bodenlebender Organismen, der Biodiversität von Pilzen sowie den Folgen globaler Veränderungen für Ökosysteme. In seiner jüngsten Übersichtsarbeit fasst er den aktuellen Forschungsstand zu Vielfalt, Ökologie und funktionalen Rollen von Pilzen zusammen und weist auf bestehende Forschungslücken hin. Insbesondere bedarf es weiterer Untersuchungen zu den Auswirkungen des globalen Wandels auf pilzliche Gemeinschaften und deren Bedeutung für die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt.
Aufgrund ihrer Position am unteren Ende des Boden-Nahrungsnetzes reagieren Pilze besonders empfindlich auf anthropogene Einflüsse wie Klimawandel, Landnutzungsänderungen oder chemische Belastungen. „Veränderungen in der Zusammensetzung pilzlicher Gemeinschaften können erhebliche Folgen für Ökosysteme und die landwirtschaftliche Produktion haben. Zudem dürfen die pathogenen Eigenschaften mancher Pilze nicht außer Acht gelassen werden. Ihre Rolle bei der Entwicklung von Antimykotikaresistenzen erfordert vertiefte Forschung, insbesondere im Hinblick auf die Auswirkungen auf die Human- und Veterinärmedizin“, betont Rillig.
Integration in One Health und Planetary Health
Die Studie unterstreicht, dass Pilze bei der Betrachtung von Gesundheitssystemen, die Mensch, Tier und Umwelt umfassen (One Health), sowie im Kontext der planetaren Gesundheit eine bedeutende Rolle spielen und daher stärker berücksichtigt werden müssen.
Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen
- Prof. Dr. Matthias Rillig
- Institut für Biologie, Chemie, Pharmazie, Freie Universität Berlin
- Email: rillig@zedat.fu-berlin.de
Originalpublikation
Rillig, M.C. „Fungal Diversity, Ecology and Functions in Soil Ecosystems.“ Nature Reviews Microbiology (2026). https://doi.org/10.1038/s41579-026-01321-y



