Weniger Luftverschmutzung: Emissionshandel nützt auch der Gesundheit

Weniger Luftverschmutzung: Emissionshandel nützt auch der Gesundheit



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02.07.2024 14:45

Weniger Luftverschmutzung: Emissionshandel nützt auch der Gesundheit

Das EU-Emissionshandelssystem ist nicht nur gut für die Reduktion von CO2 und damit für das Klima. Es führt auch zu erheblichen Gesundheitsvorteilen durch weniger Luftverschmutzung und spart damit mehrere Hundert Milliarden Euro ein. Das zeigt ein Team der Universität Hamburg in einer jetzt erschienenen Studie.

Das Forschungsteam vom Exzellenzcluster „Climate, Climatic Change, and Society“ (CLICCS) der Universität Hamburg untersuchte die indirekten Auswirkungen des Europäischen Emissionshandelssystems (EU ETS) auf gefährliche Luftschadstoffe wie Schwefeldioxid, Feinstaub und Stickoxide. „Dass der EU ETS als Europas zentrales Klimaschutzinstrument seinen eigentlichen Job macht und Treibhausgasemissionen reduziert, ist bereits gut belegt,“ sagt Jonas Grunau. „Aber wir wissen noch zu wenig darüber, welche Nebenwirkungen das System hat.“

Um solche Nebenwirkungen zu untersuchen, führte das Team aus Hamburg eine Analyse durch, wie das EU ETS die Emission von Luftschadstoffen reduziert haben könnte, und quantifizierte die vermiedenen Gesundheitsschäden mit offiziellen Kostensätzen des Umweltbundesamtes. Sie berechneten, wie sich die Mengen von Luftschadstoffen in der EU von Beginn des Emissionshandels 2005 bis 2021 in regulierten Sektoren, wie beispielsweise dem Stromsektor, im Vergleich zu unregulierten Sektoren entwickelt haben. Die Ergebnisse zeigen einen Rückgang von 15 Millionen Tonnen (Mt) Schwefeldioxid, 1 Mt Feinstaub und 5 Mt Stickoxiden.

„Während unsere Studie eine erste Abschätzung auf aggregierter Ebene liefert, sollten weitere Analysen untersuchen, wo die Reduktionen genau stattfinden und welche Personengruppen konkret von diesen profitieren“, ergänzt Dr. Piero Basaglia.
Neben dem Emissionshandel haben wahrscheinlich auch europäische Emissionsstandards für Luftschadstoffe zu den Reduktionen beigetragen, da diese im selben Zeitraum verschärft worden sind. Doch selbst wenn das Forschungsteam direkte Effekte von Emissionsstandards in vollem möglichen Umfang von der Schätzung abzieht, ergeben sich vermiedene Gesundheitsschäden in Höhe von mehr als hundert Milliarden Euro.

„Europäischer Klimaschutz reduziert CO2 und vermeidet dadurch Klimaschäden, besonders für zukünftige Generationen und auch außerhalb Europas. Aber gleichzeitig bringt uns der Emissionshandel hier und heute substanzielle Vorteile für unsere Gesundheit. Dies kann ein wichtiger motivierender Faktor für die Unterstützung von Klimapolitik sein“, folgert Prof. Dr. Moritz Drupp aus den Ergebnissen der Studie.

Für Rückfragen:

Stephanie Janssen
Universität Hamburg
Exzellenzcluster „Climate, Climatic Change, and Society“ (CLICCS)
Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN)
Tel.: +49 40 42838-7596
E-Mail: stephanie.janssen@uni-hamburg.de


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Dr. Moritz Drupp
Universität Hamburg
Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Exzellenzcluster „Climate, Climatic Change, and Society“ (CLICCS)
Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN)
Hamburg Center for Health Economics (HCHE)
Tel.: +49 40 42838 6171
E-Mail: Moritz.Drupp@uni-hamburg.de

Jonas Grunau
Universität Hamburg
Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Exzellenzcluster „Climate, Climatic Change, and Society“ (CLICCS)
Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN)
Tel.: +49 40 42838 3288
E-Mail: jonas.sebastian.grunau@uni-hamburg.de


Originalpublikation:

Basaglia P., Grunau J., Drupp M.A. (2024): The European Union Emissions Trading System might yield large co-benefits from pollution reduction; Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS); https://doi.org/10.1073/pnas.2319908121


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Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
Energie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Politik, Umwelt / Ökologie, Wirtschaft
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch


 

Quelle: IDW