Radardaten zur Minimierung von Vogelkollisionen bei Windenergieanlagen mit geringem Stromverlust

Radardaten zur Minimierung von Vogelkollisionen bei Windenergieanlagen mit geringem Stromverlust

Radardaten als Schutzmaßnahme für Vögel an Windenergieanlagen

Windkraftanlagen tragen zur klimafreundlichen Energieerzeugung bei, stellen jedoch eine Gefahr für Zugvögel dar. Eine Studie der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) zeigt, dass sich mit Hilfe von Wetterradar-Daten das Kollisionsrisiko für Vögel deutlich reduzieren lässt, ohne erhebliche Einbußen bei der Stromproduktion hinzunehmen. Dies gelingt durch gezielte Abschaltungen der Anlagen während hoher Vogelzugaktivitäten.

Erfassung von Vogelzügen mittels Wetterradar

  • Wissenschaftler der WSL nutzen Wetterradare, um Vogelzüge in Echtzeit zu beobachten und potenzielle Gefahren für Windräder zu bewerten.
  • Gezielte Abschaltungen während intensiver Zugphasen können zahlreiche Kollisionen verhindern.
  • Der Verlust an erzeugtem Strom bleibt dabei gering.

In den USA werden jährlich zwischen 140.000 und 330.000 Vogel-Kollisionen mit Windrädern geschätzt. Für Europa liegen vergleichbare Zahlen, insbesondere für nächtliche Zugvögel, bislang nicht vor. Bereits existieren Maßnahmen wie die Abschaltung von Turbinen bei starkem Vogelzug. So werden beispielsweise am Gotthardpass, einem wichtigen Zugkorridor mit jährlich 1,7 Millionen Zugvögeln, die Anlagen bei hoher Vogelaktivität durch einen lokalen Vogelradar abgeschaltet, um Zusammenstöße zu vermeiden.

Mit dem geplanten Ausbau von rund 25.000 neuen Windturbinen in Europa zur Erreichung der Emissionsziele wird die Gefährdung von Zugvögeln weiter zunehmen. Da viele Vogelpopulationen weltweit bereits rückläufig sind, bedarf es automatisierter und großflächiger Überwachungsmethoden.

Wetterradar als Instrument zur Vogelbeobachtung

Das Forschungsteam um Dr. Silke Bauer von der WSL verwendet Daten von Wetterradaren, die üblicherweise zur Messung von Niederschlag und Wolken genutzt werden. Diese Systeme erfassen jedoch auch Bewegungen von Vogelschwärmen über große Gebiete mit hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung, etwa alle 15 Minuten.

In der Studie, veröffentlicht in Nature Sustainability, analysierten die Forschenden Daten aus Deutschland, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Luxemburg. In diesen Ländern stehen etwa 42.000 Windturbinen, die im Jahr 2018 rund 718 Petajoule Energie erzeugten – vergleichbar mit der Jahresproduktion von 18 Kernkraftwerken. Mithilfe von 37 Wetterradaren und statistischen Verfahren schätzten sie, dass im Durchschnitt fast 800 Vögel pro Turbine potenziell gefährdet waren.

Abschaltszenarien und Auswirkungen auf die Stromproduktion

Die Wissenschaftler simulierten verschiedene Abschaltstrategien, um 50 bis 90 Prozent der Kollisionen zu vermeiden:

  • Abschaltung während der stärksten Zugphasen.
  • Stopp der Anlagen bei Überschreiten eines definierten Vogeldichte-Schwellenwerts.
  • Abschaltung bei Überschreiten eines Grenzwerts potenzieller Kollisionen pro Kilowattstunde erzeugter Energie.

Die ersten beiden Szenarien führen zu einem Stromproduktionsverlust von zwei bis 20 Prozent, was für Betreiber weniger attraktiv ist. Das dritte Szenario verursacht hingegen nur einen Verlust von 1,2 bis 7,6 Prozent, was angesichts der groben Annahmen der Studie als überraschend effizient gilt. Dr. Bauer plant, die Analyse auf ganz Europa und längere Zeiträume auszudehnen.

Schutz der biologischen Vielfalt durch koordinierte Maßnahmen

Der halbjährliche Vogelzug stellt einen bedeutenden Bestandteil der biologischen Vielfalt dar. Da die Migration überwiegend in engen Zeitfenstern mit kurzzeitigen Spitzen erfolgt, könnten zeitlich begrenzte und somit kostengünstige Einschränkungen der Windkraftnutzung ausreichend sein. Die Forschenden betonen die Notwendigkeit länderübergreifender Regelungen und Koordination, um sowohl den Schutz der Zugvögel als auch die Erreichung der Klimaziele sicherzustellen.

Dr. Bauer weist darauf hin, dass viele Menschen Windkraftanlagen ablehnen, weil sie eine hohe Zahl an Vogeltoten befürchten. Die Studie zeigt jedoch, dass durch geeignete Strategien eine nachhaltige Energieerzeugung mit effektivem Vogelschutz vereinbar ist.


Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen

Dr. Silke Bauer
Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Dynamische Makroökologie
E-Mail: silke.bauer@wsl.ch
WSL Birmensdorf


Originalpublikation

Bauer, S., Nussbaumer, R., Tito, D. a. R., Shamoun-Baranes, J., & Farnsworth, A. (2026). Bird migration and wind-energy production across Western Europe. Nature Sustainability. https://doi.org/10.1038/s41893-026-01853-4


Weiterführende Informationen

https://www.wsl.ch/de/news/radardaten-koennen-voegel-vor-windraedern-schuetzen/