Zeitliche Kopplungen im Jahreszyklus von Zugvögeln und ihre Bedeutung für den Artenschutz

Zeitliche Kopplungen im Jahreszyklus von Zugvögeln und ihre Bedeutung für den Artenschutz

Zeitliche Kopplungen im Jahreszyklus von Zugvögeln und ihre Bedeutung für den Artenschutz

Zeitliche Zusammenhänge im Wanderverhalten von Zugvögeln

Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung der Universität Oldenburg hat in einer umfangreichen Studie mit Daten von über 2.000 Vögeln verschiedener Arten zeitliche Muster im Jahreszyklus von Zugvögeln analysiert. Die Ergebnisse, veröffentlicht in Nature Ecology and Evolution, zeigen, dass verspäteter Start im Überwinterungsgebiet mit einer späteren Ankunft im Brutgebiet sowie einer verzögerten Herbstmigration einhergeht. Diese Erkenntnisse sind relevant für den Schutz der weltweit rückläufigen Zugvogelbestände.

Untersuchung der Wanderzeiten

Entgegen der verbreiteten Annahme, dass Zugvögel wie Mauersegler jedes Jahr pünktlich zu festen Terminen in Mitteleuropa eintreffen und wieder aufbrechen, variieren die Ankunfts- und Abflugzeiten individuell. Das Forscherteam um Dr. Vojtěch Brlík von der Karlsuniversität Prag konnte anhand von Daten zeigen, dass die zeitlichen Ereignisse im Wanderzyklus eng miteinander verknüpft sind. Vögel, die im Frühjahr verspätet aus dem Überwinterungsgebiet aufbrechen, erreichen ihr Brutgebiet später und starten im Herbst ebenfalls verzögert in die Rückkehr.

Methodik und Datengrundlage

Für die Studie wurden Flugdaten von 2.324 Individuen aus 83 kleinen Zugvogelarten auf sechs Kontinenten ausgewertet. Die meisten Vögel trugen Helldunkelgeolokatoren, die anhand der Lichtstärke und Zeitmessung Positionsdaten während der Migration liefern. Da diese Geräte keine Datenübertragung ermöglichen, mussten die Vögel nach einem Jahr erneut gefangen werden, um die gespeicherten Informationen auszulesen.

Prof. Dr. Heiko Schmaljohann vom Institut für Biologie und Umweltwissenschaften der Universität Oldenburg betont den hohen Aufwand der Feldarbeit, um solche Datensätze zu generieren. Gemeinsam mit Prof. Dr. Miriam Liedvogel und Dr. Wieland Heim trug das Oldenburger Team Daten von Arten wie der Mönchsgrasmücke, dem Steinschmätzer und dem Rubinkehlchen bei.

Ergebnisse der Analyse

  • Die Studie identifizierte weit verbreitete zeitliche Kopplungen im Wanderverhalten sowohl innerhalb von Populationen als auch zwischen verschiedenen Arten.
  • Vögel, die verspätet starten, können einen Teil der Verzögerung während der Migration ausgleichen, erreichen ihr Ziel jedoch im Durchschnitt später als pünktliche Artgenossen.
  • Zwischen der Ankunft im Überwinterungsgebiet und dem Abflug im folgenden Frühjahr besteht kein direkter zeitlicher Zusammenhang, was auf einen „Neustart“ im Jahreszyklus hindeutet.
  • Lokale Umweltbedingungen, wie Nahrungsverfügbarkeit, Wetterlagen oder Konkurrenzsituationen, scheinen den Zeitpunkt des Frühjahrsaufbruchs stärker zu beeinflussen als die Ankunftszeit im Vorjahr.
  • Weitere Einflussfaktoren auf die Stärke der zeitlichen Kopplungen sind Zugdistanz, Geschlecht und Körpergewicht der Vögel.

Bedeutung für den Artenschutz

Angesichts der globalen Abnahme von Zugvogelpopulationen ist das Verständnis der zeitlichen Dynamik im Wanderzyklus entscheidend. Die Forscher unterstreichen die Notwendigkeit, zu erforschen, wie Störungen in einzelnen Phasen des Jahreszyklus die Überlebensfähigkeit der Vögel beeinflussen. Prof. Schmaljohann weist darauf hin, dass lokale Umweltveränderungen potenziell Auswirkungen auf das Überleben an entfernten Orten haben können.


Kontaktinformationen der wissenschaftlichen Ansprechpartner

  • Dr. Wieland Heim, E-Mail: wieland.heim@uol.de
  • Prof. Dr. Miriam Liedvogel, E-Mail: miriam.liedvogel@uol.de
  • Prof. Dr. Heiko Schmaljohann, E-Mail: heiko.schmaljohann@uol.de

Originalpublikation

Vojtěch Brlík et al.: „Temporal links in avian migration schedules across the annual cycle“, Nature Ecology and Evolution, DOI: 10.1038/s41559-026-03208-w


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