Gewebebrücken sind zuverlässige Prädiktoren zur Gene-sung bei Halswirbelsäulenverletzungen

Gewebebrücken sind zuverlässige Prädiktoren zur Gene-sung bei Halswirbelsäulenverletzungen



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28.06.2024 10:00

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Plötzlich gesund

Fortschreitende Naturerkenntnis, ganz allgemein gesprochen, ‘Wissenschaft’, ist der stärkste Feind des medizinischen Wunders. Was unseren Vorfahren als Wunder erschien, was einfache Naturvölker heute noch in heftige Erregung versetzt, das berührt den zivilisierten Menschen längst nicht mehr.
Doch es gibt einen Gegensatz, der jedem Denkenden sofort auffällt: der unerhörte, durchaus nicht abgeschlossene Aufstieg der wissenschaftlichen Heilkunde und die ebenso unerhörte Zunahme der Laienbehandlung und der Kurpfuscherei. Man schätzt die Zahl der Menschen, die der Schulmedizin kein Vertrauen schenken, auf immerhin 50 Prozent.
Wie kann es sein, daß Laienbehandler und Kurpfuscher immer wieder spektakuläre Erfolge aufweisen, von denen die Sensationspresse berichtet?
Der Autor geht dieser Frage nach und kommt zu interessanten Erkenntnissen, aus denen er Vorschläge für eine bessere Krankenbehandlung durch seine ärztlichen Standesgenossen ableitet.

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Gewebebrücken sind zuverlässige Prädiktoren zur Gene-sung bei Halswirbelsäulenverletzungen

Die Prognose zur Genesung nach einer Rückenmarksverletzung (SCI) ist für die direkt Betroffenen und ihr Umfeld von grosser Bedeutung. Bisher blieb sie aber ungenau. Forschern aus drei internationalen Rehabilitationszentren in Zürich, Murnau und Denver ist es nun gelungen, den Wert von Neuroimaging-Messungen für die Vorhersage der sensorischen und motorischen Genesung bei Menschen mit Tetraplegie aufzuzeigen. Die aus klinischen Magnetresonanztomographien (MRT) abgeleiteten Neuroimaging-Messungen erfassen das Ausmass des unverletzten Nervengewebes neben der Rückenmarksläsion, die sogenannten «spinalen Gewebebrücken».

Die Ergebnisse der Längsschnittstudie «Prognostic value of tissue bridges in cervical spi-nal cord injury» haben das Potenzial, die klinische Praxis zu verändern. Sie wurden soeben in «The Lancet Neurology», der weltweit führenden Zeitschrift für klinische Neurologie, ver-öffentlicht. Das Team um Erstautor Dr. Dario Pfyffer und Seniorautor Prof. Dr. med. Patrick Freund von der Universitätsklinik Balgrist und der Universität Zürich, dem SCI-Experten aus der ganzen Welt angehören, hat in einer grossen, multizentrischen Kohorte von Patien-ten mit zervikaler SCI erfolgreich Modelle entwickelt, die Gewebebrücken im Rückenmark für eine verbesserte Prognose der klinischen Ergebnisse einbeziehen. Diese Gewebebrü-cken wurden auf (früh nach Eintreten der Rückenmarksverletzung aufgenommenen) MRT-Bildern gemessen. Dadurch ergab sich für die bisherigen Prognosemodellen, die auf der Erfassung des klinischen Zustands der Patienten bei deren Eintritt ins Krankenhaus basie-ren, ein entscheidender Mehrwert. Dr. Pfyffer sagt dazu: «Eine genaue Ergebnisvorher-sage ist für die Patienten, die behandelnden Therapeuten und die behandelnden Ärzte von grösster Bedeutung.»

Bemerkenswerterweise haben sich in allen drei Rehabilitationszentren die Gewebebrücken auch als leistungsfähigere und genauere Prädiktoren erwiesen als die klinischen Aus-gangsdaten zur Einteilung der Patienten in Untergruppen mit ähnlichen klinischen Ergebnis-sen. Dr. Pfyffer betont, wie wichtig es ist, dass die Modelle zur Vorhersage der Genesung reproduzierbar und auf neue Patienten verallgemeinerbar sind. Insbesondere wurden die Studienergebnisse in den einzelnen SCI-Patientenkohorten der drei Zentren mit ihren de-mografischen und klinischen Unterschieden validiert. «Unsere Modelle und Ergebnisse können auf andere Patientenkohorten übertragen werden und sind für alle SCI-Zentren, MRT-Scanner und Personen, die die Messungen durchführen und beurtei-len gültig.» Damit ist der Grundstein für eine erfolgreiche Anwendung von Gewebebrü-cken zur verbesserten Durchführung von multizentrischen Interventionsstudien gelegt.

In dieser wegweisenden Bildgebungsstudie wurden die Fortschritte der Genesung beim Spitalaustritt des Patienten etwa drei Monate nach der Verletzung und bei der Nachunter-suchung nach zwölf Monaten untersucht. Dadurch konnte die Studie überzeugende Bewei-se dafür liefern, dass Gewebebrücken im Rückenmark mit kurz- und langfristigen klini-schen Verbesserungen einhergehen, was die breite klinische Anwendbarkeit des Studien-ansatzes unterstreicht. Die Studie zeigt das unglaubliche Potenzial von Gewebebrücken zur Optimierung der klinischen Entscheidungsfindung, der Patientenberatung und der Pla-nung von SCI-Studien, wenn die Gewebebrücken routinemässig als Teil der klinischen Versorgungsstandards erfasst werden. Sie ist ein weiterer Schritt bei der Entwicklung spe-zifischerer Rehabilitationsprogramme und individualisierter Behandlungsstrategien für Men-schen mit einer Rückenmarksverletzung.

Über die beteiligten Rehabilitationszentren
Die Patienten dieser multinationalen Studie wurden in der Universitätsklinik Balgrist, Zürich (Schweiz), im BG Traumazentrum, Murnau (Deutschland) und im Craig Hospital, Denver (USA) behandelt. Diese renommierten Trauma- und Rehabilitationskliniken haben es sich zur Aufgabe gemacht, die medizinische Forschung voranzutreiben und durch innovative Studien und klinische Anwendungen die Ergebnisse für die Patienten zu verbessern. Ihr Expertenteam ist bestrebt, neue Ansätze für die Diagnose, Behandlung und Rehabilitation von Rückenmarksverletzungen zu entwickeln.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dr. Dario Pfyffer, PhD
Postdoc-Forscher Universitätsklinik Balgrist, Universität Zürich, und Standford University School of Medicine, Absolvent des ZNZ PhD-Programms (International PhD Program in Neuroscience der UZH und der ETH).
+41 44 386 72 08 / dario.pfyffer@balgrist.ch


Originalpublikation:

Dario Pfyffer et all. Prognostic value of tissue bridges in cervical spinal cord injury: a longitudinal, multicentre, retrospective cohort study. The Lancet Neurology, June 27, 2024 https://doi.org/10.1016/S1474-4422(24)00173-X


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Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Biologie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin, Sportwissenschaft
überregional
Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsergebnisse
Deutsch


 

Quelle: IDW