Weniger Medikamente schlucken dank arriba-PPI



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12.12.2023 14:56

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Plötzlich gesund

Fortschreitende Naturerkenntnis, ganz allgemein gesprochen, ‘Wissenschaft’, ist der stärkste Feind des medizinischen Wunders. Was unseren Vorfahren als Wunder erschien, was einfache Naturvölker heute noch in heftige Erregung versetzt, das berührt den zivilisierten Menschen längst nicht mehr.
Doch es gibt einen Gegensatz, der jedem Denkenden sofort auffällt: der unerhörte, durchaus nicht abgeschlossene Aufstieg der wissenschaftlichen Heilkunde und die ebenso unerhörte Zunahme der Laienbehandlung und der Kurpfuscherei. Man schätzt die Zahl der Menschen, die der Schulmedizin kein Vertrauen schenken, auf immerhin 50 Prozent.
Wie kann es sein, daß Laienbehandler und Kurpfuscher immer wieder spektakuläre Erfolge aufweisen, von denen die Sensationspresse berichtet?
Der Autor geht dieser Frage nach und kommt zu interessanten Erkenntnissen, aus denen er Vorschläge für eine bessere Krankenbehandlung durch seine ärztlichen Standesgenossen ableitet.

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Weniger Medikamente schlucken dank arriba-PPI

Nutzen Hausärzte die Software arriba-PPI in Beratungsgesprächen, so verschreiben sie weniger unnötige Säureblocker. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Institut für Allgemeinmedizin der Philipps-Universität Marburg gemeinsam mit Fachkolleginnen und -kollegen anderer Universitäten durchgeführt hat. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Dr. Julia Heisig und Professorin Dr. Annika Viniol berichten im Wissenschaftsmagazin „Scientific Reports“ über ihre Ergebnisse.

Bei der gastroösophagealen Refluxkrankheit fließt Magensäure in die Speiseröhre, was zu Sodbrennen führen kann. Dagegen verschreiben Ärztinnen und Ärzte häufig Säureblocker; dabei handelt es sich um Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) wie Pantoprazol und Omeprazol. Säureblocker gehören zu den am häufigsten verordneten Medikamenten, die auch gegen Magengeschwüre und andere Beschwerden mit dem Verdauungstrakt eingesetzt werden. „Oftmals kommt es zu unreflektierten Weiterverordnungen, Problemen beim plötzlichen Absetzen oder zu Nebenwirkungen, die erst nach Jahren der PPI-Einnahme auftreten“, erklärt Dr. Julia Heisig vom Institut für Allgemeinmedizin der Philipps-Universität Marburg, die Erstautorin des Fachaufsatzes.

Um eine Überversorgung zu vermeiden und langfristige Risiken zu minimieren, ist immer wieder sorgfältig zu prüfen, ob die Präparate abgesetzt werden können. Die Entscheidung für oder gegen eine Verschreibung treffen Hausärztinnen und Hausärzte üblicherweise gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten, die betroffen sind. „Um die Beratung zu erleichtern, haben wir die digitale Entscheidungshilfe arriba-PPI entwickelt, die den Hausarzt oder die Hausärztin während der Sprechstunde unterstützen kann“, führt die Marburger Allgemeinmedizinerin Professorin Dr. Annika Viniol aus, eine weitere Leitautorin der aktuellen Studie.

Hält die Onlinehilfe, was sie verspricht? Um das herauszufinden, führte das Marburger Institut für Allgemeinmedizin gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen eine Studie mit 2.370 Patientinnen und Patienten durch, die mindestens ein halbes Jahr lang Säureblocker eingenommen hatten. Sie erhielten je zur Hälfte entweder eine hausärztliche Beratung unter Zuhilfenahme von arriba-PPI oder eine Behandlung wie üblich. „In jeder zweiten Beratung mit arriba-PPI einigte man sich auf ein Absetzen oder auf eine Verminderung der Medikation“, berichtet Heisig. Das führte nach sechs Monaten dazu, dass in der Gruppe mit computergestützter Beratung die Verordnung von Säureblockern im Vergleich zur Kontrollgruppe um 22 Prozent niedriger ausfiel.

„Die Beratung mit arriba-PPI führt also zu einer geringeren Verschreibungsrate von Protonenpumpen-Inhibitoren in Hausarztpraxen“, fasst Heisig zusammen. Einige kassenärztliche Vereinigungen und die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin haben sich bereits dafür ausgesprochen, arriba-PPI in die Regelversorgung zu integrieren, weiß die Marburger Wissenschaftlerin zu berichten.

Neben dem Institut für Allgemeinmedizin der Philipps-Universität Marburg beteiligten sich die Universitäten Düsseldorf und Witten/Herdecke an der Studie, die der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses der Bundesrepublik Deutschland finanziell förderte.

Originalveröffentlichung: Julia Heisig & al.: Efficacy of a computer based discontinuation strategy to reduce PPI prescriptions: a multicenter cluster-randomized controlled trial, Scientific Reports 2023, DOI: https://doi.org/10.1038/s41598-023-48839-2

Weitere Informationen:
Ansprechpartnerin: Dr. Julia Heisig,
Institut für Allgemeinmedizin
Tel.: 06421 28-25011
E-Mail: julia.heisig@uni-marburg.de
Homepage: http://www.uni-marburg.de/fb20/allgprmed


Bilder

Die Software arriba-PPI hilft in der hausärztlichen Beratung, mit Patientinnen und Patienten ins Gespräch zu kommen.

Die Software arriba-PPI hilft in der hausärztlichen Beratung, mit Patientinnen und Patienten ins Ges
Foto: Konrad Hierasimowicz
Das Bild darf nur für die Berichterstattung über die zugehörige wissenschaftliche Veröffentlichung verwendet werden.


Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Medizin
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch


 

Quelle: IDW