Empfehlungen für Kinderwunsch bei Neuromyelitis optica

Empfehlungen für Kinderwunsch bei Neuromyelitis optica


Teilen: 

26.02.2020 09:21

Empfehlungen für Kinderwunsch bei Neuromyelitis optica

Erkrankungen der Gruppe Neuromyelitis optica, kurz NMOSD, sind seltene Autoimmunerkrankungen, die oft schwere Entzündungsschübe im Rückenmark und Gehirn hervorrufen oder am Sehnerv. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, viele von ihnen sind im gebärfähigen Alter. Ein Team der Neurologie der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Prof. Dr. Kerstin Hellwig hat gemeinsam mit internationalen Kollegen Studien zu unterschiedlichen Wirkstoffen und ihren Auswirkungen auf Schwangerschaft und Stillzeit ausgewertet und zusammen mit Therapieempfehlungen in einem Überblicksartikel zusammengefasst. Er ist am 20. Februar 2020 im Magazin Nature Reviews Neurology erschienen.

Viele Frauen unter 40 sind betroffen

Fast 80 Prozent der NMOSD-Betroffenen sind Frauen, über die Hälfte der Patientinnen und Patienten sind bei Beginn der Erkrankung jünger als 40. Patientinnen mit Kinderwunsch sehen sich verschiedenen Schwierigkeiten gegenüber: „Es ist bekannt, dass eine Schwangerschaft den Krankheitsverlauf von NMOSD verschlechtern kann, dass also während und nach einer Schwangerschaft besonders viele Krankheitsschübe auftreten“, berichtet Kerstin Hellwig. Auch ist das Risiko für eine Fehlgeburt bei NMOSD-Patientinnen erhöht, und einige Medikamente, die gegen NMOSD eingesetzt werden, Risiken für das ungeborene Kind bergen.

Literature advertisement

Plötzlich gesund

Fortschreitende Naturerkenntnis, ganz allgemein gesprochen, ‘Wissenschaft’, ist der stärkste Feind des medizinischen Wunders. Was unseren Vorfahren als Wunder erschien, was einfache Naturvölker heute noch in heftige Erregung versetzt, das berührt den zivilisierten Menschen längst nicht mehr.
Doch es gibt einen Gegensatz, der jedem Denkenden sofort auffällt: der unerhörte, durchaus nicht abgeschlossene Aufstieg der wissenschaftlichen Heilkunde und die ebenso unerhörte Zunahme der Laienbehandlung und der Kurpfuscherei. Man schätzt die Zahl der Menschen, die der Schulmedizin kein Vertrauen schenken, auf immerhin 50 Prozent.
Wie kann es sein, daß Laienbehandler und Kurpfuscher immer wieder spektakuläre Erfolge aufweisen, von denen die Sensationspresse berichtet?
Der Autor geht dieser Frage nach und kommt zu interessanten Erkenntnissen, aus denen er Vorschläge für eine bessere Krankenbehandlung durch seine ärztlichen Standesgenossen ableitet.

Hier geht es weiter …

Schübe reduzieren, ohne dem Kind zu schaden

Da Krankheitsschübe zu bleibenden Behinderungen und zur Erblindung führen können, sehen es die Forscherinnen und Forscher als maßgeblich an, diese Schübe zu verhindern, ohne jedoch dem Kind zu schaden. Hellwig und ihr Team haben Studien zu verschiedenen Wirkstoffen ausgewertet, die die Immunreaktion unterdrücken. „Azathioprine, Rituximab, Eculizumab und Glukokortikoide scheinen in Schwangerschaft und Stillzeit relativ sicher zu sein und sind deswegen die Medikamente der Wahl“, fasst Kerstin Hellwig zusammen. Die Expertinnen und Experten raten dazu, Patientinnen sorgfältig über Nutzen und Risiken der MNOSD-Therapie vor und während einer Schwangerschaft aufzuklären und besonders zu überwachen. „Neurologen und Gynäkologen müssen dafür eng zusammenarbeiten“, rät das Expertenteam.

Förderung

Die Arbeiten wurden gefördert vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschuss.

Originalveröffentlichung

Yang Mao-Draayer, Sandra Thiel, Elizabeth A. Mills, Tanuja Chitnis, Michelle Fabian, Ilana Katz Sand, M. Isabel Leite, Sven Jarius, Kerstin Hellwig: Neuromyelitis optica spectrum disorders and pregnancy: therapeutic considerations, in: Nature Reviews Neurology, 2020, DOI: 10.1038/s41582-020-0313-y, https://www.nature.com/articles/s41582-020-0313-y

Pressekontakt

Prof. Dr. Kerstin Hellwig
Klinik für Neurologie
Klinikum St. Josef-Hospital
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: +49 234 509 0
E-Mail: k.hellwig@klinikum-bochum.de


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Dr. Kerstin Hellwig
Klinik für Neurologie
Klinikum St. Josef-Hospital
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: +49 234 509 0
E-Mail: k.hellwig@klinikum-bochum.de


Originalpublikation:

Yang Mao-Draayer, Sandra Thiel, Elizabeth A. Mills, Tanuja Chitnis, Michelle Fabian, Ilana Katz Sand, M. Isabel Leite, Sven Jarius, Kerstin Hellwig: Neuromyelitis optica spectrum disorders and pregnancy: therapeutic considerations, in: Nature Reviews Neurology, 2020, DOI: 10.1038/s41582-020-0313-y


Weitere Informationen:

https://www.nature.com/articles/s41582-020-0313-y – Orginalpaper


Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Medizin
überregional
Forschungsergebnisse
Deutsch


Quelle: IDW