Candida auris und der Einfluss des Klimawandels auf die Ausbreitung gefährlicher Pilzinfektionen

Candida auris und der Einfluss des Klimawandels auf die Ausbreitung gefährlicher Pilzinfektionen

Candida auris und der Einfluss des Klimawandels auf die Ausbreitung gefährlicher Pilzinfektionen

Candida auris: Möglicher Hinweis auf das Auftreten weiterer gefährlicher Pilzarten

Der Hefepilz Candida auris, der für den Menschen lebensbedrohlich sein kann, hat sich in kurzer Zeit weltweit verbreitet. Wissenschaftler der Universität Würzburg vermuten, dass steigende Temperaturen durch den Klimawandel eine Rolle bei dieser Entwicklung spielen könnten.

Globale Ausbreitung und mögliche Ursachen

Die Frage, warum Candida auris innerhalb weniger Jahre zu einem bedeutenden Krankheitserreger geworden ist, beschäftigt viele Forschende. Carla Schuh und Chaitanya Gokhale vom Biozentrum der Universität Würzburg haben in einem Übersichtsartikel im Fachjournal mSphere den aktuellen Forschungsstand zusammengefasst. Dabei analysierten sie etwa 180 Studien.

Die Wissenschaftler vertreten die Hypothese, dass der Klimawandel die Infektiosität dieses Pilzes begünstigt haben könnte. Von den geschätzten drei bis fünf Millionen Pilzarten auf der Erde sind nur wenige hundert in der Lage, Menschen zu infizieren. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass die meisten Pilze bei der menschlichen Körpertemperatur von 37 °C nicht wachsen können. Durch die Erhöhung der globalen Temperaturen könnten sich jedoch mehr Pilzarten an höhere Temperaturen anpassen und so potenziell menschliche Wirte besiedeln.

Unbekannter Ursprung und weitere Einflussfaktoren

Der ursprüngliche Lebensraum von Candida auris ist bislang nicht eindeutig geklärt. Vermutet werden Küstenregionen, Feuchtgebiete oder salzhaltige Umgebungen. Die Forscher weisen darauf hin, dass neben dem Klimawandel auch andere vom Menschen verursachte Umweltveränderungen, wie der Einsatz von Fungiziden in der Landwirtschaft, zur schnellen Verbreitung des Pilzes beigetragen haben könnten.

Eigenschaften und Gefährdungspotenzial von Candida auris

  • Erstmalige Entdeckung 2009 in Japan im Ohr eines Patienten, daher der Name „auris“ (lateinisch für Ohr)
  • Gleichzeitiges Auftreten auf mehreren Kontinenten in unterschiedlichen genetischen Linien, was auf einen globalen Selektionsdruck hindeutet
  • Wachstum bei 37 °C und Überlebensfähigkeit bis 47 °C, im Gegensatz zu nah verwandten Arten
  • Längeres Überleben auf Krankenhausoberflächen
  • Häufige Resistenz gegen mehrere Antimykotika

Diese Eigenschaften machen Candida auris insbesondere für immungeschwächte Patienten, wie Krankenhaus- oder Pflegeheimbewohner, gefährlich. Bei einer Blutinfektion liegt die Sterblichkeit je nach Studie zwischen 20 und 67 Prozent, in vielen Ländern bei etwa 52 Prozent. Ein Ausbruch in Europa mit 140 bestätigten Fällen führte zu einer Sterblichkeit von 41 Prozent innerhalb eines Monats.

Globale Entwicklung von Pilzinfektionen

Der Übersichtsartikel berücksichtigt zudem internationale Studien zu Umweltveränderungen und deren Einfluss auf die Verbreitung von Pilzkrankheiten. Beispiele sind unter anderem Cryptococcus gattii und Aspergillus fumigatus, die neue Regionen besiedeln oder vermehrt Resistenzen entwickeln. Die Forschungsgemeinschaft ist sich einig, dass Pilzinfektionen weltweit an Bedeutung gewinnen, jedoch bleiben die genauen Ursachen und die Rolle einzelner Faktoren weiterhin Gegenstand intensiver Diskussionen.

Notwendigkeit eines Frühwarnsystems

Aus den Erkenntnissen leiten viele Forschende die Forderung nach einer verbesserten Überwachung ab, um neue Krankheitserreger frühzeitig zu erkennen und größere Ausbrüche zu verhindern. Eine systematische Beobachtung von Pilzen in Böden, Gewässern, Luft und medizinischen Einrichtungen wird als notwendig erachtet. Dies erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Umweltforschung, Klimawissenschaft, Evolutionsbiologie und Medizin.

Die Entwicklung solcher Frühwarnsysteme und Präventionsmaßnahmen setzt erhebliche Investitionen in Diagnostik, Laborinfrastruktur und Arzneimittelentwicklung voraus. Als erster Schritt könnten theoretische Modelle helfen, kosteneffizient vorherzusagen, welche Pilzarten zukünftig problematisch werden könnten.

Die Würzburger Wissenschaftler betonen: „Angesichts der veränderten Dynamik von Candida-Infektionen sind Investitionen in die Entwicklung solcher Vorhersagemodelle unerlässlich, da wir davon ausgehen, dass sich andere eng verwandte Arten künftig ähnlich entwickeln werden.“


Wissenschaftliche Ansprechpartner

Prof. Dr. Chaitanya Gokhale
Lehrstuhl für Computational and Theoretical Biology
Universität Würzburg
chaitanya.gokhale@uni-wuerzburg.de


Originalpublikation

Carla E. Schuh, Chaitanya S. Gokhale: Candidozyma auris (Candida auris) as a harbinger of novel fungal pathogens. mSphere, 2. Oktober 2026. DOI: 10.1128/msphere.00109-26