Was die Mikroben รผber nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen verraten



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21.01.2025 07:48

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Plรถtzlich gesund

Fortschreitende Naturerkenntnis, ganz allgemein gesprochen, ‚Wissenschaft‘, ist der stรคrkste Feind des medizinischen Wunders. Was unseren Vorfahren als Wunder erschien, was einfache Naturvรถlker heute noch in heftige Erregung versetzt, das berรผhrt den zivilisierten Menschen lรคngst nicht mehr.
Doch es gibt einen Gegensatz, der jedem Denkenden sofort auffรคllt: der unerhรถrte, durchaus nicht abgeschlossene Aufstieg der wissenschaftlichen Heilkunde und die ebenso unerhรถrte Zunahme der Laienbehandlung und der Kurpfuscherei. Man schรคtzt die Zahl der Menschen, die der Schulmedizin kein Vertrauen schenken, auf immerhin 50 Prozent.
Wie kann es sein, daรŸ Laienbehandler und Kurpfuscher immer wieder spektakulรคre Erfolge aufweisen, von denen die Sensationspresse berichtet?
Der Autor geht dieser Frage nach und kommt zu interessanten Erkenntnissen, aus denen er Vorschlรคge fรผr eine bessere Krankenbehandlung durch seine รคrztlichen Standesgenossen ableitet.

Hier geht es weiter …

Was die Mikroben รผber nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen verraten

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Bei den gefundenen Signaturen handelt es sich um spezifische Arten des Darmmikrobioms und um bakterielle Stoffwechselprodukte, die helfen kรถnnen, NAFLD-Patienten von Nicht-NAFLD-Patienten zu unterscheiden. Sie erlauben die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen und sind daher besonders geeignet fรผr eine gezielte Diagnostik. Unterstรผtzt durch maschinelle Lernmodelle erzielten die Forschenden mit den erhobenen Datensรคtzen eine Diagnosegenauigkeit von รผber 90 %.

Die NAFLD betrifft bis zu 40 % der Bevรถlkerung in westlichen Lรคndern und ist eine der hรคufigsten Stoffwechselkrankheiten weltweit. Sie zeichnet sich durch eine รผbermรครŸige Einlagerung von Fett in den Leberzellen aus, die zu einem etwa 10 % erhรถhten Lebergewicht bei eingeschrรคnkter Leberfunktion fรผhren kann.

Trotz intensiver Forschung sind die genauen Mechanismen der Krankheitsentstehung und ihres Verlaufs (Pathophysiologie) bislang nicht vollstรคndig geklรคrt. Das Darmmikrobiom scheint dabei eine wichtige Rolle zu spielen, denn es beeinflusst die sogenannte Darm-Leber-Achse und kรถnnte so maรŸgeblich an der Entstehung von NAFLD beteiligt sein. Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Leibniz-Instituts fรผr Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie โ€“ Hans-Knรถll-Institut (Leibniz-HKI) ist der Frage nachgegangen, ob die Zusammensetzung des Mikrobioms aus vielen unterschiedlichen Mikroorganismen-Arten ein Indikator fรผr NAFLD sein kรถnnte. Die Studie hat genau dies bestรคtigt: Eine spezifische Zusammensetzung des Darmmikrobioms, gewissermaรŸen der Fingerabdruck oder eben seine Signatur, kรถnnte kรผnftig als Werkzeug fรผr prรคzisere Diagnosen und neue Therapieformen beispielsweise fรผr die nicht-alkoholische Fettleber genutzt werden.

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โ€žDas Auftreten von NAFLD in Kombination mit anderen Stoffwechselkrankheiten wie Typ-2-Diabetes ist eine besondere Herausforderung, da die Unterscheidung spezifischer Mikrobiom-Signaturen erschwert wirdโ€œ, erklรคrt Studienleiter Gianni Panagiotou. โ€žWir konnten Signaturen identifizieren, die eindeutig auf NAFLD zurรผckzufรผhren sind und deren differenzierte Diagnose ermรถglichen kรถnnten.โ€œ

Die Zusammensetzung des Darmmikrobioms wird grundsรคtzlich durch verschiedene Faktoren wie รœbergewicht, Alter, Ernรคhrung, Geschlecht oder durch Medikamenteneinnahme beeinflusst.

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In der Studie wurden moderne รถkologische Netzwerkanalysen eingesetzt, um zu entschlรผsseln, wie verschiedene Mikroorganismen in ihrer natรผrlichen Umgebung, dem menschlichen Darm, miteinander interagieren. Diese Analysen basieren auf interdisziplinรคren, datenbasierten und computergestรผtzten Methoden, um die Beziehungen zwischen den Arten und ihrer Umgebung besser zu verstehen. Die Forschenden konnten zeigen, dass bestimmte Mikrobiom-Netzwerke direkt mit der Entwicklung von NAFLD verknรผpft sind. Diese Ansรคtze liefern nicht nur prรคzise diagnostische Einblicke, sondern auch ein tieferes Verstรคndnis der Krankheitsmechanismen.

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Basierend auf den Mikrobiom-Signaturen kรถnnten therapeutische Ansรคtze vorgeschlagen werden. So ist vorstellbar, mit gezielt im Labor hergestellten mikrobiellen Konsortien, also ausgewรคhlten Gruppen von Mikroorganismen, die Darmgesundheit positiv zu beeinflussen.

โ€žUnsere Ergebnisse erรถffnen neue Mรถglichkeiten fรผr die personalisierte Therapie, die zielgenau auf die individuellen Bedรผrfnisse des Patienten zugeschnitten istโ€œ, betont Gianni Panagiotou. Er hat die Exzellenzprofessur Microbiome Dynamics an der Friedrich-Schiller-Universitรคt Jena inne und leitet die gleichnamige Abteilung am Leibniz-HKI. Mit seinen Arbeiten widmet er sich einem zentralen Anliegen des Exzellenzclusters โ€žBalance of the Microverseโ€œ, dem Verstรคndnis der Wechselwirkungen zwischen Mikrobiomen und ihrer Umwelt.

Die Ergebnisse der Studie unterstreichen die Bedeutung des Darmmikrobioms fรผr die Entwicklung neuer Methoden in der personalisierten Medizin. Die Kombination aus genetischen, klinischen und รถkologischen Daten erรถffnet neue Mรถglichkeiten, um Stoffwechselkrankheiten wie NAFLD besser zu verstehen und effektiver zu behandeln.

Die Studie, die jetzt im Fachjournal Microbiome verรถffentlicht wurde, erhielt unter anderem Fรถrderung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Jenaer Exzellenzclusters โ€žBalance of the Microverseโ€œ sowie des Bundesministeriums fรผr Bildung und Forschung (BMBF) und der Europรคischen Kommission mit dem Forschungs- und Innovationsprogramm Horizont 2020.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Dr. Gianni Panagiotou
+49 3641 532-1759
gianni.panagiotou@leibniz-hki.de


Originalpublikation:

Nychas E, Marfil-Sรกnchez A, Chen X, Mirhakkak M, Li H, Jia W, Xu A, Nielsen HB, Nieuwdorp M, Loomba R, Ni Y, Panagiotou G (2025) Discovery of robust and highly specific microbiome signatures of Non-Alcoholic Fatty Liver Disease. Microbiome 13, 10, https://doi.org/10.1186/s40168-024-01990-y


Bilder

Gianni Panagiotou ist Leiter der Abteilung โ€žMicrobiome Dynamicsโ€œ

Gianni Panagiotou ist Leiter der Abteilung โ€žMicrobiome Dynamicsโ€œ

Anna Schroll, Friedrich-Schiller Universitรคt Jena


Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Lehrer/Schรผler, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
Biologie, Ernรคhrung / Gesundheit / Pflege, Medizin
รผberregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch


 

Quelle: IDW